Digitalisierungsstrategie in der Heilmittelversorgung – Kommentar

Digitalisierungsstrategie in der Heilmittelversorgung – Kommentar

Ein Kommentar von GF Volker Brünger

Spätestens mit dem Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) ist klar, dass die Patientenversorgung in Zukunft immer mehr digitale Komponenten besitzen wird.

Mit der TAL gGmbH haben wir bereits viele Problemfelder in der Heilmittelversorgung herausgearbeitet. Seien es Themen wie alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, interdisziplinäre Versorgung, alternative Zugangsformen, Herausforderungen der regionalen Versorgung, basisdemokratische Partizipation in der Berufspolitik oder ganz aktuell die besonderen Herausforderungen der Versorgung unter dem Einfluss der Corona-Pandemie: immer waren digitale Anwendungen ein wichtiger Teil der Lösungsansätze.

Barrieren abbauen – Vertrauen aufbauen

Gleichzeitig bestehen noch viele Barrieren für die Umsetzung einer erfolgreichen Digitalisierung in der Heilmittelversorgung. Die Diskussionen drehen sich vielfach um die Punkte, die nicht digital umgesetzt werden können. Kleinere Berufsgruppen geraten häufig aus dem Blick. So wird im DVG nur die Physiotherapie aus dem Bereich der Heilmittelversorgung genannt, der Bereich der logopädischen Versorgung hat jetzt in der Pandemie jedoch eindrucksvoll gezeigt, dass dort digitale Versorgungsangebote längst großflächig Teil der Therapie sein können.

Es muss den Entscheidern klar werden, dass ein mengenorientierter Verordnungskatalog wie der Heilmittelkatalog keine Antwort und keine Grundlage für eine moderne und qualitätsbezogene Heilmittelversorgung darstellt. Diese Versorgungssystematik steht als Rahmenkonstrukt einer besseren digitalen Versorgung entgegen.

“Wir bezahlen Qualität”

Digitale Versorgung ist immer auch Teil einer sehr individuellen Versorgung, deren Nutzen man speziell im Heilmittelbereich nicht unterschätzen darf. Ein solches Versorgungsmodell lässt sich jedoch nicht in einen Verhandlungsrahmen zwingen, der geprägt ist von der Angst vor Mengenausweitungen. Wenn von Seiten der Kostenträger der Satz „Wir bezahlen Qualität.“ ernst gemeint ist, so fehlt es dort objektiv bisher an Expertise für eine moderne Heilmittelversorgung.

Es versteht sich von selbst, dass in der Heilmittelversorgung ein großer Teil der Leistungen auch in Zukunft persönlich erbracht werden, digitale Anwendungen können hier jedoch helfen effektiver zu arbeiten, den Bürokratieaufwand reduzieren, Versorgungsforschung ermöglichen und auch den Therapieerfolg nachhaltig verbessern. Die Vorteile der Digitalisierung liegen auf der Hand.

Umfassende Digitalisierungsstrategie nötig!

Für eine Versorgung, die die Chancen der Digitalisierung effektiv nutzt, braucht es jetzt Akzeptanz, eine offene und auch öffentliche Debatte und eine umfassende Digitalisierungsstrategie. Dabei müssen alle Akteure mit einbezogen werden, zu denen selbstverständlich auch Patienten und Entwickler von digitalen Anwendungen gehören. Das Ziel muss sein, denjenigen, die digitale Versorgung bereits anbieten können, dies auch zu ermöglichen und klare Versorgungsziele zu definieren und Anreize zu schaffen.

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Heilmittel – Die Stunde der Selbstverwaltung

Heilmittel – Die Stunde der Selbstverwaltung

Heilmittel – die Stunde der Selbstverwaltung

Nachdem Bundesgesundheitsminister Spahn in seinem „Facebook-Live“-Auftritt den Hoffnungen der Therapeutinnen und Therapeuten auf einen zweiten Rettungsschirm vorerst eine Absage erteilte, schlägt jetzt die Stunde der Selbstverwaltung.

Ein Kommentar von Volker Brünger

Die Krankenkassen, die die Versorgung ihrer Versicherten mit Heilmittelleistungen sicherstellen müssen, kennen die Probleme der Therapeutinnen und Therapeuten. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass aufgrund der Abrechnungsmodalitäten das größte Liquiditätsproblem in den Praxen noch bevorsteht und sie stehen im direkten Kontakt mit ihren Verhandlungspartnern auf Seiten der Heilmittelerbringer.

Es dürfte auch kein Geheimnis sein, dass Therapie aktuell durch Einhaltung der Hygienestandards und des Angebotes von Videotherapie organisatorisch deutlich aufwändiger und teurer ist, als dies in den Rahmenverträgen abgebildet wird.

Die Krankenkassen wissen um die Bedeutung der Heilmittelversorgung aktuell bei der Versorgung von Intensivpatienten und später bei der Rehabilitation von Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind. Sie wissen wie wichtig es ist, die Versorgungsstrukturen zu schützen, damit Patienten auch nach der Krisenzeit behandelt werden können.
Es wäre jetzt ein starkes Signal für eine Selbstverwaltung, die auch in Krisenzeiten handlungsfähig ist, wenn Krankenkassen proaktiv ihre Partner unterstützen und dadurch die Bereitstellung von Versorgungsstrukturen sichern.

Dazu braucht es nicht die Politik oder den guten Willen eines Ministers.

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