Zertifikatspositionen in der Physiotherapie

Zertifikatspositionen in der Physiotherapie

Einleitung

Gesellschaftliche Veränderungen stellen die Gesundheitsversorgung vor immer neue Herausforderungen. Nicht nur der Wissenszuwachs in der Medizin, sondern auch Themen wie Demografie, Digitalisierung oder Klimawandel sind wichtige Faktoren, die die in der Gesundheitsversorgung agierenden Professionen immer mehr zur Selbstreflexion anregen müssen. Knappe Ressourcen sind ein ebenso wichtiger Aspekt, wobei die Gesundheitsprofessionen selbst ein wichtiger Teil der Lösung sein können.

In einer Gesellschaft, die älter, multimorbider und tendenziell bewegungsärmer wird, aber gleichzeitig die Menge an Daten und Informationen über die eigene Gesundheit und Möglichkeiten zur zielgerichteten Gesundheitsprävention stetig wächst, ist es unerlässlich, den Status quo der Gesundheitsversorgung ständig zu hinterfragen und die Rahmenbedingungen anzupassen.

In der Heilmittelversorgung liegt nach wie vor ein erhebliches Maß an ungenutzten Ressourcen, um den gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen zu können. Aufgrund der demografischen Entwicklung wissen wir genau, dass gerade ältere Arbeitnehmer:innen immer dringender gebraucht werden. Doch wir wissen auch sehr genau, dass der Anteil derjenigen, die die Pflege von Angehörigen organisiert oder selbst leistet, gerade bei den älteren Arbeitnehmer:innen zunimmt. Dabei sind es in der Mehrzahl Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit „um die Pflege herum“ organisieren müssen.

Genau hier setzt die Arbeit der Professionen in der Heilmittelversorgung an. Sie verhindern Pflegebedürftigkeit, sichern Teilhabe und Autonomie, arbeiten präventiv und können Arbeitsunfähigkeitszeiten reduzieren. Gleichzeitig unterstützen sie die Entwicklung von Kindern und sorgen für Chancenausgleich nicht zuletzt auch in Richtung der beruflichen Bildung.

Umso irritierender ist die Tatsache, dass diese Professionen in ihrer Entwicklung weiterhin gebremst und nur sehr selten in der Gesundheitsversorgung mitgedacht werden. Doch nicht immer sind die Verharrungskräfte extern zu suchen, sondern auch in den Berufsgruppen selbst wird an alten Denkmustern und Arbeitsroutinen festgehalten. So werden traditionelle Behandlungsmethoden routinemäßig weitergeführt, ohne inhaltlich zu reflektieren. Besonders intensiv sind die Widerstände für einen Wandel, wenn in bestehenden Systemen auch monetäre Anreize für Akteure eine Rolle spielen.

Ein Beispiel für ein solches System sind die „besonderen Maßnahmen“ oder auch Zertifikatspositionen in der Physiotherapie.

Was sind Zertifikatspositionen?

Die Zertifikatspositionen wurden Anfang der 80er-Jahre zwischen dem Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V. und dem Verband der Ersatzkassen eingeführt. 1996 erfolgte eine Übernahme in die gemeinsamen Empfehlungen der Spitzenverbände zur Zulassungserweiterung für besondere Maßnahmen der physikalischen Therapie. Das Ziel war es dabei, eine einheitliche Anwendung der Zulassungsbedingungen sicherzustellen und eine qualitätsgesicherte, dem allgemeinen Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen mit Heilmitteln zu gewährleisten.

Da nach bisheriger Rechtsprechung weder die gesetzlich geregelte Berufsausbildung zum Physiotherapeuten noch zum Masseur bzw. Masseur und medizinischen Bademeister zu der Ausführung und Abrechnung ausreichend qualifiziert, müssen Physiotherapeuten einschlägige Weiterbildungsmaßnahmen absolvieren. Diese schließen in der Regel mit einer Prüfung ab und führen zu der Möglichkeit der Abrechnung mit den Krankenkassen.

Besondere Maßnahmen der Physiotherapie sind:

  • Propriozeptive Neuromuskuläre Facilitation (PNF)
  • Manuelle Therapie (MT)
  • Manuelle Lymphdrainage (MLD)
  • Krankengymnastik nach Bobath, KG-ZNS (Erwachsene) und KG-ZNS-Kinder
  • Krankengymnastik nach Vojta, KG-ZNS (Erwachsene)und KG-ZNS-Kinder
  • Gerätegestütze Krankengymnastik (KG-Gerät)

(vgl. Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V., 2020)

Aktuelle Bedeutung in der Patientenversorgung

Für das erste Quartal 2020 weist das Heilmittelinformationssystem des GKV-Spitzenverbands den prozentualen Anteil von vier Zertifikatspositionen an Umsatz und Behandlungseinheiten in der Physiotherpie aus.

Abb. 1 Anteil von Zertifikatspositionen an der Patientenversorgung auf Bundesebene (GKV-HIS, 1- Quartal 2020, Bundesbericht)

Allein die vier ausgewiesenen Positionen Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage (45 Minuten), KG ZNS Erwachsene und KG-Gerät hatten demnach im Bundesdurchschnitt einen Umsatzanteil von 41,8% und einen Anteil bei den Behandlungseinheiten von 29,4%.

Die AOK Niedersachsen beziffert das Wachstum der Umsatzanteile von Zertifikatspositionen bei ihren Versicherten auf 17,8% von 2012 (Anteil kumuliert 36,3%) zu 2019 (Anteil kumuliert 42,8%). Dabei wird deutlich, dass ein signifikanter Unterschied bei dem Anteil der Manuellen Therapie besteht. (vgl. Abb.2)

So weist auch das GKV-HIS für das 1. Quartal 2020 in Niedersachsen einen Umsatzanteil von 9,5% bei der Manuellen Therapie aus. Für Sachsen liegt der Anteil bei 33,8% im Saarland nur bei 1,8%.

Bei der Betrachtung der Umsätze und Mengen haben wir neuere Daten aus dem GKV-Heilmittelinformationssystem aufgrund von Mängeln der Datenqualität noch nicht berücksichtigt.

Abb.3 Anteil Praxen mit Abrechnung von Zertifikatspositionen, Vergleich zwischen 2012 und 2019, AOK Niedersachsen 2020

Im Sinne der Patientenversorgung ist festzuhalten, dass die Zertifikatspositionen insgesamt einen hohen Anteil an der Versorgung bilden, gleichzeitig bestehen regional sehr große Unterschiede bei den Leistungsmengen.

Aktuelle Bedeutung in der Praxisorganisation

Aufgrund des hohen Umsatzanteils der Zertifikatspositionen scheint ein Verzicht auf deren Abrechnung ein wirtschaftliches Risiko für Praxisinhaber darzustellen. Schon 2010 zeigte eine Analyse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das in mehr als der Hälfte von Stellenanzeigen neben der Physiotherapieausbildung Zertifikatsweiterbildungen gewünscht wurden (BMBF, 2014, S.129).

Auch Abrechnungszahlen der AOK Niedersachsen aus dem Jahr 2019 zeigen die große Bedeutung von Zertifikatspositionen für die ambulante Versorgung. Demnach rechnen zwei Drittel der Physiotherapiepraxen Manuelle Therapie ab und sogar 85% der Praxen beteiligen sich an der Versorgung mit Manueller Lymphdrainage. (vgl. Abb.3).

Vor dem Hintergrund, dass gerade Berufsanfänger somit einen großen Teil der in der Versorgung nachgefragten Leistungen nicht erbringen können, ergeben sich für die Organisation in den Praxen besondere Herausforderungen damit in der Terminplanung und somit der zeitnahen Patientenversorgung, keine unnötigen Engpässe entstehen. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung in der Physiotherapie selbst kann die Versorgung mit Zertifikatsleistungen einen besonderen Engpass darstellen. (Uhlhorn, 2018)

Abb.2 Umsatzanteile von Zertifikatspositionen, AOK Niedersachsen 2020

Künstliche Verknappung der therapeutischen Leistungen

In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke bestätigt die Bundesregierung 2019 das Problem des zunehmenden Bedarfs an Heilmittelleistung in Kombination mit dem bestehenden Fachkräftemangel (Deutscher Bundestag, 2019). Auch die Verbände der Physiotherapie weisen immer wieder auf den Fachkräfteengpass und die daraus resultierenden Probleme in der Patientenversorgung hin (VPT, 2019).

Während die Fachkräftesituation regelmäßig genutzt wird, um auf die unzureichende Vergütung der Leistung hinzuweisen (IFK, 2019), (Physio Deutschland, VPT, 2021) wird die künstliche Verknappung der Patientenversorgung durch die Zertifikatspositionen an keiner Stelle thematisiert. Denn die Zahlen der AOK Niedersachsen belegen die eingeschränkte Zugänglichkeit. Mit einer Verordnung für die Methode „Vojta“ beschränkt sich theoretisch die Suche nach einem Leistungserbringer auf 2,8% der zugelassenen Praxen. Selbst bei der häufigen Zertifikatsleistung Manuelle Therapie kann nur auf knapp 66% der Praxen zugegriffen werden.

Nutzenbewertung

Aufgrund der häufigen Anwendung von Zertifikatsleistungen in der Versorgung und den damit verbundenen höheren Kosten für die Krankenkassen und die Versicherten in Form von höheren Zuzahlungen, ist eine Nutzenbewertung anzuraten.

Therapeutinnen und Therapeuten sind unter Beachtung der wirtschaftlichen Leistungserbringung verpflichtet, eine günstigere Methode anzuwenden, wenn der Nutzen für den Patienten zumindest gleich ist. Auch dieser Punkt spricht dafür, die Zertifikatspositionen einer Nutzenbewertung zu unterziehen.

Problematisch ist die Durchführung einer umfassenden und neutralen Nutzenbewertung, da die Forschung innerhalb der Physiotherapie in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Dabei wäre auch zu hinterfragen, ob in der neurologischen Therapie drei unterschiedliche Konzepte als Behandlungsmethode sinnvoll sind.

Seit Längerem wird zudem der Nutzen der als Zertifikatspositionen festgeschriebenen Methoden kritisch hinterfragt. Saueressig beschreibt das Problem anhand einer Übersichtsarbeit wie folgt:

„Ein Gros der Studien zur klinischen Wirksamkeit der Manuellen Therapien zeigt das Manuelle Therapie zu (höchstens) kurzfristigen, klinisch nicht relevanten Effekten bezüglich Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung führt. Es wird zwar von den Autoren von kurzfristiger Schmerzreduktion der MT gesprochen, jedoch wird einfach angenommen, dass diese Effekte auch klinisch relevant sind. Das konnte jedoch bis dato in der Gesamtheit der Studien noch nicht gezeigt werden.“ (Saueressig, 2021)

Auch für die Bobath-Therapie gibt es Untersuchungsergebnisse, die belegen, dass diese Methode keinen Mehrwert gegenüber anderen Methoden besitzt (Kollen et al., 2009) oder teilweise sogar gar keinen Nutzen aufweist (Hafensteinsdottier et al., 2007)

Die freie Wahl des Heilmittels

Die Blankoverordnung, bei der die Therapeut:innen das Heilmittel frei wählen können, wird in die Regelversorgung eingeführt. Ein früherer Modellversuch zu dieser Versorgungsform, der in Kooperation zwischen dem Verband für Physikalische Therapie (VPT) und der IKK Brandenburg und Berlin durchgeführt wurde, deutet darauf hin, dass die Therapeut:innen im heutigen Versorgungssystem noch häufiger auf Methoden der Zertifikatspositionen zurückgreifen, wenn Sie die freie Wahl haben (Buba, 2018). Allerdings ist zu beachten, dass die bisherigen Untersuchungen zur Blankoverordnung deutliche Schwächen aufweisen und jeweils als Zugangsvoraussetzung für die Teilnahme an den Modellversuchen für die Therapeut:innen Zertifikatsweiterbildungen verlangten.

Diese Zugangsvoraussetzung kann in dem aktuellen Stadium der Blankoverordnung als Regelversorgung keinesfalls gelten, will man nicht den Marktzugang für viele Teilnehmer künstlich verbauen und so die allgemeine Versorgungssituation zusätzlich schwächen.

Trotzdem ist es denkbar, dass das Zertifikatssystem eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen zu den Details der Blankoverordnung spielen wird.

Wer ist verantwortlich?

Die Frage nach der Verantwortlichkeit für die Ausgestaltung der Zertifikatspositionen hat das Bundessozialgericht deutlich benannt. Das Gericht stellt klar, dass es sich bei der Einordnung um keine Zulassungserweiterung, sondern um die Frage einer Abrechnungsbefugnis handelt, die ausschließlich durch vertragliche Regelungen konkretisiert wird (BSG, B 3 KR 31/02). Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, ob eine Verordnung, die für eine Zertifikatsposition ausgestellt wurde, nicht als „normale“ physiotherapeutische Leistung erbracht und abgerechnet werden kann. Denn das BSG Urteil stellt klar, dass die Zulassung zur Physiotherapie alle Leistungen beinhaltet, die dem Berufsbild zuzuordnen seien. Die Berufsverbände erkannten darin ein Problem und erhofften sich 2003 eine zügige gesetzliche Regelung. Am 7. Oktober 2003 gab es dazu schon Gespräche zwischen den Spitzenverbänden und der damaligen Spitzenorganisation der Heilmittelverbände BHV. „Ziel ist es, die erweiterten Zulassungen über Zertifikate bundesweit gesetzestreu zu gestalten. Künftig könnte man dies über den § 125 SGB V regeln“, so lässt sich die IFK Vorsitzende Repschläger in einem Interview mit der physiopraxis zitieren (physiopraxis, 2003). Auffällig ist, dass in der Literatur das Urteil des Bundessozialgerichts kaum Eingang gefunden hat und eine konsequente inhaltliche Würdigung durch die verantwortlichen Vertragsparteien offensichtlich nicht vorgenommen wurde. Eher sind die Aktivitäten auf eine gesetzliche Regelung zur Umgehung des Urteils gerichtet.

Somit sind die Institutionen, die für die Fragestellung rund um die Thematik der Zertifikatspositionen adressierbar sind, klar als GKV-Spitzenverband und maßgebliche Physiotherapie-Verbände zu benennen.

Die Positionierung der Lobby

Die inhaltliche Position des GKV-Spitzenverbands ist dabei sehr deutlich. Bereits in der Anhörung zum Heil- und Hilfsmittelversorgungsstärkungsgesetz (HHVG) führte Frau Dr. Antje Haas für den GKV-SV zu den Zertifikatspositionen aus:

„Auf dieses Alleinstellungsmerkmal sollte Deutschland aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes gerne verzichten. Der Leistungskatalog für Physiotherapeuten ist die komplette Heilmittelrichtlinie. Wenn aber davon für die Physiotherapeuten nach erfolgreichem Abschluss ihrer Berufsausbildung, die über mehrere Jahre geht, nur 60 Prozent der von der GKV insgesamt abgefragten Leistungen zugänglich sind, ist an diesem Aus- oder Weiterbildungssystem etwas falsch. Das ist übrigens nur bei den Physiotherapeuten so, nicht bei Logopädie oder Ergotherapie. Diesen sind alle Leistungen aus dem Leistungskatalog zugänglich. Wir denken, dass man die für die Leistungserbringer kostenträchtigen Weiterbildungen ändern sollte. Das hat auch etwas mit der Qualität der Behandlung, also der Behandlungsauswahl und Durchführung, für den Patienten zu tun. Wir fordern bereits seit einigen Jahren, dass hier entweder über berufsgesetzliche Regelungen oder innerhalb der Ausbildung eine Anpassung erfolgt. Alle anderen Berufe in Deutschland haben mehr Ausbildungsinhalte. Sie haben mehr Wissen zu verarbeiten. Sie alle kennen die Äußerung, dass sich das medizinische Wissen alle fünf Jahre verdoppelt. Dem Anteil muss jede Berufsgruppe in ihrer Berufsausbildung Rechnung tragen. Das sollten auch die Physiotherapeuten tun.“

In der Stellungnahme zu einem Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rahmen der Anhörung zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wiederholte die GKV die Forderung nach einer zügigen Integration der Weiterbildungen in die physiotherapeutische Ausbildung.

Auf der Seite der maßgeblichen Verbände der Physiotherapie ist festzuhalten, dass der Spitzenverband der Heilmittelverbände schon in seiner Satzung als Vereinszweck unter § 2 Satz 2 festgelegt hat: „Zum Kernbereich der Aufgaben des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände gehört weiter die Verständigung mit dem GKV-Spitzenverband und/oder den Spitzenverbänden der Krankenkassen über in der Heilmittelrichtlinie verankerte Qualifikationsvoraussetzungen insbesondere bei Zertifikatspositionen im Bereich Physiotherapie.“

Warum nun ausgerechnet ein „Spitzenverband“, dem theoretisch Verbände aus allen Leistungsbereichen beitreten können, die Verständigung über Zertifikatspositionen in der Physiotherapie zum Zweck haben muss und dies auch noch als Kernbereich, erschließt sich nicht. Allerdings ist aus der Satzung auch nicht ersichtlich, was genau bei „Verständigung“ gemeint ist.

Zumindest den unter dem Dach des SHV vertretenen Verbänden scheint es weniger um die Abschaffung der Abrechnungsposition zu gehen, als um deren Festschreibung. So forderte der SHV 2015 in seiner Stellungnahme zum GKV-Versorgungsstärkungsgesetz:

„Vor dem Hintergrund der Entscheidungen des LSG Rheinland-Pfalz und des OLG Köln erscheint es notwendig, § 125 Absatz 1 Satz 4 Ziffer 2 SGB V wie folgt zu ergänzen:

 Maßnahmen zur Fortbildung, inkl. der Anforderungen an Weiterbildungsträger, Weiterbildungsstätten und Fachlehrer und Qualitätssicherung, die die Qualität der Behandlung, der Versorgungsabläufe und der Behandlungsergebnisse umfassen,“.

 

Im Zuge des Stellungnahmeverfahrens zum Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG) wurde diese Forderung noch erweitert. Hier heißt es:

Während das BSG in mehreren Entscheidungen die Bedeutung der Zertifikatspositionen für die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung mit Heilmitteln betont und die bestehenden Regelungen hierzu im Heilmittel-Katalog mehrfach bestätigt hat, sind vereinzelt Zweifel daran aufgekommen, ob die Qualitätsanforderungen an die Weiterbildung der Physiotherapeuten hinreichend gesetzlich abgesichert sind. Zu diesem Thema hat es mehrfach Gespräche mit dem BMG gegeben. Auf dieser Basis schlagen wir folgende Gesetzesänderungen vor:

  1. a) § 92 Abs. 6 SGB V wird wie folgt ergänzt:

In den Richtlinien nach Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 ist insbesondere zu regeln,  

  1. Der Katalog verordnungsfähige Heilmittel unter Einschluss besonderer Maßnahmen in der Physiotherapie
  2. b) § 125 Abs. 1 Ziffer 6 SGB V (neu)
  3. Anforderungen an die Abgabe und Abrechnung von besonderen Maßnahmen in der Physiotherapie sowie Anforderungen an die Weiterbildungsträger/-stätten sowie die dort eingesetzten Fachlehrer
  4. c) § 125 Abs. 4 SGB V (neu)

Zur Sicherung der Qualität der Weiterbildungen und der Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung mit Heilmitteln schließen die Krankenkassen, ihre Verbände oder Arbeitsgemeinschaften unter Berücksichtigung der Richtlinien nach  §  92  Abs. 1  Ziffer  6,  Abs.  6 SGB V Verträge mit den maßgeblichen Verbänden der Leistungserbringer über Anforderungen an die Qualität der Fort- und Weiterbildungen und über eine zentrale und bundeseinheitliche Listenführung zur Prüfung und Kontrolle der Weiterbildungsträger, der Weiterbildungsstätten sowie der Fachlehrer hinsichtlich der Erfüllung der Anforderungen an die Durchführung von besonderen Maßnahmen der Physiotherapie gemäß Anlage 3 der Rahmenempfehlungen nach Abs. 1.

Mit dem TSVG wurde letztlich die Änderung in § 125 Abs.2 Nr.3 aufgenommen:

(2) In den Verträgen nach Absatz 1 ist insbesondere Folgendes zu regeln:

3. die erforderlichen Weiterbildungen der Leistungserbringer für besondere Maßnahmen der Physiotherapie, (buzer,de, 2019)

Ob mit dieser Änderung die Ankündigung aus dem Jahr 2003 eine Regelung über den § 125 SGB V anzustreben, um die vom BSG aufgeworfenen Fragestellung wieder „einzufangen“, letztendlich in die Tat umgesetzt wurde, muss gesondert überprüft werden.

Von den adressierbaren Akteuren hat ein physiotherapeutischer Verband eine abweichende Meinung, die auch öffentlich bezogen wird. Der VDB Berufs- und Wirtschaftsverband der Selbständigen in der Physiotherapie fordert als berufspolitisches Ziel die Integration der Zertifikatspositionen in die Ausbildung. (VDB, 2021)

Bewertung

In der Zusammenfassung ergeben sich bei der Analyse der Versorgungsrealität viele Aspekte, die – sofern sie wertfrei betrachtet werden – wertvolle Hinweise darauf geben, wie die Zukunft der Zertifikatspositionen aussehen muss.

 

  • Zertifikatspositionen sind einzelne Methoden unter vielen.
  • Bereits 2003 wies das Bundessozialgericht auf die rein inhaltliche Bedeutung der Zertifikate als Abrechnungsposition hin. Eine Beschränkung der Zulassung wäre allein unter Berücksichtigung des Art. 12 GG nicht möglich.
  • Dem Urteil des BSG folgend, stellt sich die Frage, ob eine Leistungsabgabe als „normale“ Krankengymnastik mit gleichlautender Abrechnung in jedem Fall möglich wäre.
  • Die Akzeptanz als eigene Abrechnungsposition wird mehrheitlich durch die hohen Kosten der Fortbildungsmaßnahme aufrechterhalten.
  • Die Evidenz für einen Mehrwert in der Patientenversorgung wird infrage gestellt.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass die Methoden keinen Mehrwert gegenüber anderen Methoden haben oder sogar vergleichsweise geringeren Nutzen.
  • Methoden, die einen tatsächlichen Mehrwert für die Patientenversorgung besitzen, müssen zwingend in das Ausbildungscurriculum aufgenommen werden.
  • Die wirtschaftliche Notwendigkeit, die Zertifikats-Fortbildungen möglichst schnell zu erlangen, stellt eine erhebliche Barriere für einen evidenzbasierten Wissenstransfer in den Versorgungsalltag dar.
  • Die Beibehaltung des Systems sorgt für Probleme in der alltäglichen Praxisorganisation und verstärkt die Effekte des Fachkräftemangels.
  • Das Zertifikatssystem verhindert die gesetzlich geforderte wirtschaftliche Leistungserbringung.
  • Adressierbar für die Problematik und die Schaffung eines Handlungsdrucks sind die maßgeblichen Physiotherapie-Verbände und der GKV-Spitzenverband.
  • In den letzten Jahren ist eine massive Lobbytätigkeit der Mehrheit der Verbände zu verzeichnen, die auf den Erhalt und sogar den Ausbau der Zertifikatsleistungen hinweisen.
  • Es ist zumindest ethisch äußerst fragwürdig, wenn diejenigen, die auf dem Verhandlungswege Rahmenbedingungen für ein Fortbildungssystem etablieren, zusätzlich als Anbieter von Fortbildungen monetär profitieren.
  • Die verhandelnden Verbände haben bisher in keiner Form Compliance-Standards entwickelt, die die Interessenskonflikte offenlegen.
  • Erste Modelle zu der Versorgungsform der Blankoverordnung weisen darauf hin, dass durch das Zertifikatssystem wirtschaftliche Anreize für eine Fehlversorgung bestehen.
  • Die Tatsache, dass die Zertifikatspositionen erneut in den Rahmenverträgen verankert sind, kann darauf hinweisen, dass die Position des GKV-Spitzenverbands lauter aus dem Fenster gerufen wird, als ernsthaft verhandelt.

 

Den Kostenträgern sind die beschriebenen Punkte lange bewusst. Der GKV-SV betont 2016 in einem Positionspapier, dass die im Heilmittelkatalog gelisteten Heilmittel die gelebte Versorgung der 1980er-Jahre abbilden (GKV-SV, 2016). Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob der GKV eine Abschaffung der Zertifikate wirklich so dringlich erscheint, wie nach außen kommuniziert wird. Möglichkeiten, die Forderung auf dem Verhandlungsweg durchzusetzen, gab es ausreichend. Die Beibehaltung verspricht aber auch eine gewisse Barriere für die Leistungserbringung und ebenso winken Einnahmen aus Absetzungen. Die Probleme im Praxisalltag dürften den Kassen nicht verborgen geblieben sein. Die Problematik der nicht zeitgemäßen, nicht dem aktuellen Wissensstand folgenden und damit unwirtschaftlichen Leistungserbringung ist dem GKV-Spitzenverband nach eigener Aussage ebenso bekannt. Warum diese Tatsachen dann nicht zu einer konsequenteren Verhandlung an dieser Stelle reichen, ist äußerst fraglich. Schließlich haften die Vorstandsmitglieder persönlich bei einer Leistungserbringung, die gegen geltendes Recht verstößt (§ 12 Abs. 3 SGB V).

Es bleibt somit die Frage, ob nicht am Ende beide Vertragspartner von der bisherigen Regelung profitieren.

Zumindest bis 2019 scheint die Rechtslage so gedeutet werden zu können, dass Verordnungen für Zertifikatsleistungen als normale Krankengymnastik angenommen, geleistet und abgerechnet werden konnten. Wie die dann erfolgte Änderung des § 125 SGB V durch das TSVG – welche als Ergebnis jahrelanger Lobbyarbeit der Physio-Verbände gewertet werden kann, – einzuordnen ist, muss aktuell abgeklärt werden.

Den Vertragsparteien sei in Erinnerung gerufen, dass im Mittelpunkt ihrer Bemühungen eine effektive Patientenversorgung stehen muss. Die bisherige Praxis der Zertifikatsbehandlungen steht diesem Ziel elementar entgegen. Sie fördert eine unwirtschaftliche, nicht den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende Leistungserbringung. Zertifikatspositionen sichern nicht die Qualität der Physiotherapie, sondern allenfalls die Qualität der einzelnen Methode.

 

Empfehlung

Im Sinne einer Korruptionsprävention ist dringend anzuraten, bei allen Verhandlungen verpflichtende Erklärungen der Verhandlungsteilnehmer:innen zu Interessenskonflikten einzuführen. Verbände, die Rahmenbedingungen verhandeln und gleichzeitig Fortbildungen anbieten, müssen verpflichtet werden die Einnahmen und Beteiligungen an Unternehmen offenzulegen. Verbände, die in größerem Umfang Einnahmen aus Fortbildungen erhalten, sollten von Verhandlungen ausgeschlossen sein. Dies muss ohnehin eine selbstverpflichtende Compliance-Regelung der verhandelnden Verbände sein. Ethische Standards und interne Compliance-Regeln sollten gerade bei berufsständigen Vertretungen aufstrebender Professionen nicht durch die Hoffnung ersetzt werden, dass niemand so genau hinschaut.

Der zunehmende Fachkräftemangel erfordert eine zügige rechtliche Klarstellung der Einzelheiten der Leistungserbringung in Bezug auf das Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2003. Wenn das Zertifikatssystem eine unzulässige Verknappung der Leistung darstellt, besteht hier dringender Handlungsbedarf.

 

Ebenso wie eine mögliche künstliche Verknappung der therapeutischen Leistung muss die von Verbänden kommunizierte Qualitätssicherung durch Zertifikatsleistungen auf den Prüfstand. Im Sinne der Patientenversorgung muss das Fortbildungssystem reformiert werden und sich an der Vermittlung von Kompetenzen orientieren und nicht an der Vermittlung einzelner Methoden.

Das Zertifikatssystem in der deutschen Physiotherapie ist nicht zukunftsfähig. Gelingt den Vertragsparteien kein vernunftgetragener Konsens, so ist eine gesetzliche Regelung unentbehrlich, denn die Patientenversorgung darf sich nicht an den Interessen und Wünschen Einzelner orientieren.

Quellenangaben

BMBF, Bundesministerium für Bildung und Forschung, (2014), „Bestandsaufnahme der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen im europäischen Vergleich“, Band 15 der Reihe Berufsbildungsforschung, 2014

Buba, (2018), HEILMITTELVERSORGUNG – Modellprojekte zur Blankoverordnung: unklare Ergebnisse zu Zahl und Kosten der Behandlungen, online: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjyhebi44D0AhXOzKQKHZcADRsQFnoECCEQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.iww.de%2Fpp%2Fperspektiven%2Fheilmittelversorgung-modellprojekte-zur-blankoverordnung-unklare-ergebnisse-zu-zahl-und-kosten-der-behandlungen-f112122%3Fsave&usg=AOvVaw220_TSVsp7jYpz8XQ2-lOR ,04.11.2021

Buzer.de, (2019), Bundesrecht – tagaktuell konsolidiert – alle Fassungen seit 2006, Änderung § 125 SGB V vom 11.05.2019, online: https://www.buzer.de/gesetz/2497/al70279-0.htm, 04.11.2021

Deutscher Bundestag, (2019), Drucksache 19/12194, Flächendeckende Versorgung mit Physio-, Ergo-, Logopädie, Ernährungstherapie und Podologie, online: https://dserver.bundestag.de/btd/19/121/1912194.pdf, 04.11.2021

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V., (2020), „Zertifikatsweiterbildungen für die Therapie“, online: https://www.physio-deutschland.de/fachkreise/beruf-und-bildung/fort-und-weiterbildung.html, 29.10.2020

GKV-Spitzenverband, (2016), Qualität der Heilmittelversorgung verbessern und finanzierbar halten – Positionspapier des GKV-Spitzenverbandes beschlossen vom Verwaltungsrat am 8. Juni 2016, online: https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/service_1/publikationen/Positionspapier_Heilmittelversorgung_GKV-SV_06-2016.pdf, 04.11.2021

 

Hafsteinsdóttir, Kappelle, Grypdonck, Algra, (2007), „Effects of Bobath-based Therapy on Depression, Shoulderpain and Health-Related Quality of Life in Patients after Stroke“, J Rehabil Med 2007; 39: 627 – 632

IFK, (2019), Vergütungssituation unbefriedigend, Fachkräftemangel ungebrochen, online: https://ifk.de/verband/aktuell/archiv-meldungen/einzelansicht/verguetungssituation-unbefriedigend-fachkraeftemangel-ungebrochen, 04.11.2021

Kollen, Lennon, Lyons, Wheatley-Smith, Scheper, Buurke, (2009), The Effectiveness of the Bobath Concept in Stroke Rehabilitation: What is the Evidence?, in Stroke; a journal of cerebral circulation

Physio Deutschland, VPT, (2021), Physiotherapeutische Versorgung stärken – jetzt! , online: https://www.physio-deutschland.de/fileadmin/data/bund/news/pdfs/VPT_PD__BTW_2021_Forderungspapier_08092021.pdf, 04.11.2021

Physiopraxis, (2003), Quo vadis „Zertifikat“?, Thieme Verlag, physiopraxis 7/2003

Saueressig, (2021), Evidenzbasierte Physiotherapie – Manuelle Therapie – Quo vadis?, online: https://evidenzbasiertephysiotherapie.de/manuelle-therapie-quo-vadis/, 04.11.2021

Uhlhorn, J; (2018), „Zertifikatspositionen – ein Planungsalbtraum!“, pt Portal für Physiotherapeuten, Heft 3-2018

VDB, (2021), Unsere berufspolitischen Ziele, online: https://vdb-physio.de/ueber-uns/unsere-berufpolitischen-ziele/, 04.11.2021

VPT, (2019), Wartezeitenbarometer Physiotherapie – Sprunghafter Anstieg der Wartezeiten im Dezember 2018, VPT Magazin, 02/19

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Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 3. Quartal 2020

Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 3. Quartal 2020

Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.                                 

GKV HIS-Projekt                                                                     

Aktuell: 3. Quartal 2020

Im Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände hin. Die zuerst veröffentlichten Zahlen des GKV-Spitzenverbandes wurden nach der Veröffentlichung für das zweite Quartal nachträglich korrigiert. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung.

Aufgrund der Abrechnungssystematik wird dieser Einbruch erst jetzt sichbar. (Abb1-4)                                                          

Nach Datenpanne im 2.Quartal erneut offene Fragen zur Plausibilität der HIS-Zahlen

Der GKV Spitzenverband hatte die Veröffentlichung der Zahlen, auf die wir uns in unserem Bericht am 13. Januar bezogen hatten, zurückgezogen und dann eine korrigierte Fassung veröffentlicht.

Leider wurden die Korrekturen seitens der GKV bisher nicht kommentiert, so ist aktuell nicht zu bewerten welche Auswirkungen die Datenpanne auf frühere Veröffentlichungen hat. Entsprechende Anfragen dazu wurden vom GKV – Spitzenverband bisher nicht beantwortet.

Die nun vorliegenden Zahlen belegen den erwarteten Einbruch während der Pandemie, allerdings weichen die Zahlen der Behandlungsmengen und der Bruttoumsätze extrem voneinander ab. Trotz eines deutlichen Rückgangs der Behandlungsmengen im 3. Quartal vermeldet das Heilmittelinformationssystem einen Anstieg der Bruttoumsätze. Dieses Umsatzwachstum ließe sich nur durch eine deutliche Steigerung der Preise erklären.

Rechnerisch würde sich dann im Verhältnis der Behandlungsmengen zu den Bruttoumsätzen folgende Preissteigerung innerhalb eines Quartals ergeben:

  • Physiotherapie +46%
  • Ergotherapie +55%
  • Logopädie +60%
  • Podologie +59%

Auch unter Einbezug der Hygienepauschalen lässt sich eine solche Steigerung nicht plausibel darstellen. Wir vermuten daher erneut einen Fehler bei der Datengrundlage der Zahlen des GKV-HIS.

Fazit

In der Summe scheinen die Zahlen des GKV-Heilmittelinformationssystems auf einer nicht plausiblen Datengrundlage zu basieren. Die Methodik und Maßnahmen zur Qualitätssicherung bleiben unklar, zumindest solange die Datenhoheit auf die GKV beschränkt bleibt.

Zur Darstellung des Versorgungsgeschehens im Bereich der ambulanten Heilmittelversorgung sind die vorliegenden Daten nicht geeignet. Aus diesem Grund werden wir das Monitoring auf Basis der Zahlen des GKV-HIS bis auf Weiteres einstellen.

 

                                                                 

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GKV-HIS – Nach Datenpanne offene Fragen zur Plausibilität

GKV-HIS – Nach Datenpanne offene Fragen zur Plausibilität

Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.

Aktuell: 2. Quartal 2020

Im letzten Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände bei den Abrechnungszahlen aufgrund von Maßnahmen zur Liquiditätssicherung hin. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung ab März/April 2020 (Abb.1 bis 4).

Nach Datenpanne neu veröffentlichte HIS-Zahlen

Der GKV Spitzenverband hatte die Veröffentlichung der Zahlen, auf die wir uns in unserem Bericht am 13. Januar bezogen hatten, zurückgezogen und nun die korrigierte Fassung veröffentlicht. Leider wurden die Korrekturen seitens der GKV bisher nicht kommentiert, so ist aktuell nicht zu bewerten, welche Auswirkungen die Datenpanne auf frühere Veröffentlichungen hat.

Die nun vorliegenden Zahlen belegen zwar den erwarteten Einbruch während der Pandemie, allerdings ist der Rückgang deutlich geringer, als nach den zuvor veröffentlichten Zahlen zu vermuten war. Die Behandlungszahlen sind in allen Bereichen jetzt mehr als doppelt so groß als in der ersten Version. Es scheint also bei der Übermittlung der Zahlen eine Datenpanne von erheblichem Ausmaß gegeben zu haben, die erst nach der Veröffentlichung bemerkt wurde.

Im Detail scheinen die nun veröffentlichten Daten trotzdem nicht plausibel zu sein. Wir hatten im Bericht vom Januar darauf hingewiesen, dass speziell bei älteren Patienten die Zahl der Behandlungseinheiten stark zurückgegangen war. Dies war für uns plausibel, da in allen Umfragen auf die eingeschränkte Zugänglichkeit in Pflegeeinrichtungen hingewiesen wurde. Die korrigierten Zahlen weisen nun einen Anstieg der Behandlungseinheiten bei älteren Patienten zum ersten Quartal 2020 aus (Abb.6). Dieser Anstieg ist für uns nicht plausibel nachvollziehbar.

Auch für die Podologie werden nun Zahlen ausgewiesen, die einen pandemiebedingten Einbruch der Behandlungszahlen nahezu ausschließen. Natürlich bilden die HIS-Zahlen immer nur einen Trend ab und können durch unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten auch teilweise nur zeitverzögert das Versorgungsgeschehen abbilden, dennoch stellt sich die Frage, ob die HIS-Zahlen für ein Monitoring der Versorgung generell verwertbar sind.

Abb.1

Abb.2

Abb.3

Abb.4

Abb.5 Bruttoumsatz in Tsd. 1. und 2. Quartal 2020, GKV-HIS Quartalsberichte, eigene Darstellung

Anzahl Behandlungseinheiten – korrigierte HIS Werte  ambulante Heilmittelversorgung (Bund / absolute Zahlen)

Abb. 6 Anzahl Behandlungseinheiten ambulante Heilmittelversorgung (Bund / absolute Zahlen), GKV-HIS, Quartalsberichte, eigene Darstellung

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Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 3. Quartal 2020

Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 2. Quartal 2020

Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.

GKV HIS Projektbeschreibung                                                             

Aktuell: 2. Quartal 2020

Im letzten Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände bei den Abrechnungszahlen aufgrund von Maßnahmen zur Liquiditätssicherung hin. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung ab März/April 2020 (Abb.1 bis 4).

 

Zahlen des GKV Heilmittelinformationssystems belegen erwarteten Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung aufgrund der Pandemie

Die nun vorliegenden Zahlen belegen den von uns im letzten Versorgungsmonitor erwarteten starken Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung.

Neben den Umsätzen der Leistungserbringer ging auch die die Anzahl der erbrachten Behandlungseinheiten dramatisch zurück. Den größten Einbruch verzeichnete der Leistungsbereich der Logopädie. Hier kam es zu einem Umsatz- und Mengenrückgang von jeweils 67%. Die anderen Heilmittelbereiche verzeichnen jedoch ähnlich hohe Rückläufe. In der Ergotherapie ging der Umsatz im Vergleich zum 1.Quartal um 66%, die Anzahl der Behandlungseinheiten war gegenüber den Höchstständen um 64% gesunken. Ähnlich sieht es in der Physiotherapie (-62% Umsatz und Menge) und der Podologie ( -62% Menge und -61% Umsatz) aus (Abb.1-5).

Somit belegen die Zahlen des GKV-HIS auch die Daten, die wir in den ersten Wochen der Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung im März und April über unsere wöchentlichen Umfragen sammeln konnten. Hier hatten wir z.B. auf die stetig sinkende Auslastung in den ambulanten Therapiepraxen aufmerksam gemacht.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den die Umfrageteilnehmer immer wieder angesprochen hatten, waren die Schwierigkeiten bei der Versorgung von älteren Patienten, speziell in Pflege- oder Wohneinrichtungen. Genau dies, belegen auch die offiziellen Zahlen der GKV. Speziell bei den älteren Patienten kam es zu einer deutlichen Unterversorgung. So ging z.B. in der Altersgruppe der 75 bis unter 80-jährigen die Anzahl der erbrachten Heilmittelleistungen auf Bundesebene um 80% zurück (Abb.6)

Abb. 1 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Ergotherapie

Abb. 2 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Physiothrapie

Abb. 3 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Podologie

Abb. 4 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Logopädie

Abb.5 Bruttoumsatz in Tsd. 1. und 2. Quartal 2020, GKV-HIS Quartalsberichte, eigene Darstellung

Anzahl Behandlungseinheiten ambulante Heilmittelversorgung (Bund / absolute Zahlen)

Abb.6 Anzahl Behandlungseinheiten ambulante Heilmittelversorgung  (Bund / absolute Zahlen), GKV-HIS, Quartalsberichte, eigene Darstellung

Weiterer Ausblick auf das Jahr 2020

Die vorläufigen Rechnungsergebnisse der GKV (KV 45), die für das 3. Quartal bereits veröffentlicht wurden, deuten auf eine Erholung der Versorgungssituation hin. Wie deutlich auf Ebene der geleisteten Behandlungseinheit diese Erholung ausfällt und wie sich der erneute Lockdown zum Ende des Jahres ausgewirkt hat, wird anhand der öffentlich zugänglichen Statistiken vermutlich erst Mitte diesen Jahres zu beziffern sein.

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Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 1. Quartal 2020

Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 1. Quartal 2020

Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.

GKV HIS Projektbeschreibung                                                             

Aktuell: 2. Quartal 2020

Im letzten Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände bei den Abrechnungszahlen aufgrund von Maßnahmen zur Liquiditätssicherung hin. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung ab März/April 2020 (Abb.1 bis 4).

 

Zahlen des GKV Heilmittelinformationssystems belegen erwarteten Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung aufgrund der Pandemie

Die nun vorliegenden Zahlen belegen den von uns im letzten Versorgungsmonitor erwarteten starken Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung.

Neben den Umsätzen der Leistungserbringer ging auch die die Anzahl der erbrachten Behandlungseinheiten dramatisch zurück. Den größten Einbruch verzeichnete der Leistungsbereich der Logopädie. Hier kam es zu einem Umsatz- und Mengenrückgang von jeweils 67%. Die anderen Heilmittelbereiche verzeichnen jedoch ähnlich hohe Rückläufe. In der Ergotherapie ging der Umsatz im Vergleich zum 1.Quartal um 66%, die Anzahl der Behandlungseinheiten war gegenüber den Höchstständen um 64% gesunken. Ähnlich sieht es in der Physiotherapie (-62% Umsatz und Menge) und der Podologie ( -62% Menge und -61% Umsatz) aus (Abb.1-5).

Somit belegen die Zahlen des GKV-HIS auch die Daten, die wir in den ersten Wochen der Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung im März und April über unsere wöchentlichen Umfragen sammeln konnten. Hier hatten wir z.B. auf die stetig sinkende Auslastung in den ambulanten Therapiepraxen aufmerksam gemacht.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den die Umfrageteilnehmer immer wieder angesprochen hatten, waren die Schwierigkeiten bei der Versorgung von älteren Patienten, speziell in Pflege- oder Wohneinrichtungen. Genau dies, belegen auch die offiziellen Zahlen der GKV. Speziell bei den älteren Patienten kam es zu einer deutlichen Unterversorgung. So ging z.B. in der Altersgruppe der 75 bis unter 80-jährigen die Anzahl der erbrachten Heilmittelleistungen auf Bundesebene um 80% zurück (Abb.6)

Abb. 1 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Ergotherapie

Abb. 2 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Physiothrapie

Abb. 3 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Podologie

Abb. 4 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Logopädie

Weiterer Ausblick auf das Jahr 2020

Die vorläufigen Rechnungsergebnisse der GKV (KV 45), die für das 2. Quartal bereits veröffentlicht wurden, deuten auf den pandemiebedingten Einbruch in der Heilmittelversorgung hin. Wie stark dieser Einbruch tatsächlich bisher ausgefallen ist, wird anhand der öffentlich zugänglichen Statistiken vermutlich erst Mitte des nächsten Jahres zu beziffern sein.

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Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 4. Quartal 2019

Mengenentwicklung in der Heilmittelversorgung 4. Quartal 2019

Versorgungsmonitor Heilmittel

Auf Basis der Daten des GKV Heilmittelinformations-Systems (HIS) werden an dieser Stelle regelmäßig quartalsbezogen Trends in der Heilmittelversorgung dargestellt. Im Hinblick auf das tatsächliche Versorgungsgeschehen werden dabei vorrangig die Mengenentwicklungen betrachtet. Relevante Bezugsgrößen sind zu diesem Zweck die Anzahl der Verordnungen, die Anzahl der Behandlungseinheiten insgesamt und die Anzahl der Behandlungseinheiten pro 1000 Versicherten.

Grundlage des GKV-HIS sind die von den Leistungserbringern übermittelten und anonymisierten Datensätze gemäß § 302 SGB V vor Prüfung und Zahlbarmachung durch die Krankenkassen.

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Aktuell: 2. Quartal 2020

Im letzten Bericht für das erste Quartal 2020 wiesen wir auf die historischen Höchststände bei den Abrechnungszahlen aufgrund von Maßnahmen zur Liquiditätssicherung hin. Die aktuellen Zahlen des GKV-HIS belegen jetzt die die krisenbedingten Einbrüche in der ambulanten Heilmittelversorgung ab März/April 2020 (Abb.1 bis 4).

 

Zahlen des GKV Heilmittelinformationssystems belegen erwarteten Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung aufgrund der Pandemie

Die nun vorliegenden Zahlen belegen den von uns im letzten Versorgungsmonitor erwarteten starken Einbruch in der ambulanten Heilmittelversorgung.

Neben den Umsätzen der Leistungserbringer ging auch die die Anzahl der erbrachten Behandlungseinheiten dramatisch zurück. Den größten Einbruch verzeichnete der Leistungsbereich der Logopädie. Hier kam es zu einem Umsatz- und Mengenrückgang von jeweils 67%. Die anderen Heilmittelbereiche verzeichnen jedoch ähnlich hohe Rückläufe. In der Ergotherapie ging der Umsatz im Vergleich zum 1.Quartal um 66%, die Anzahl der Behandlungseinheiten war gegenüber den Höchstständen um 64% gesunken. Ähnlich sieht es in der Physiotherapie (-62% Umsatz und Menge) und der Podologie ( -62% Menge und -61% Umsatz) aus (Abb.1-5).

Somit belegen die Zahlen des GKV-HIS auch die Daten, die wir in den ersten Wochen der Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung im März und April über unsere wöchentlichen Umfragen sammeln konnten. Hier hatten wir z.B. auf die stetig sinkende Auslastung in den ambulanten Therapiepraxen aufmerksam gemacht.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den die Umfrageteilnehmer immer wieder angesprochen hatten, waren die Schwierigkeiten bei der Versorgung von älteren Patienten, speziell in Pflege- oder Wohneinrichtungen. Genau dies, belegen auch die offiziellen Zahlen der GKV. Speziell bei den älteren Patienten kam es zu einer deutlichen Unterversorgung. So ging z.B. in der Altersgruppe der 75 bis unter 80-jährigen die Anzahl der erbrachten Heilmittelleistungen auf Bundesebene um 80% zurück (Abb.6)

Abb. 1 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Ergotherapie

Abb. 2 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Physiothrapie

Abb. 3 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Podologie

Abb. 4 Anzahl der Behandlungseinheiten pro Quartal (in 1000) Logopädie

4. Quartal 2019 beziffert das Volumen des Corona-Rettungsschirms

 Besonders mit Spannung wurden die Zahlen des GKV-HIS im Hinblick auf die Umsätze des 4. Quartals erwartet, da diese die Grundlage für die Höhe des Rettungsschirms für Therapiepraxen bilden. Hier kam es wie erwartet zu einem deutlichen Umsatzanstieg aufgrund der bundeseinheitlichen Höchstpreise. (Abb.5)

Mit 40% des Umsatzes aus dem 4. Quartal liegt das Volumen des Rettungsschirms somit bei rund 918 Millionen €. Insofern war das Abstimmen des Rettungsschirms nur auf das 4. Quartal besser für die Leistungserbringer als eine Berechnung auf Grundlage eines Quartalsdurchschnitts aus dem Jahr 2019. Dann hätte das Volumen der Hilfsmaßnahmen „nur“ ca. 866 Millionen € betragen.

 

 

Abb. 5 Brutto-Umsatz je Quartal (eigene Berechnung auf Grundlage GKV-HIS Quartalsberichte Bund 2019)

Erster Ausblick auf das Jahr 2020

 

Einen ersten Vorgeschmack auf die Versorgungssituation unter dem Einfluss der Corona-Pandemie zeigt die Statistik KV 45 der GKV, die schon für das 1. Quartal vorliegt.

Wie die Abb. 1-4 zeigen, war das 1. Quartal in den letzten Jahren immer stärker als das 4. Quartal des Vorjahres. 2020 kam es zu einem Umsatzrückgang von 10,24% auf Basis gleicher Preise. Folglich wird auch die Behandlungsmenge entsprechend rückläufig gewesen sein.

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