Lasst uns endlich die Versorgung verbessern – ein Appell

Wir leben schon jetzt in einer Realität, in der Gesundheitsthemen einen wichtigen Wachstumsfaktor für unsere Volkswirtschaft darstellen. So fallen beispielsweise immer häufiger erfahrene Arbeitskräfte aus, weil sie die Pflege von Angehörigen organisieren oder sicherstellen müssen. Therapieberufe können Pflegezeiten vermeiden oder verkürzen, sie sichern Teilhabe, fördern die Gesundheit und können die Arbeitsfähigkeit wieder herstellen.

Gleichzeitig erleben wir sicher bald auch eine Realität, in der unser Smartphone uns tagesaktuell sagen kann, zu wie viel Prozent wir krank sind und uns Vorschläge unterbreitet, was wir tun können, um die Gesundheit zu verbessern und Krankheit effektiver zu vermeiden. Die Anforderungen an die Gesundheitsdienstleister werden sich absehbar verändern.

Wir brauchen Behandler-Teams, die aus Experten unterschiedlicher Disziplinen bestehen und Patienten, die in die Lage versetzt werden, als Manager ihrer eigenen Gesundheit zu agieren. Was wir nicht brauchen, sind altbackene Kompetenzgefechte und hierarchisches Denken aus Kaisers Zeiten oder eine Leistungserbringung in guter alter Bädertradition. All dies wissen wir und trotzdem tritt die Heilmittelversorgung derart heftig auf der Stelle, dass derzeit keine Schritte vorwärts in Richtung einer zukunftsorientierten Patientenversorgung zu erkennen sind.

Weder eine Modernisierung der Berufsgesetze, eine Entstaubung des Fortbildungswesens, eine nachhaltige Stärkung der akademischen Strukturen oder der notwendigen Forschung noch eine stärkere Einbindung in die Versorgungsverantwortung sind bisher in greifbare Nähe gerückt.

Die Vertreter der Kostenträger und der Therapieberufe ringen seit eineinhalb Jahren in zähen Verhandlungen um Vertragsdetails und Vergütungen. Selbst das Mittel des Schiedsverfahrens schafft keine klaren Ergebnisse. Dabei scheinen die Fronten derart verhärtet zu sein, dass man sich die Frage stellen muss, wie es überhaupt möglich sein soll, dass die gleichen Personen jetzt aus der Sicht der Patientenversorgung sinnvolle Verträge für die neue Versorgungsform der Blankoverordnung vereinbaren. Denn auch hier beherrschen nicht etwa konkrete Indikationen oder zu evaluierende Qualitätskriterien die Diskussionen, sondern Maßnahmen zur Reduzierung von eventuell möglichen Mengenausweitungen und Budgetverantwortungen. Gerade aufseiten der Kostenträger scheint der Patient als unersättlicher Nachfrager nach Wellnessbehandlungen und passiven Maßnahmen gesehen zu werden und der Therapeut als der unreflektierte Leistungsanbieter, der diese kruden Bedürfnisse bereitwillig erfüllt. Doch wie soll unter dieser Prämisse auch nur ansatzweise eine moderne Patientenversorgung gelingen?

Vielleicht würde es helfen, die anstehenden Verhandlungen zur Blankoverordnung unter neutraler Mediation und Moderation stattfinden zu lassen. Die Selbstverwaltung sollte ein großes Interesse an einem baldigen Ende des Verhandlungsmarathons haben, denn ein erneutes Eingreifen der Politik speziell im Wahljahr, wäre nicht überraschend, zumal der Unmut und der Widerstand aufseiten der Therapeutinnen und Therapeuten sich gerade neu formiert.

Wie auch immer, ob durch ein politisches Eingreifen, erfolgreiche Verhandlungen oder durch einen klaren, unmissverständlichen Schiedsspruch: Auf  der Dauerbaustelle „Heilmittel“ muss es endlich vorwärts gehen.

TAL gGmbH 09.03.2021

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