Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.

GKV HIS Projektbeschreibung                                                             

Aktuell: 2. Quartal 2020

Im letzten Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände bei den Abrechnungszahlen aufgrund von Maßnahmen zur Liquiditätssicherung hin. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung ab März/April 2020 (Abb.1 bis 4).

 

Zahlen des GKV Heilmittelinformationssystems belegen erwarteten Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung aufgrund der Pandemie

Die nun vorliegenden Zahlen belegen den von uns im letzten Versorgungsmonitor erwarteten starken Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung.

Neben den Umsätzen der Leistungserbringer ging auch die die Anzahl der erbrachten Behandlungseinheiten dramatisch zurück. Den größten Einbruch verzeichnete der Leistungsbereich der Logopädie. Hier kam es zu einem Umsatz- und Mengenrückgang von jeweils 67%. Die anderen Heilmittelbereiche verzeichnen jedoch ähnlich hohe Rückläufe. In der Ergotherapie ging der Umsatz im Vergleich zum 1.Quartal um 66%, die Anzahl der Behandlungseinheiten war gegenüber den Höchstständen um 64% gesunken. Ähnlich sieht es in der Physiotherapie (-62% Umsatz und Menge) und der Podologie ( -62% Menge und -61% Umsatz) aus (Abb.1-5).

Somit belegen die Zahlen des GKV-HIS auch die Daten, die wir in den ersten Wochen der Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung im März und April über unsere wöchentlichen Umfragen sammeln konnten. Hier hatten wir z.B. auf die stetig sinkende Auslastung in den ambulanten Therapiepraxen aufmerksam gemacht.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den die Umfrageteilnehmer immer wieder angesprochen hatten, waren die Schwierigkeiten bei der Versorgung von älteren Patienten, speziell in Pflege- oder Wohneinrichtungen. Genau dies, belegen auch die offiziellen Zahlen der GKV. Speziell bei den älteren Patienten kam es zu einer deutlichen Unterversorgung. So ging z.B. in der Altersgruppe der 75 bis unter 80-jährigen die Anzahl der erbrachten Heilmittelleistungen auf Bundesebene um 80% zurück (Abb.6)

Abb. 1 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Ergotherapie

Abb. 2 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Physiothrapie

Abb. 3 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Podologie

Abb. 4 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Logopädie

Abb.5 Bruttoumsatz in Tsd. 1. und 2. Quartal 2020, GKV-HIS Quartalsberichte, eigene Darstellung

Anzahl Behandlungseinheiten ambulante Heilmittelversorgung (Bund / absolute Zahlen)

Abb.6 Anzahl Behandlungseinheiten ambulante Heilmittelversorgung  (Bund / absolute Zahlen), GKV-HIS, Quartalsberichte, eigene Darstellung

Weiterer Ausblick auf das Jahr 2020

Die vorläufigen Rechnungsergebnisse der GKV (KV 45), die für das 3. Quartal bereits veröffentlicht wurden, deuten auf eine Erholung der Versorgungssituation hin. Wie deutlich auf Ebene der geleisteten Behandlungseinheit diese Erholung ausfällt und wie sich der erneute Lockdown zum Ende des Jahres ausgewirkt hat, wird anhand der öffentlich zugänglichen Statistiken vermutlich erst Mitte diesen Jahres zu beziffern sein.

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40430cookie-checkMengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 2. Quartal 2020