Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.  

GKV HIS Projektbeschreibung                                                             

Aktuell: 1. Quartal 2020

Die Entwicklung in der Heilmittelversorgung steht in diesem Jahr unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Während Januar und Februar noch normal verliefen, kam es im März zu teils erheblichen Einbrüchen bei den Heilmittelleistungen. Trotzdem verzeichnen die Zahlen des Heilmittelinformationssystems bei den Behandlungseinheiten historische Höchststände für das erste Quartal 2020 (Abb.1 bis 4).

Historisch hohe Abrechnungszahlen durch Maßnahmen zur Liquiditätssicherung in der Krise

Dies mag auf den ersten Blick verwundern, allerdings ist dieser Anstieg mit den besonderen Abrechnungsmodalitäten in der Heilmittelversorgung zu erklären. In der Regel werden Heilmittelleistungen erst nach Beendigung einer Behandlungsserie / einer Verordnung abgerechnet. Mit Beginn der Corona-Krise wurde schnell deutlich, dass es in den Praxen zu Liquiditätsengpässen kommen könnte. Die Kassenverbände auf Bundesebene und der GKV-Spitzenverband ermöglichten daraufhin Teilabrechnungen von erbrachten Leistungen. In der gemeinsamen Empfehlung vom 18. März 2020 heißt es dazu:

„Eine Teilabrechnung bereits erbrachter Leistungen ist möglich. Hierfür kann für die ärztliche Verordnung einmalig nach Erbringung von Behandlungen eine Zwischenrechnung bei den von Krankenkassen benannten Stellen (Daten- und Papierannahmestellen) unter Vorlage einer Originalverordnung sowie der Empfangsbestätigungen des Versicherten/der betreuenden Person als Zwischenabrechnung gekennzeichnet, eingereicht werden. Zum Abschluss der Behandlungsserie ist unter Bezugnahme auf die erste Abrechnung für die übrigen Behandlungen eine Kopie der Verordnung einzureichen, auf der sich auch die übrigen originalen Empfangsbestätigungen des Versicherten/der betreuenden Person befinden. Bereits abgerechnete Leistungen sind auf der Verordnungskopie durch einen Vermerk kenntlich zu machen und können nicht erneut nach Beendigung der Behandlungsserie in Rechnung gestellt werden.

Der in den Richtlinien zur Abwicklung des Datenaustauschs nach § 302 Abs. 2 SGB V oder vertraglich vereinbarte Grundsatz, dass Abrechnungen einmal monatlich je Leistungserbringer-Institutionskennzeichen mit der Krankenkasse abzurechnen sind, wird ausgesetzt. Somit können beendete oder abgebrochene Verordnungen zeitnah abgerechnet werden.“  (GKV-Spitzenverband, Empfehlungen für den Heilmittelbereich aufgrund des Ausbruchs von SARS-CoV-2 (Corona) Stand: 18. März 2020 / 18.00 Uhr).

Die nun vorliegenden Zahlen deuten darauf hin, dass die Leistungserbringer diese Möglichkeit einer Teilabrechnung zur vorläufigen Liquiditätssicherung genutzt haben.

Abb. 1 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Ergotherapie

Abb. 2 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Physiothrapie

Abb. 3 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Podologie

Abb. 4 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Logopädie

Weiterer Ausblick auf das Jahr 2020

Die vorläufigen Rechnungsergebnisse der GKV (KV 45), die für das 2. Quartal bereits veröffentlicht wurden, deuten auf den pandemiebedingten Einbruch in der Heilmittelversorgung hin. Wie stark dieser Einbruch tatsächlich bisher ausgefallen ist, wird anhand der öffentlich zugänglichen Statistiken vermutlich erst Mitte des nächsten Jahres zu beziffern sein.

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35360cookie-checkMengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 1. Quartal 2020