Ergebnisse der Online-Befragung zur Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung-November 2020

Ergebnisse der Online-Befragung zur Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung-November 2020

Zusammenfassung der Online – Befragung zur Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung

Woche vom 02.11. – 06.11.2020

A

An der Online Befragung zur aktuellen Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung nahmen insgesamt 1370 Therapeutinnen und Therapeuten teil. Mit 43% war die Physiotherapie der am häufigsten angebotene Leistungsbereich der Befragten, gefolgt von der Ergotherapie (34%), der Logopädie (29%), der Massage (10%), der Podologie (7%) und der Diätassistenz (1%).

Insgesamt war die am häufigsten genannte Betriebsgröße, die mit 4 bis 10 Mitarbeitenden (43%).

60 % der Befragten waren in der Haupttätigkeit Selbständig in der ambulanten Versorgung.

Höhere Zahl an Erkrankten und Quarantänefälle bei Patienten und Therapeuten als Hauptgründe

War im Frühjahr noch der Hauptausfallgrund in 94% der Praxen die vorsorgliche Terminabsage durch Patienten, ohne dass eine tatsächliche Erkrankung vorlag, so lag im November der Hauptausfallgrund in 69% der Praxen bei der Absage durch Patienten aufgrund einer tatsächlichen Erkrankung. In 60% der Praxen waren Patienten in Quarantäne und in 15 % der Praxen mussten sich Mitarbeiter in Quarantäne begeben.

Mit 16% werden fehlende Verordnungen durch Schließung oder Überlastung von Arztpraxen als Ausfallgrund genannt. Auch Absagen von Pflegeeinrichtungen gehören mit 32% wieder zu den häufigeren Ausfallgründen.

Durchschnittliche Auslastungsquote von ca. 80% in der ambulanten Versorgung

34% der Befragten gaben an, dass die Auslastungsquote noch bei über 90% liegt. Allerdings gab es hier Unterschiede in den einzelnen Leistungsbereichen.

Eine Auslastungsquote von über 90% gaben an:

Physiotherapie – 42%

Ergotherapie –  28%

Podologie – 26%

Logopädie – 25%

  • Absage aufgrund tatsächlicher Erkrankung 69% 69%
  • Patienten in Quarantäne 60% 60%
  • Absagen durch Pflegeeinrichtungen 32% 32%
  • Fehlende Verordnung durch Schließung oder Überlastung von Arztpraxen 16% 16%
  • Mitarbeiter in Quarantäne 15% 15%

Materialbeschaffung durch zu geringe Hygienepauschale eine wirtschaftliche Herausforderung

In Bezug auf die notwendigen Hygienemaßnahmen sehen sich 52% der Befragten gut informiert und haben aktuell ausreichend Material, um Schutzmaßnahmen einhalten zu können. 22% sehen Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung, welche Schutzmaßnahmen aktuell gelten. Die Mehrheit von 74% sehen in der Materialbeschaffung eine wirtschaftliche Herausforderung, da die Hygienepauschale mit 1,50 Euro je Verordnung zu niedrig kalkuliert ist.

Verständnis und Motivation zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen bei Patienten überwiegend hoch

55% der Befragten gaben an, dass das Verständnis und die Motivation zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen überwiegend hoch oder mit 19% sogar sehr hoch ist. 6% der Befragten sahen allerdings überwiegend ein geringes Verständnis seitens der PatientInnen.

  • Gut informiert und ausreichend Material vohanden 52% 52%
  • Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung zu Schutzmaßnahmen 22% 22%
  • Wirtschaftliche Herausforderung Hygienepauschale 74% 74%

Einzelne Patientengruppen unterschiedlich häufig von Therapieausfällen betroffen

 

15% der Befragten gaben an, dass Therapieausfälle gleichmäßig alle Patientengruppen betreffen. 45% sahen HeimbewohnerInnen und 34% generell ältere Patienten betroffen. In den freien Kommentaren wurden zusätzlich häufig Menschen mit Behinderungen genannt. Die Antworten in dieser neu aufgenommenen Kategorie deuten darauf hin, dass einzelne Patientengruppen unterschiedlich von Therapieausfällen betroffen sind.

Weiterhin hohes wirtschaftliches Risiko, aber aktuell wenig Kurzarbeit

 

40% der Befragten sehen nach wie vor ein hohes wirtschaftliches Risiko. 9% schätzen diese sogar als sehr hoch ein. Gleichzeitig waren in der ersten Novemberwoche nur 9% der Befragten von Kurzarbeit betroffen.

Unterschiedliche Nutzung telemedizinischer Anwendungen

Sehr unterschiedlich fiel in den Leistungsbereichen erneut die Nutzung Telemedizinischer Anwendungen aus. Vorreiter waren wieder die LeistungserbringerInnen in der Logopädie. Hier nutzten 42% die Möglichkeit der Telemedizin. In der der Ergotherapie waren es 21% und in der Physiotherapie nur 10%.

Zusammenarbeit mit lokalen Gesundheitsbehörden

Insgesamt hat sich nach Einschätzung der Befragten die Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsbehörden leicht verbessert. 20% empfanden die Zusammenarbeit allerdings immer noch als „mangelhaft“.

Hohe psychische Belastung durch die Bedingungen der Pandemie

88% der Befragten sehen sich durch die Bedingungen der Corona-Pandemie einer höheren psychischen Belastung ausgesetzt.

Mit 77% war der zeitliche Druck durch höhere Hygienemaßnahmen der am häufigsten genannte Grund für psychische Belastungen. Aber auch wirtschaftliche Sorgen (66%), die Angst Angehörigen zu infizieren (59%), Angst vor eigener Infektion (52%) und vermehrte Diskussionen über die Einhaltung der Hygienemaßnahmen mit PatientInnen (46%) wurden häufig genannt.

  • Hoher zeitlicher Druck 77% 77%
  • Wirtschaftliche Sorgen 66% 66%
  • Angst Angehörige zu infizieren 59% 59%
  • Angst vor eigener Infektion 52% 52%
  • Diskussionen zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen 46% 46%
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Freie Kommentare der Befragten

Auch in den freien Kommentaren wurden häufig psychische Belastungen thematisiert:

Antwortbeispiele:

„Die psychische Belastung ist unerträglich. Mir ist vor 10 Jahren mal meine gesamte Praxis abgebrannt. Ich musste ein halbes Jahr in Noträumen mit Sonderzulassung arbeiten. Das war eine schlimme Zeit und sehr belastend für mich als „frisch Selbständigen“. Die aktuelle Situation mit all ihren politischen Entscheidungen empfinde ich aber als noch belastender. Es geht mittlerweile an die Substanz ständig diese Sorgen tragen zu müssen. Sorge das wir jeder Zeit wegen eines Corona-falls geschlossen werden könnten. Sorge z.B. Krebskranke Patienten trotz Hygienekonzeptes infizieren zu können usw. Die Liste ist lang.“

„Man steht als Angestellter unter enormen Druck möglichst viele Patienten zu versorgen, um eine Schließung der Praxis zu vermeiden und somit den Verlust seiner Arbeitsstelle zu vermeiden.“

„Pro Behandlung fallen 5 Min zusätzlich an, dazu höhere Heizkosten durch permanentes Lüften, und nun auch noch nach BG Empfehlung eine Maskenpause nach zwei Stunden. Und permanent Fragen von Patienten zum Thema Corona und Impfung, da brummt der Kopf und es ist richtig anstrengend geworden.“

„Es ist insgesamt für therapeutische Betriebe eine sehr belastende Situation, da wir Therapeuten den Patienten einerseits Sicherheit vermitteln sollen, Aufklärungsarbeit leisten (Hygiene, Masken,…), Patienten deutlich ihre Grenzen zeigen müssen, auf keinen Fall mit dem Infektionsgeschehen in Berührung sein dürfen (hatte bereits vor einigen Monaten einen Covid-Fall im persönlichen Umfeld und wurde daraufhin von einigen Patienten bis zu 8 Wochen gemieden). Informationen müssen selbständig beschafft werden, Gesundheitsamt und BG informieren nicht aktiv, bzw. Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter sind oft unfassbar schlecht informiert. Ich selbst fühle mich durch das aktuelle Geschehen psychisch am Limit, da die oben genannten Punkte unfassbar viel Kraft rauben. Es gäbe noch viel zu sagen, aber ich denke, die wichtigsten Punkte sind wenigstens kurz dargestellt.“

„Körperlich, mental und wirtschaftlich stehe ich unter sehr hohem Druck. Die fehlende finanzielle Anerkennung und Herabstufung in der Physiotherapie, lässt mich am Limit agieren. Die “noch” hohe Auslastung in der Praxis, lässt sich mit dem Ausscheiden eines Mitarbeiters erklären. Durch hohe Mieten und viel zu geringe Einkünfte, verbunden mit der Corona-Pandemie, sehe ich eine düstere Zukunft für meine Praxis.“

 

 

„Hoher Druck durch Ausfall von Mitarbeitern aufgrund fehlender Kinderbetreuung und Krankheitstage aufgrund von leichten Erkältungs-Symptomen. Sehr hoher Organisationsaufwand durch Patienten Umbestellung.“

„Ein zusätzlicher Punkt bei der psychischen Belastung besteht bei der Kooperation mit Einrichtungen. Es besteht eine große Unsicherheit in Bezug auf Maßnahmen. Es werden neue Maßnahmen beschlossen, aber die Kommunikation zwischen den beteiligten Berufsgruppen funktioniert nur schlecht. Es entstehen Situationen mit erhöhtem Konfliktpotenzial und leider ist es einigen Menschen nicht möglich, dennoch respektvoll miteinander umzugehen.“

Häufig wurde auch das Problem der Schnelltests thematisiert. Mit dem Inkrafttreten der neuen Testverordnung (TestV) sind für Praxen der Heilmittelversorgung  kostenlose Test unter bestimmten Umständen möglich. In den Kommentaren weisen die Befragten allerdings häufig auf Probleme hin.

„Es herrscht völlige Unklarheit, wie das mit den Antigenschnelltests laufen soll. Die eine Hand weiß nicht, was die andere macht. Mitarbeiter sind dadurch sehr verunsichert.“

„Heilmittelerbringer sollten ein eigenes Kontingent mit Schnelltests zur Verfügung gestellt bekommen um mehr Sicherheit zu haben. Ich renne für jeden Mitarbeiter hinterher.“

„Warum werden Therapeuten nicht standardmäßig durchgetestet?! Warum können wir uns immer noch nicht kostenlos testen lassen!? Warum bekommen Heilmittelerbringer kein Testkontingent?!“

„Ich bekomme keine Schnelltest für meine Mitarbeiter. Es gibt keine Arztpraxis, welche Schnelltests durchführt. Grund u.a.: Die Anschaffungskosten liegen je nach Beschaffungszeitpunkt zw. 12-19€. Erstattet werden aber nur maximal 7 € bei den Ärzten. Ich bin wütend! Wieder ein Erlass, der für uns nicht durchführbar ist, während Heime, etc. es selbst durchführen dürfen. Ein Schnelltest würde viele Ausfallzeiten meiner Mitarbeiter kompensieren, wenn er negativ ist.“

„Es besteht ja nun die Möglichkeit, dass auch Therapeuten sich regelmäßig vorsorglich testen lassen können. Unser zuständiges Gesundheitsamt weiß davon allerdings noch nichts…“

Fazit:

In der ersten Novemberwoche, unter den verschärften Bestimmungen zur Kontaktbeschränkung, waren die Auswirkungen auf die ambulante Heilmittelversorgung weniger drastisch als noch im Frühjahr. Allerdings scheinen die Auswirkungen regional und je Leistungsbereich unterschiedlich zu sein.

Insgesamt scheinen TherapeutInnen und PatientInnen besser informiert und vorbereitet zu sein als zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr. Trotzdem gibt es Anzeichen dafür, dass verschiedene Patientengruppen unterschiedlich von Terminausfällen betroffen sind.

Auch zunehmende psychische Belastungen für die TherapeutInnen lassen sich beschreiben und sollten weiter beobachtet werden.

Leicht verbessert hat sich gegenüber dem Frühjahr die Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Trotzdem bewerten noch immer 20% der Befragten die Zusammenarbeit als mangelhaft. Probleme gab es hier häufig bei der Durchführung von Schnelltests und bei der Kommunikation.

Das Ziel muss weiterhin sein, bestehende Versorgungsstrukturen zu schützen, denn die ambulante Heilmittelversorgung wird auch in der Nachbehandlung von Covid-19-Patienten eine wichtige Funktion übernehmen.

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Aktuelle Auswirkung der Corona Pandemie auf die ambulante Heilmittelversorgung – Online Befragung

Aktuelle Auswirkung der Corona Pandemie auf die ambulante Heilmittelversorgung – Online Befragung

Aktuelle Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die ambulante Heilmittelversorgung

Die Corona-Pandemie stellt eine besondere gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar. Im Frühjahr hatten wir die Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung im Verlauf der ersten Wochen dokumentiert.

Die nun erforderlichen Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung und hohe Zahl an Neuinfektionen haben erneut Einfluss auf die Patientenversorgung. Um Details abbilden zu können, haben wir die Umfragen aus dem Frühjahr modifiziert.

Die wirtschaftliche Situation, die Umsetzung der Hygienemaßnahmen, aber auch besondere psychische Belastungen für die Therapeutinnen und Therapeuten sind wichtige Fragestellungen, um die Situation in der Patientenversorgung einschätzen zu können.

Wenn Sie in der ambulanten Versorgung im Bereich Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie oder Diätassistenz tätig sind, würden wir uns über ihre Unterstützung durch die Teilnahme an dieser Online-Befragung freuen.

Für die Teilnahme benötigen Sie etwa 7 Minuten. Am Ende der Befragung haben Sie die Möglichkeit einen längeren persönlichen Kommentar zu verfassen.

Hier geht es zur Umfrage:

Status der Umfrage: Aktiv

Betrachtungszeitraum: 30.11.2020 bis 04.12.2020

Umfrage endet in:

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Wirkung der Hilfsmaßnahmen und aktuelle Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung

Wirkung der Hilfsmaßnahmen und aktuelle Situation in der ambulanten Heilmittelversorgung

Zur Sicherstellung der ambulanten Versorgungsstrukturen wurden unterschiedliche Hilfsmaßnahmen aufgelegt.

Wie wirken diese und wie ist die aktuelle Situation in den Praxen der Leistungserbringer der Fachbereiche Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie und Diätassistenz?

Diese Fragen sollen mit Hilfe dieser Befragung beantwortet werden.
Die Teilnahme erfolgt vollständig anonymisiert und die Bearbeitung der Fragen benötigt etwa fünf Minuten.

Im Voraus vielen Dank für Ihre Teilnahme. Die Ergebnisse werden auf der Homepage unter Facts & News der TAL gGmbH veröffentlicht.

Hier geht es zur Umfrage:

Diese Umfrage ist geschlossen und wird bearbeitet.

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Umfrage zur Situation der Heilmittelindustrie

Umfrage zur Situation der Heilmittelindustrie

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Umfrage zur Situation in der Corona – Krise der Unternehmen und Dienstleister im Heilmittelbereich

Sie sind als UnternehmerIn, DienstleisterIn, InhaberIn eines Fortbildungsunternehmens oder Träger einer Schule oder Hochschule  in der Heilmittelversorgung engagiert und möchten an dieser Umfrage teilnehmen?

Dann kontaktieren Sie uns bitte unter folgender Email Adresse, um einen Link zur Umfrage zu erhalten.

info@tal-ggmbh.de

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zuge der Corona-Krise wurde die Bedeutung der Heilmittelversorgung durch den Bundesgesundheitsminister und die Bundeskanzlerin mehrfach hervorgehoben. Nicht umsonst werden auch die Praxen in der ambulanten Heilmittelversorgung den relevanten Einrichtungen des Gesundheitswesens zugeordnet.

Doch gerade aus Sicht der Patientenversorgung sollten auch die Unternehmen betrachtet werden, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen dafür sorgen, dass die Therapeutinnen und Therapeuten auf hohem Niveau ihre Tätigkeit ausüben können. Sie als Unternehmen erleichtern die Tätigkeit in den Praxen, sichern deren Finanzierung, sorgen für Informationsaustausch, gewährleisten Wissenstransfer und bieten innovative Produkte, die eine moderne Patientenversorgung erst ermöglichen.

Wir bitten Sie daher an unserer aktuellen Befragung teilzunehmen, mit der wir die Situation der Heilmittelindustrie unter dem Einfluss der Corona-Krise abbilden werden. Die Umfrage beinhaltet 16 Fragen, deren Beantwortung zwischen 5 und 7 Minuten Zeit in Anspruch nimmt. Am Ende der Befragung haben Sie die Möglichkeit ausführlich Punkte zu thematisieren, die Ihnen besonders wichtig sind.

Die Ergebnisse werden politischen Entscheidern und der Presse zur Verfügung gestellt. Zusätzlich erfolgt eine Veröffentlichung auf unserer Homepage.

Die Befragung erfolgt anonym. Es werden keine Daten gespeichert, die einen Rückschluss auf Ihre Identität oder ihr Unternehmen ermöglichen.

Umfrage: Follow-up der Brandbriefe “Therapeuten am Limit”

Umfrage: Follow-up der Brandbriefe “Therapeuten am Limit”

Vor einem Jahr wurde die wissenschaftliche Auswertung der Brandbriefe, die im Rahmen des Aktionsbündnisses “Therapeuten am Limit” die Probleme im Bereich der Heilmittelversorgung beschrieben, durch Frau Prof. Dr. Heidi Höppner und Eva-Maria Beck präsentiert. Die Briefe selbst sind knapp zwei Jahre alt und boten auch aus Patientensicht Grund zur Besorgnis.

Unterversorgung durch Fachkräftemangel, fehlende Hausbesuchskapazitäten, komplexe Versorgungssituationen, Fehlsteuerung, problematische Therapiezeittaktung und Vereinzelung in ambulanten Praxen waren Themen, die in den Brandbriefen sehr häufig beschrieben wurden (Höppner, Beck, 2019, https://physiotherapeuten.de/artikel/veraergerte-therapeuten/ )

Im Terminservice- und Versorgungs- Gesetz (TSVG) wurden Änderungen aufgenommen, die z. B. für eine Angleichung der Honorare bundesweit und eine Stärkung der Verhandlungsposition der Therapieverbände gesorgt haben. Einige Bundesländer haben den Weg in eine schulgeldfreie Ausbildung in den Berufen frei gemacht um einem zunehmenden Nachwuchsmangel zu begegnen.

Doch wie wirken sich diese Änderungen in der Versorgungsrealität aus?

Ziel dieser Befragung ist es in Anlehnung an die sieben von Höppner und Beck ermittelten Dimensionen (ebenda), den Wirkungsgrad der bisher eingeleiteten Maßnahmen zu ermitteln.

Diese Umfrage ist ein Projekt der TAL gGmbH und wird von dieser ausgewertet und im Sinne der Gemeinnützigkeit veröffentlicht.

Ihr TAL gGmbH Team

Hier geht es zur Umfrage:

Die ärztliche Sicht auf Heilmittelregresse – Ergebnisse einer Online Befragung

Die ärztliche Sicht auf Heilmittelregresse – Ergebnisse einer Online Befragung

Schriftenreihe: Lösungen für eine verbesserte Patientenversorgung

“94% der befragten Ärztinnen und Ärzte fordern eine Abschaffung der Wirtschaftlichkeitsprüfung”

29. JANUAR 2020


TAL gGmbH
Hartmannsweilerstraße 71, 65933 Frankfurt am Main


info@tal-ggmbh.de

https://tal-ggmbh.de/

 

Die Hypothesen, die vor der Befragung aufgestellt wurden, werden insgesamt durch die Ergebnisse bestätigt.

 

  1. Ärzte und Ärztinnen in der ambulanten Versorgung sind allein durch Berichterstattungen für das Thema Heilmittelregresse sensibilisiert und passen ihr Verordnungsverhalten an, unabhängig ob sie selbst schon von einem Regressverfahren betroffen waren oder nicht. Obwohl nur 16% der Befragten bisher Regresszahlungen leisten mussten, sehen sich 93% der Befragten in ihrem Verordnungsverhalten beeinflusst.

2. Ärzte und Ärztinnen entwickeln unterschiedliche Strategien, um ein Mindestmaß an Regresssicherheit zu erlangen. 40% der Befragten verordnen nach Möglichkeit ein günstigeres Heilmittel, 25% stellen zur Minimierung des Regressrisikos keine Heilmittelverordnungen aus und 38% versuchen die Verordnung auf andere Fachbereiche zu verlagern.

HINTERGRUND

Die Versorgung mit Heilmitteln innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung umfasst die Leistungsbereiche Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie und Diätassistenz. Dabei gelten diese Leistungsbereiche als veranlasste Leistungen durch die Ärzteschaft, da ohne Verordnung der Zugang zur Leistung innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung für die Patienten verwehrte bleibt. Unter dem Gesichtspunkt des Wirtschaftlichkeitsgebotes wurden verschiedene Instrumente etabliert, die eine Mengensteuerung im eigentlichen Sinn einer Rationierung ermöglichen sollen. Für die verordnende Ärzteschaft sind die unterschiedlichen Maßnahmen ein Ärgernis und auch nicht immer leicht zu durchschauen. Allein die Begrifflichkeiten wie Richtgrößenprüfung, Durchschnittswerteprüfung, Einzelfallprüfung und Zufälligkeitsprüfungen vermitteln das Gefühl einer wirtschaftlichen Gefahr in Form eines Regresses.

Als grundsätzlicher Handlungsleitfaden gilt die Heilmittelrichtlinie des Gemeinsamens Bundesauschusses (G-BA). Hier werden Indikationen und Leitsymptomatiken spezifiziert und mit Behandlungsmengen und Frequenzen dokumentiert, die per Definition schon eine wirtschaftliche Verordnungsweise unterstellen, wie das Bundessozialgericht in einer Urteilsbegründung 2007 angemerkt hat (Az: B 6 KA 7/06 R). Dennoch lässt sich daraus nicht ableiten, dass eine Verordnung nach Vorgaben der Heilmittelrichtline automatisch einen Schutz vor Regressen bedingt, denn die Richtline definiert nur verbindlich, wie die Versorgung gestaltet werden muss, darüber ob sie überhaupt notwendig ist muss der Arzt entscheiden und ist dafür auch wieder einem Regressrisiko ausgesetzt (Nietz, 2007). […]

Anhand der Daten des GKV- Heilmittelinformationssystems wird deutlich, dass im Zuge des demografischen Wandels der Bedarf an Heilmittelleistung weiterhin zunehmen wird.

Ob es überhaupt ökonomisch sinnvoll ist, einen offensichtlich kleineren Leistungsbereich so streng und aufwändig zu regulieren und mit Mengensteuerungselementen zu versehen, mit dieser Frage hat sich bereits 2009 eine Expertise im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen befasst. Wörtlich ziehen die Autoren das Fazit:

„Zusammenfassend erzeugen die vorliegenden Daten unter den getroffenen Annahmen – besonders bezüglich des Präventionseffekts – sowohl durch die Kosten-Nutzen-Analyse bei allen Fachbereichen zusammen, als auch durch isolierte Betrachtung der Fachbereiche mit Regresszahlungen, das Ergebnis, dass die bestehende Heilmittel-Richtgrößenprüfung in Hessen unter ökonomischen Aspekten nicht vorteilhaft ist. Diese Erkenntnis spricht dafür, die Richtgrößenprüfung für alle Fachbereiche ersatzlos abzuschaffen.“ (Neubauer, Wick, 2009)

Im Jahr 2009 betrug die Gesamtsumme an Regresszahlungen allein in Hessen 2.2 Millionen Euro. Ein Fall erreichte sogar eine existenzbedrohende Höhe von 400.000 Euro. Auch wenn die absolute Zahl an Ärzten, die von Regressforderungen direkt betroffen sind, prozentual nicht sehr hoch ist, so ist die Verunsicherung innerhalb der Ärzteschaft dennoch nicht zu unterschätzen (Jäger, 2012).

Beispiel aus der Auswertung:

Wirtschaflicher Druck führt bei den verordnenden Ärztinnen und Ärzten zu unterschiedlichen Regressvermeidungsstrategien.

Stimmen der Befragten:

Diese Antworten lassen sich grob in die Kategorien persönliche Belastung, Systemfehler und Auswirkungen auf die Patientenversorgung einteilen. Teilweise berühren die Aussagen auch mehrere Kategorien. Im Folgenden sind beispielhaft einige Aussagen aufgeführt:

  • „Die Regressandrohung ist unethisch, menschenverachtend und unerträglich. Die tägliche Arbeit wird extrem erschwert und auf Dauer wird man demotiviert. Man entwickelt ein Vermeidungsverhalten, was sich durch alle Bereiche zieht. In diesem System habe ich Angst, selbst einmal Patient zu sein.“
  • „Die Regeln der Heilmittelverordnung sind so komplex, dass ich sie nach 6 Jahren Niederlassung, mehreren Fortbildungen und Beratungen bei der KV immer noch nicht ganz verstanden habe. Ich versuche die Ausstellung zu vermeiden, wo es geht. Bestimmte Maßnahmen, wie z.B. Manuelle Therapie verordne ich grundsätzlich nicht (auch wenn es med. indiziert sein könnte).“
  • „Ich kann die Patienten nicht so versorgen, wie ich es glaube, aus medizinischen Gründen tun zu müssen. Die Möglichkeit einen Regress zu erhalten, nimmt Einfluss auf jede meiner Verordnungen. Es ist unerträglich. Wir verordnen nichts zu eigenem Nutzen, ausschließlich zur Patiententherapie, trotzdem haften wir mit unserem Privatvermögen. Das ist so, als wenn man einen Feuerwehrmann mit Regress bedroht, wenn er nach Ansicht der Stadtwerke zu viel Wasser verbraucht. Die Krankenkassen geben mehr Gelder für Werbung aus, als für alle Heilmittel insgesamt. Wer überwacht die Kassen?“

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Ärztliche Sicht auf Heilmittelregresse TAL gGmbH