Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.                                 

GKV HIS-Projekt                                                                     

Aktuell: 3. Quartal 2020

Im Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände hin. Die zuerst veröffentlichten Zahlen des GKV-Spitzenverbandes wurden nach der Veröffentlichung für das zweite Quartal nachträglich korrigiert. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung.

Aufgrund der Abrechnungssystematik wird dieser Einbruch erst jetzt sichbar. (Abb1-4)                                                          

Nach Datenpanne im 2.Quartal erneut offene Fragen zur Plausibilität der HIS-Zahlen

Der GKV Spitzenverband hatte die Veröffentlichung der Zahlen, auf die wir uns in unserem Bericht am 13. Januar bezogen hatten, zurückgezogen und dann eine korrigierte Fassung veröffentlicht.

Leider wurden die Korrekturen seitens der GKV bisher nicht kommentiert, so ist aktuell nicht zu bewerten welche Auswirkungen die Datenpanne auf frühere Veröffentlichungen hat. Entsprechende Anfragen dazu wurden vom GKV – Spitzenverband bisher nicht beantwortet.

Die nun vorliegenden Zahlen belegen den erwarteten Einbruch während der Pandemie, allerdings weichen die Zahlen der Behandlungsmengen und der Bruttoumsätze extrem voneinander ab. Trotz eines deutlichen Rückgangs der Behandlungsmengen im 3. Quartal vermeldet das Heilmittelinformationssystem einen Anstieg der Bruttoumsätze. Dieses Umsatzwachstum ließe sich nur durch eine deutliche Steigerung der Preise erklären.

Rechnerisch würde sich dann im Verhältnis der Behandlungsmengen zu den Bruttoumsätzen folgende Preissteigerung innerhalb eines Quartals ergeben:

  • Physiotherapie +46%
  • Ergotherapie +55%
  • Logopädie +60%
  • Podologie +59%

Auch unter Einbezug der Hygienepauschalen lässt sich eine solche Steigerung nicht plausibel darstellen. Wir vermuten daher erneut einen Fehler bei der Datengrundlage der Zahlen des GKV-HIS.

Fazit

In der Summe scheinen die Zahlen des GKV-Heilmittelinformationssystems auf einer nicht plausiblen Datengrundlage zu basieren. Die Methodik und Maßnahmen zur Qualitätssicherung bleiben unklar, zumindest solange die Datenhoheit auf die GKV beschränkt bleibt.

Zur Darstellung des Versorgungsgeschehens im Bereich der ambulanten Heilmittelversorgung sind die vorliegenden Daten nicht geeignet. Aus diesem Grund werden wir das Monitoring auf Basis der Zahlen des GKV-HIS bis auf Weiteres einstellen.

 

                                                                 

Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Die TAL gGmbH finanziert sich hauptsächlich durch Spenden und regelmäßige Förderbeiträge. Diese Zuwendungen helfen uns unabhängig zu bleiben und unsere Tätigkeit kontinuierlich auszubauen.Unterstützen sie unsere Arbeit mit einer

43110cookie-checkMengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 3. Quartal 2020