Akademisierung als Grundvoraussetzung für Versorgungsqualität – Interview mit Martina Stöckl (TU München)

Akademisierung als Grundvoraussetzung für Versorgungsqualität – Interview mit Martina Stöckl (TU München)

Frau Martina Stöckl M.Ed. - TU München

Martina Stöckl ist seit 2007 Physiotherapeutin. Sie absolvierte ihr Studium an der TU München (B. Ed., M. Ed.) im Studiengang berufliche Bildung, Fachrichtung Gesundheits- und Pflegewissenschaften mit Sozialkunde.

Seit 2018 promoviert sie an der TU München – Fakultät TUM School of Education. Martina Stöckl forscht auf dem Gebiet „Ausbildung, Akademisierung und Professionalisierung der Physiotherapie in Deutschland“.

“Akademisierung als Grundvoraussetzung für Versorgungsqualität”

Wenn wir die Professionalisierung der Physiotherapie als Weg sehen, wo stehen wir dann in Deutschland?

Eine Professionalisierung in der Physiotherapie hängt von mehreren Faktoren ab. Eine Grundvoraussetzung ist, dass ein Weg durchgängig ist.

Im übertragenen Sinne ist ein durchgängiges Bildungssystem bis hin zur Möglichkeit der Promotion an Universitäten unumgänglich. Wenn wir die Professionalisierung in Deutschland als Weg sehen, stehen wir im Moment vor einer riesigen Umleitung. Das ist ziemlich ungünstig für alle Beteiligten, denn dieser Umweg führt in keinster Weise sicher wieder nach Deutschland oder ins Gesundheitswesen zurück.

Österreich oder die Schweiz wirken hoch attraktiv, gerade für akademisierte oder sehr gut ausgebildete Physiotherapeuten. Es besteht die Gefahr, dass Physiotherapeuten aufgrund dieser fehlenden, durchgängigen Straße – also das Fehlen eines durchgängigen Bildungsweges – erst herumirren und anschließend das Berufsfeld komplett verlassen.

Einige wenige PhysiotherapeutInnen finden tatsächlich eine Möglichkeit an den verschiedensten Universitäten in Deutschland zu promovieren. Das ist aber eher die Ausnahme und in den meisten Fällen über die sogenannten Bezugswissenschaften möglich. Das bedeutet, dass uns andere Wissenschaften einen Platz an einer Universität anbieten, weil wir selbst keinen haben.

Sicher ist, dass diese promovierten Physiotherapeuten mit ihrem “Know-How” hier in Deutschland eine Perspektive brauchen.

Das ist die Voraussetzung um einer gelingenden Professionalisierung mit all ihren neuen Berufsperspektiven überhaupt eine realistische Chance geben zu können.

Welche Hindernisse bestehen aktuell für eine Professionalisierung?

 

Gerade in Deutschland gibt es viele Hindernisse in ganz unterschiedlichen Dimensionen.

  • Gefahr durch Studiengänge ohne anerkannten Abschluß
  • Geringe Aufstiegsmöglichkeiten in der Praxis
  • Schlechte Bezahlung
  • Wenig Berufsautonomie
  • Diffuse berufliche Identität
  • Keine gemeinsame Berufsethik
  • Berufliche Organisation nicht einheitlich
  • Fehlende therapeutische Disziplinargewalt
  • Wissenschaftlich nicht belegbare Fortbildung

Dies sind nur einige, aber wichtige Punkte.

Ich lade Sie zu einem Gedankenexperiment ein: Stellen Sie sich vor, wir hätten ein durchlässiges Bildungssystem in der Physiotherapie und einige Physiotherapeuten würden ganz selbstverständlich an Universitäten in Deutschland promovieren. Dann hätten wir Kollegen, die sich nicht nur naturwissenschaftlich sondern auch geisteswissenschaftlich mit der Physiotherapie und ihren vielen Facetten beschäftigen.

Diese WissenschaftlerInnen können dann ihre Erkenntnisse ganz selbstverständlich auf nationaler und internationaler Ebene veröffentlichen. Erstmals kommt es zur Diskussion in der Fachöffentlichkeit von Erkenntnissen und selbstverständlich auch unter anderen Berufsgruppen.

Da dieses Feld des Auftretens in der Physiotherapie in Deutschland komplett fehlt, verlieren sich Diskussionen meist in einer kleinteiligen Betrachtung. Ein Beispiel ist die Einordnung der Therapieberufe ausschließlich als „Handwerk“. Eigentlich ist es aber eine ganz eigene Wissenschaft!

Die Wissenschaft der Physiotherapie ist angesiedelt im Gebiet der Natur- aber auch  Geisteswissenschaften!

Krankenkassen fürchten eine Kostenausweitung, Ärztefunktionäre Kompetenzverlust für die Ärzteschaft. Sind diese Sorgen berechtigt?

 

 

Wenn unsere Kollegen der Ärzteschaft mit der Anzahl der Patienten ausgelastet sind und gleichzeitig noch Physiopraxen „akute“ Patienten innerhalb von 14 Werktagen keinen freien Termin anbieten können, kommen wir gesamtgesellschaftlich in einer sehr ungünstigen Versorgungssituation.

Dann kommen die gleichen Patienten unbehandelt zurück in die mit hoher Wahrscheinlichkeit noch immer überfüllten Arztpraxen. Eine Verschlechterung des allgemeinen Patientenzustandes ist zusätzlich zu erwarten.

Sicher ist, es braucht ein aktuelles Rezept, um die Behandlung beim Physiotherapeuten erneut und erstmals antreten zu können! Wenn es sich hierbei nicht um einen beschriebenen Einzelfall handelt, ist es an der Zeit, solche zukünftigen Tendenzen durch wissenschaftliche Lösungsvorschläge abzufangen!

Selbstverständlich können dann auch genaue Rückschlüsse auf Kosten gezogen werden.

Um auf ihre Frage zurückzukommen:

Ich denke die größte Sorge die Ärztefunktionäre, Ärzteschaft und Krankenkassen haben sollten ist, wenn Wissenschaft in den Therapieberufen weiter stagniert!

In welchem Zusammenhang stehen die Akademisierung und Qualitätssicherung für die Patientenversorgung?

 

 

Die Akademisierung ist die Grundvoraussetzung zum Aufbau einer wissenschaftlichen Basis.

Über die Wissenschaft lassen sich Eckpunkte für eine Sicherung der Versorgungsqualität ermitteln, die letztendlich zu einer hochwertigen Leistung führen. Nur so können PatientInnen, TherapeutInnen und Kostenträger gleichermaßen profitieren. Über die wissenschaftliche Betrachtung können wir herausfinden, welche Aspekte in der Versorgung notwendig sind, um PatientInnen effektiv zu behandeln, TherapeutInnen zu entlasten und nebenbei sogar noch Kosten zu senken.

Nicht selten führen Innovationen langfristig zu einer Kostensenkung! Dabei gilt es wichtige Prozesse im Detail zu analysieren, um Zusammenhänge zu verstehen.

Was muss sich ändern?

 

 

 

Es bedarf eines Verständnisses darüber, dass eine Akademisierung in einem durchgängigen Bildungssystem bis hin zur Möglichkeit der Promotion die Grundlage für Wissenschaft, Forschung und Fortschritt ist.

Dies gilt auch im Bereich der Physiotherapie. Der sogenannte Professionalisierungsprozess darf nicht in der Sackgasse mit einem Bachelorabschlusses und kaum Mehrwert enden.

Es sollte das Ziel einer „professionalisierten Physiotherapie“ angestrebt werden, die“ beste Version ihrer selbst“.

Die Versorgung der Menschen in Deutschland darf nicht länger an mangelnder Wissenschaft in den Therapieberufen leiden.

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Ergebnisoffene Verlängerung akademischer Strukturen bis 2026 – Kommentar von Prof. Dr. Heidi Höppner

Ergebnisoffene Verlängerung akademischer Strukturen bis 2026 – Kommentar von Prof. Dr. Heidi Höppner

Prof. Dr. Heidi Höppner - ASH Berlin

Frau Prof. Dr. Heidi Höppner ist seit 2002 Professorin für Physiotherapie und engagiert sich seitdem für eine zukunftsorientierte Ausbildung und entsprechende hochschulische Rahmenbedingungen.

Seit 2012 ist sie im primärqualitativen Studiengang Physio- Ergotherapie an der Alice Salomon Hochschule Berlin tätig.

Ihr Kommentar zum vorgelegten Referentenentwurf und zur „ergebnisoffenen Verlängerung akademischer Strukturen bis 2026“.

Hintergrund:

Im sogenannten Omnibusgesetzes mit dem Namen „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (Gesundheitsversorgungsentwicklungsgesetz – GVWG)“.  Unter Abschnitt II.26 auf S. 49 heißt es im Wortlaut:

„Die Modellklauseln zur Erprobung von akademischen Ausbildungsangeboten in der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie werden bis Ende 2026 verlängert. Derzeit sind sie bis Ende 2021 befristet. Die Verlängerung ermöglicht den Ländern, gewachsene Strukturen akademischer Erstausbildungen zunächst fortzuführen.

Die bestehenden Modellstudiengänge können gegebenenfalls ein wichtiger Baustein sein, um reguläre akademische Ausbildungsangebote aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist die Verlängerung der Modellklauseln Voraussetzung für eine ergebnisoffene Entscheidungsfindung, ob und wenn ja in welcher Ausgestaltung die jeweilige Ausbildung in der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie akademisiert werden soll.“

Primärqualifizierendes Studium auf die lange Bank geschoben

Mich trifft sehr, dass Innovation bewusst ausgebremst wird. Konkret bedauere ich, dass im Falle der weiteren Verlängerung, Hochschulen mit all den seit Jahren Engagierten weiter hingehalten und (potentielle) Studierende verunsichert werden. Denn, der Ausgang ist lt. Entwurf ergebnisoffen. Für mich ist das eine Farce.

Alle Ziele, die mit einem primärqualifizierenden Studium, also einem für die Berufsausübung vorbereitendem Studium, verbunden sind, werden somit auf die lange Bank geschoben und so die Zielerreichung gefährdet. Dabei stehen wir vor großen Aufgaben im System gesundheitlicher Versorgung und die therapeutischen Berufe sind aktuell gefordert. Worum es geht:

 

  • um eine notwendige wissenschaftliche Fundierung beruflicher Praxis und
  • Professionalisierung,
  • um die Einlösung einer gesetzlich geforderten Qualitätssicherung therapeutischer Leistungen,
  • um Kooperation aller Gesundheitsberufe und damit ein Ernstgenommen werden der Therapeut_innen als bedeutende Akteur_innen in der Gesundheitsversorgung sowie
  • um einen internationalen Anschluss an Forschung und Entwicklung seitens deutscher Therapieberufe und schlicht
  • um Attraktivität für den Nachwuchs.

Evaluationsergebnisse machen Mut für die Zukunft

Trotz und mit Corona: besonders trifft mich mit welcher Ignoranz das BMG unsere als positiv belegte Arbeit der letzten zehn Jahre zur Kenntnis nimmt.

Die Hausaufgaben an Hochschulen sind – unter schwierigen Bedingungen – gemacht. Evaluationsergebnisse machen Mut für die Zukunft und zeigen bereits jetzt offene Fragen.

Schon 2012 hat der Wissenschaftsrat sich in seinen Empfehlungen zur hochschulischen Qualifikation für das Gesundheitswesen – auch nach Anhörung von Expert_Innen aus der Versorgung – für die Einrichtung primärqualifizierender Studiengänge ausgesprochen.

Was ist in Deutschland das Problem?

Was jetzt passiert bedeutet einen erheblichen Innovationsstau in der Gesundheitsbildung der Therapieberufe. Mit diesem Vorschlag aus dem BMG wird Neues bewusst ausgebremst.

Die Frage sei gestattet: Was – bitte – ist in Deutschland das Problem? Warum entscheiden sich andere Länder (zuletzt Österreich und die Schweiz vor 15 Jahren) konsequent und geben somit Wege für Anpassungsprozesse der Gesundheitsfachberufe frei?

Verantwortung muss die Politik für das Tun und Lassen (!) übernehmen. Fakt ist: hier werden Chancen nicht ergriffen und Modellversuche vorgeschoben.

Ein konsequentes Ja zur Primärqualifikation an Hochschulen – jetzt!“ Der zitierte Titel meines Artikels ist nicht neu – er stammt bereits aus dem November 2016 – kurz vor der 1. Verlängerung der Modelle! Diese Forderung nach Entfristung der Modellklausel in den Berufsgesetzen gilt es heute deutlich vorzubringen.

09.11.2020

Kommentar von Prof. Dr. Heidi Höppner

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Corona-Krise aus der Perspektive der Heilmittelindustrie

Corona-Krise aus der Perspektive der Heilmittelindustrie

Uwe Kalin - opta data Gruppe

Herausforderungen der Corona-Krise aus der Perspektive der Heilmittel-Industrie – Interview mit Uwe Kalin von der opta data Gruppe

Ein wichtiger Teil der Heilmittelversorgung sind die Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen die Arbeit der TherapeutInnen unterstützen oder auch durch eigene Innovationen die Versorgung verbessern.
Wie erleben diese Unternehmen die Krise? Wir sprachen mit Uwe Kalin von der opta data Gruppe.

Vita Uwe Kalin:

Uwe Kalin ist studierter Diplom-Sportwissenschaftler und Sporttherapeut. Er arbeitete in der ambulanten und stationären Rehabilitation sowie der erweiterten ambulanten Physiotherapie (EAP). Seit 2016 bekleidet er bei der opta data Gruppe die Position des Business Development Managers im Bereich Heilmittel, wo er für die strategische Ausrichtung und Marktbearbeitung zuständig ist.

Expertise Uwe Kalin:

Uwe Kalin bringt 20 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen mit sich als Diplom-Sportwissenschaftler und Sporttherapeut in verschiedenen ambulanten und stationären Einrichtungen. Zuletzt war er maßgeblich am Aufbau und der Leitung zweier Gesundheitszentren in Nordrhein Westfalen beteiligt.

Wie sieht für Sie das Ideal der zukünftigen Patientenversorgung aus und wie möchten Sie mit Ihrem Unternehmen die Entwicklung mitgestalten?

Wir wünschen uns eine Verzahnung der administrativen Prozesse, die sich dadurch spürbar verbessern würden. Nehmen wir einmal das folgende Beispiel: Der Patient kommt mit seiner digitalen Versorgung oder sogar mit seiner digitalen Patientenakte inklusive der Verordnung in die Praxis. Der Therapeut liest alles direkt ein. Er vermerkt die Behandlungen im Anschluss und gibt sie direkt aus seinem Praxisverwaltungs-System zur Abrechnung frei. opta data reicht am Ende die Daten direkt zur Abrechnung bei den Kassen ein.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine Verzahnung die Prozesse in der Praxis und auch bei uns deutlich vereinfachen würde. Ganz zu schweigen von den Papierkosten, die dadurch eingespart werden. Kurz gesagt: Der Weg der Verordnung muss digital werden. Die opta data Gruppe ist darauf vorbereitet. Wir könnten diesen Weg sofort beschreiten.

Sie engagieren sich auch in der Heilmittelversorgung, wieso gerade in diesem Bereich?

 

opta data ist in den Gesundheitsbereichen der Hilfsmittel und Pflege genauso vertreten wie bei den Krankentransporten oder eben auch den Heilmitteln. In all diesen Bereichen müssen die Leistungserbringer mit den Kassen abrechnen. Bei uns in Essen landen täglich über 100.000 Belegsendungen.

Der Heilmittelmarkt ist einer unserer größten Bereiche, weil es dort eine große Zahl an Einrichtungen gibt, für die wir beispielsweise mit unserem Praxisverwaltungs-System TheraPlus einen echten Mehrwert schaffen können. Der Verwaltungsaufwand in einer Heilmittelpraxis ist einfach enorm. Unsere Kunden freuen sich also über die Hilfe bei der täglichen Praxisverwaltung. Auch die Möglichkeit der Vorfinanzierung bei der Verordnungsauszahlung bietet uns eine Möglichkeit, die Praxen mit handfesten Lösungen zu unterstützen.

Der gerade beschlossene Rettungsschirm für Heilmittelerbringer bemisst sich nach den Umsätzen des letzten Quartals 2019. Ist dies aus Ihrer Sicht eine gute Lösung?

Das ist eine gute Frage. Ich finde es erst einmal gut, dass solch ein Rettungsschirm für die Branche initiiert worden ist. Ich glaube, dass es vielen helfen wird, die Umsatzeinbußen wenigstens etwas zu kompensieren. Persönlich denke ich aber, dass der Mittelwert des letzten Quartals 2019 inklusive Januar und Februar 2020 die bessere Lösung gewesen wäre.

Wir haben Kunden, die die Abrechnung für den Dezember, einen der umsatzstärksten Monate, erst im Januar 2020 eingereicht haben. Da ist die Enttäuschung natürlich groß. Wir wissen durch jahrelange Erfahrung, dass die Praxen Ende Dezember den restlichen Stapel mit Verordnungen abarbeiten. Deshalb fahren wir zwischen den Feiertagen auch immer mit voller Besetzung in unserem Abrechnungsbereich.

Wie entwickeln sich die Abrechnungsumsätze im Heilmittelbereich seit Beginn der Corona-Krise?

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Belegzahlen der opta data Abrechnungs GmbH in den vergangenen Wochen und Monaten über alle Geschäftsbereiche hinweg – einschließlich dem Heilmittelbereich – um bis zu circa 25 Prozent zurückgegangen. In den letzten Wochen konnten wir jedoch eine Verbesserung in der Entwicklung der Belegzahlen beobachten. Natürlich hat dies jedoch Auswirkungen auf unsere Abrechnungsumsätze.

Unsere anderen Gruppenunternehmen sind – wie die opta data Abrechnungs GmbH – ebenfalls von der Corona-Krise betroffen. Dies muss man jedoch differenzierter betrachten. Die Firmen der opta data Gruppe bedienen schließlich ganz unterschiedliche Kunden und sind deshalb mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Nichtsdestotrotz haben viele unserer Unternehmen ebenfalls gesunkene Belegzahlen zu verzeichnen. Insgesamt zeigt der Belegrückgang im Vergleich zum Vorjahr daher, dass sehr viele unserer Kunden – teilweise massiv – von der Krise betroffen sind.

Wie erleben Sie mit Ihrem Unternehmen die aktuelle Corona-Krise?

Natürlich stellt die Corona-Krise eine große Herausforderung für unser Unternehmen dar. Ganz klar ist jeder Einzelne davon betroffen.

Schon direkt zu Beginn der Corona-Krise wurden Vorsorgemaßnahmen und Verhaltensregeln an unseren Standorten eingeführt, was gut angenommen wurde und gut funktioniert. Natürlich gab es – gerade in der Anfangszeit, als es zum großen Lockdown kam – Verunsicherung in der Kollegschaft. Unsere Geschäftsführer waren aber jederzeit für uns ansprechbar, haben Fragen beantwortet und regelmäßig transparente Informationen geliefert.

Wir alle wissen nicht, wie sich das Jahr weiter entwickeln wird und ob es eventuell nochmal zu einem zweiten großen Corona-Ausbruch kommt. Wir setzen daher als Familienunternehmen weiterhin auf den Zusammenhalt.

Wie können Sie diese Krise meistern, welche Hilfen sind nötig?

 

Unsere Geschäftsführer haben sich zu Beginn der Corona-Krise Ziele gesetzt: das Unternehmen bestmöglich durch die Krise zu bringen und dabei möglichst keine Arbeitsplätze zu verlieren. Deshalb waren die Unternehmensbereiche, in denen die Belege zurückgingen – und in denen somit auch weniger Arbeitsaufkommen bestand – von April bis Juni 2020 in Kurzarbeit.

Wir haben da als Familienunternehmen alle am selben Strang gezogen, denn nur gemeinsam konnten wir die von der Geschäftsführung gesetzten Ziele erreichen. Seit Juli arbeiten wir wieder im „Normalbetrieb“ – trotzdem halten die Geschäftsführer die Corona-Entwicklung weiterhin im Blick.

Sie und wir als Unternehmen sehen die Krise vor allem auch als Chance, da der Stellenwert der Digitalisierung durch die aktuelle Situation noch einmal bestätigt wird. Auch für unsere Kunden gewinnen Online-Prozesse und kontaktlose Abwicklungen zunehmend an Bedeutung. Wir bieten ihnen beispielsweise Online-Seminare zu unterschiedlichen Themen an und versorgen sie mit News über unser Online Kundencenter oder unsere Website.

Frankfurt am Main – 27.07.2020

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Digitalisierungsstrategie in der Heilmittelversorgung – Kommentar

Digitalisierungsstrategie in der Heilmittelversorgung – Kommentar

Ein Kommentar von GF Volker Brünger

Spätestens mit dem Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) ist klar, dass die Patientenversorgung in Zukunft immer mehr digitale Komponenten besitzen wird.

Mit der TAL gGmbH haben wir bereits viele Problemfelder in der Heilmittelversorgung herausgearbeitet. Seien es Themen wie alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, interdisziplinäre Versorgung, alternative Zugangsformen, Herausforderungen der regionalen Versorgung, basisdemokratische Partizipation in der Berufspolitik oder ganz aktuell die besonderen Herausforderungen der Versorgung unter dem Einfluss der Corona-Pandemie: immer waren digitale Anwendungen ein wichtiger Teil der Lösungsansätze.

Barrieren abbauen – Vertrauen aufbauen

Gleichzeitig bestehen noch viele Barrieren für die Umsetzung einer erfolgreichen Digitalisierung in der Heilmittelversorgung. Die Diskussionen drehen sich vielfach um die Punkte, die nicht digital umgesetzt werden können. Kleinere Berufsgruppen geraten häufig aus dem Blick. So wird im DVG nur die Physiotherapie aus dem Bereich der Heilmittelversorgung genannt, der Bereich der logopädischen Versorgung hat jetzt in der Pandemie jedoch eindrucksvoll gezeigt, dass dort digitale Versorgungsangebote längst großflächig Teil der Therapie sein können.

Es muss den Entscheidern klar werden, dass ein mengenorientierter Verordnungskatalog wie der Heilmittelkatalog keine Antwort und keine Grundlage für eine moderne und qualitätsbezogene Heilmittelversorgung darstellt. Diese Versorgungssystematik steht als Rahmenkonstrukt einer besseren digitalen Versorgung entgegen.

“Wir bezahlen Qualität”

Digitale Versorgung ist immer auch Teil einer sehr individuellen Versorgung, deren Nutzen man speziell im Heilmittelbereich nicht unterschätzen darf. Ein solches Versorgungsmodell lässt sich jedoch nicht in einen Verhandlungsrahmen zwingen, der geprägt ist von der Angst vor Mengenausweitungen. Wenn von Seiten der Kostenträger der Satz „Wir bezahlen Qualität.“ ernst gemeint ist, so fehlt es dort objektiv bisher an Expertise für eine moderne Heilmittelversorgung.

Es versteht sich von selbst, dass in der Heilmittelversorgung ein großer Teil der Leistungen auch in Zukunft persönlich erbracht werden, digitale Anwendungen können hier jedoch helfen effektiver zu arbeiten, den Bürokratieaufwand reduzieren, Versorgungsforschung ermöglichen und auch den Therapieerfolg nachhaltig verbessern. Die Vorteile der Digitalisierung liegen auf der Hand.

Umfassende Digitalisierungsstrategie nötig!

Für eine Versorgung, die die Chancen der Digitalisierung effektiv nutzt, braucht es jetzt Akzeptanz, eine offene und auch öffentliche Debatte und eine umfassende Digitalisierungsstrategie. Dabei müssen alle Akteure mit einbezogen werden, zu denen selbstverständlich auch Patienten und Entwickler von digitalen Anwendungen gehören. Das Ziel muss sein, denjenigen, die digitale Versorgung bereits anbieten können, dies auch zu ermöglichen und klare Versorgungsziele zu definieren und Anreize zu schaffen.

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Zu Gast bei Gesundheit.macht.Politik “GmP Folge 67”

Zu Gast bei Gesundheit.macht.Politik “GmP Folge 67”

“Willkommen zur 67. (monothematischen Fokus-)Episode mit der Aufnahme am 13. Juni 2020! Leider ohne den Podcast-Arzt Pascal Nohl-Deryk (ganz liebe Grüße an dieser Stelle), dafür zur Verstärkung mit Claudia Czernik.”

Herzlichen Dank an Philip Schunke und Claudia Czernik

Corona ist ein Brennglas der Versorgungsdefizite

[…]”Man hat ganz klar gesehen, die eigentlichen Probleme, die in der Verortung der Therapeutinnen und Therapeuten im System immernoch bestehen, dass die sich unter dem Einfluß von Corona besonders herausbilden. D.h. die Frage nach Verteilung von Schutzmaterial, wie ist der Fokus auf die finanzielle Situation in den Praxen und müssen wir eingreifen um Versorgungsstrukturen zu schützen für die Zeit nach Corona”[…]

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Heilmittel – Die Stunde der Selbstverwaltung

Heilmittel – Die Stunde der Selbstverwaltung

Heilmittel – die Stunde der Selbstverwaltung

Nachdem Bundesgesundheitsminister Spahn in seinem „Facebook-Live“-Auftritt den Hoffnungen der Therapeutinnen und Therapeuten auf einen zweiten Rettungsschirm vorerst eine Absage erteilte, schlägt jetzt die Stunde der Selbstverwaltung.

Ein Kommentar von Volker Brünger

Die Krankenkassen, die die Versorgung ihrer Versicherten mit Heilmittelleistungen sicherstellen müssen, kennen die Probleme der Therapeutinnen und Therapeuten. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass aufgrund der Abrechnungsmodalitäten das größte Liquiditätsproblem in den Praxen noch bevorsteht und sie stehen im direkten Kontakt mit ihren Verhandlungspartnern auf Seiten der Heilmittelerbringer.

Es dürfte auch kein Geheimnis sein, dass Therapie aktuell durch Einhaltung der Hygienestandards und des Angebotes von Videotherapie organisatorisch deutlich aufwändiger und teurer ist, als dies in den Rahmenverträgen abgebildet wird.

Die Krankenkassen wissen um die Bedeutung der Heilmittelversorgung aktuell bei der Versorgung von Intensivpatienten und später bei der Rehabilitation von Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind. Sie wissen wie wichtig es ist, die Versorgungsstrukturen zu schützen, damit Patienten auch nach der Krisenzeit behandelt werden können.
Es wäre jetzt ein starkes Signal für eine Selbstverwaltung, die auch in Krisenzeiten handlungsfähig ist, wenn Krankenkassen proaktiv ihre Partner unterstützen und dadurch die Bereitstellung von Versorgungsstrukturen sichern.

Dazu braucht es nicht die Politik oder den guten Willen eines Ministers.

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