Aktuelle Situation von Selbstständigen und Beschäftigte in der Heilmittelversorgung

Aktuelle Situation von Selbstständigen und Beschäftigte in der Heilmittelversorgung

Zusammenfassung der Befragung für Selbständige

Falschmeldungen verunsichern Patienten

Hauptausfallgrund war auch in der dritten Woche die vorsorgliche Terminabsage durch Patienten ohne das eine tatsächliche Erkrankung vorlag. Dazu beigetragen haben sicherlich unglücklich formulierte Meldungen aus den Landesbehörden speziell in Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, die die Patienten verunsichert haben. Aber auch die TherapeutInnen haben im Sinne des Patientenschutzes in Absprache mit ihren PatientInnen Behandlungstermine abgesagt. Dies war in 77% der Praxen der Fall und somit der zweit häufigste Ausfallgrund. Mit inzwischen 44% (in den Vorwochen 11% und 30%) gehören fehlende Verordnungen durch Schließung oder Überlastung von Arztpraxen zu den häufigsten Ausfallgründen. Weiterhin zu den drei häufigsten Ausfallgründen gehören Absagen von Pflegeeinrichtungen mit 56%.

  • Vorsorgliche Terminabsage durch Patienten 94% 94%
  • Absagen im Sinne des Patientenschutzes 77% 77%
  • Absage durch Pflegeeinrichtungen 56% 56%
  • Fehlende Verordnung durch Praxisschließung oder Überlastung von Arztpraxen 44% 44%

Auslastungsgrad auf 34% gesunken

Verbessert hat sich die Situation bei der Information über Schutzmaßnahmen. Hier verfügten nur noch 4% (Vorwoche 8%) der Praxen über keine Informationen, aber immer noch 51% der Selbständigen geben an, dass Schutzausrüstung fehlt. Im Mittel ist der Auslastungsgrad in den Betrieben weiter gesunken. Nach zuletzt 46% Auslastung in der Vorwoche liegt der Wert aktuell nur noch bei 34%. 45% der Praxen wollen die Versorgung aufrechterhalten, werden jedoch beim Eigen- und Patientenschutz vor große Herausforderungen gestellt. Dabei gelingt die Zusammenarbeit mit den regionalen Gesundheitsbehörden in 32% der Fälle nur mangelhaft.

  • Keine Information über Schutzmaßnahmen (Vorwoche 8%) 4% 4%
  • Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden „mangelhaft“ 32% 32%
  • Auslastungsgrad in Betrieben 34% 34%
  • Probleme bei der Sicherstellung der Versorgung 45% 45%
  • Schutzausrüstung fehlt 51% 51%

Bisherige Hilfsmaßnahmen reichen nicht aus

Mit 54% sieht die Mehrheit der Befragten die aktuellen Hilfsmaßnahmen als nicht ausreichend an und hofft auf einen weiteren Rettungsschirm auf Bundesebene. Als Gründe dafür lassen sich die massiven Umsatzausfälle und fehlende Rücklagen anführen, die bei rückzahlbaren Hilfen zu Rentabilitätsproblemen führen würden, erst Recht dann, wenn als Voraussetzung für Hilfsleistungen ein Aufbrauchen aller liquiden Mittel angenommen wird. Denn aufgrund der Abrechnungsmodalitäten wird sich das akute Liquiditätsproblem in vielen Fällen erst in etwa vier Wochen zeigen. Die Befragten weisen vielfach darauf hin, dass aus diesem Grund aktuell noch keine Insolvenz droht, diese dann aber in kurzer Zeit wahrscheinlich wird. So schätzen auch 89% der Befragten ihr finanzielles Risiko hoch oder sehr hoch ein. Die Quote der Praxen, die aktuell von Insolvenz bedroht sind, liegt in dieser Woche bei 12%.

Als positives Beispiel wird vereinzelt von den Befragten auf die Möglichkeit hingewiesen, jetzt Videotherapien anbieten zu können.

  • Anzahl der aktuell von Insolvenz bedrohten Praxen 12% 12%
  • Hilfsmaßnahmen nicht ausreichend 54% 54%
  • Finanzielles Risiko hoch oder sehr hoch 89% 89%
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Kommentare zu den aktuellen Hilfsmaßnahmen

Von der Möglichkeit einen Kommentar in Bezug auf die Hilfsmaßnahmen geben zu können machten 592 der Befragten Gebrauch. Sehr viele beschreiben die Notwendigkeit von nicht rückzahlbaren Zuschüssen, denn selbst zinsfreie Darlehen würden durch die massiven Umsatzausfälle aus dem anfänglichen Liquiditätsproblem ein Rentabilitätsproblem in der Zukunft nach sich ziehen. Bei einer Branche, die bisher wenig Möglichkeiten hatte Rücklagen zu bilden, scheint dieses Argument nachvollziehbar. Ebenso wird sehr häufig davon berichtet, dass für den Bezug von Hilfen erst Rücklagen und Barvermögen aufgebraucht werden müssen. Auch der Umstand, dass durch die Abrechnungssystematik der eigentliche Liquiditätsengpass erst im April oder Mai eintreten wird, wird häufig erwähnt und mit der Frage verknüpft, ob es dann auch noch Hilfen geben wird.

Antwortbeispiele:

„Praxis wird wahrscheinlich geschlossen, aufgrund weiterer Notwendigkeit eines Kredits, vier Wochen ist noch grade tragbar, darüber hinaus leider nicht mehr.“

„Da wir noch die Rezepte von Januar bis März abrechnen, deren Arbeit bereits getan ist, kommen wir erst im April zu dem akuten Liquiditätsproblem, haben jedoch jetzt bereits einen enormen Verlust zu tragen. Es muss eine Soforthilfe (und nicht nur einen Kredit) geben die Arbeitgeber von über 10 Mitarbeiter auch im April und Mai fördert, denn dann zeigt sich die Auswirkung der letzten Wochen und wir können unsere Arbeitnehmer und unsere Miete nicht mehr bezahlen.“

„Die entstandenen Ausfälle können nicht mehr kompensiert werden, der Behandlungszeitraum wird nur in die Länge gezogen. Das Hilfspaket II ist auf den Weg gebracht, aber die Umsetzung ist sehr langwierig, da Computer überlastet sind und es eine lange Wartezeit gibt, aber die Kosten jetzt anlaufen.“

„Ich kann nicht nachvollziehen, dass ich meine privaten Rücklagen verbrauchen muss, bevor mir geholfen wird. Ich habe immer sehr sparsam gelebt und nun soll alles dabei drauf gehen? Was mache ich ohne Rücklagen?“

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Allgemeine Kommentare der Befragten

In den weiteren Kommentaren wird sehr häufig erwähnt, dass man jetzt aktuell noch nicht von Insolvenz bedroht sei, dies aber in kurzer Zeit anders zu bewerten wäre. Als positives Beispiel wird vereinzelt auf die Möglichkeit hingewiesen, jetzt Videotherapien anbieten zu können. Nach wie vor ist das Fehlen von notwendiger Schutzausrüstung ein großes Thema. Zusätzlich haben in dieser Woche widersprüchliche Aussagen über den Weiterbetrieb von Heilmittelpraxen Patienten verunsichert und zu ungeplanten Therapieabsagen geführt.

Hier einige Beispiele:

„Aktuell noch nicht von Insolvenz bedroht bezieht sich auf heute, aber nicht auf morgen. Denn wir sind in naher Zukunft von Insolvenz bedroht.“
„Klare Vorgaben und Ausstattung mit Schutzausrüstung wären von Vorteil.“

„Ich bin noch nicht von der Insolvenz betroffen, weil ich gut gewirtschaftet habe und gerade keine neuen Anschaffungen getätigt habe. Mein sparsames Leben hilft mir jetzt 1-2 Monate und muss mein Personal entlassen da meine Kosten wie Miete und Abzahlung der Kredite weiter laufen. Da ich Selbstständig bin kann ich weder in Kurzarbeit noch in die Arbeitslosigkeit, sondern mach allein weiter. Schade bei solch einem tollen Team.“

„Zur Zeit habe ich noch geringe Rücklagen in meinem Privatvermögen, die für den kommenden Monat die Praxis noch halten können. Danach muss ich die Praxis wohl schließen!“

„Die Verhandlungen bezüglich Vergütungserhöhung jetzt auszusetzen ist ein Schlag ins Gesicht. Um wirklich zu helfen, sollte man diese jetzt vorziehen, damit der Ausfall ein klein wenig abgefedert wird.“

„Die teilweise unvollständige und unspezifische Verbalisierung der möglichen Arbeit von Heilmittelerbringern führt zu einer immensen wirtschaftlichen und existenziellen Krise für selbstständige Praxisinhaber. Die Pflegeeinrichtung, Intensivpflegeeinrichtungen und Kliniken müssen dringen angehalten werden mit den speziell ausgebildeten Therapeuten zusammen zu arbeiten und/oder sich ihre Unterstützung jetzt einzuholen, um Engpässe entgegenzuwirken.“

„Uns wurde vom Gesundheitsamt die Arbeit untersagt; Ausnahme z.B. Akutpatient nach Schlaganfall, der altersbedingt keiner Risikogruppe angehört; Seit Pressekonferenz von Ministerpräsident Söder haben alle verbliebenen Patienten abgesagt. Teletherapie nur bei sehr wenig Patienten möglich und war bisher noch nicht umsetzbar.“

Zusammenfassung der Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung

Kurzarbeit bei 50% der Beschäftigten im Heilmittelbereich


90% der UmfrageteilnehmerInnen sind in einer Praxis in der ambulanten Heilmittelversorgung beschäftigt. Die Mehrheit bilden mit 62% Vollzeit-Beschäftigte. 23% der Befragten übt ihre Tätigkeit in Teilzeit aus. Etwa 13% der Angestellten sind mehrfachbeschäftigt.

Kündigungen hat es bisher nur vereinzelt gegeben, die Hälfte der Befragten befindet sich aktuell schon in Kurzarbeit. Aus dieser Situation entstehen große finanzielle Sorgen, denn in einem ohnehin schlecht bezahlten Niedriglohnsektor stellt Kurzarbeit eine hohe finanzielle Belastung dar. Aus den Kommentaren der Befragten ist zu entnehmen, dass sich manche Arbeitgeber dieser Probleme annehmen und beispielsweise versuchen das Kurzarbeitergeld aufzustocken. Es gibt aber auch Negativbeispiele in denen Arbeitgeber die Beschäftigten in unbezahlten Urlaub schicken.

  • Angestellt in ambulanter Praxis 90% 90%
  • In Kurzarbeit 50% 50%
  • Vollzeitbeschäftigte 62% 62%
  • Teilzeitbeschäftig 23% 23%
  • Mehrfachbeschäftigt 13% 13%

Einbußen beim Nettoeinkommen von 38% bei den Beschäftigten


In Bezug auf ihr monatliches Bruttoeinkommen geben die Befragten unterschiedliche Einbußen an. Die Antworten reichen von unter 10% Einbußen bis zu über 80% geringeres Einkommen. Im Mittel liegt der Wert bei aktuell 38% Einkommens-Einbußen. Dabei schätzen 74% der Umfrageteilnehmer ihr persönliches Risiko hoch oder sehr hoch ein.

Große Verunsicherung herrscht bei den Umfrageteilnehmern in Bezug auf notwendige Schutzmaßnahmen während der Behandlung. Bei der Frage nach Eigen- und Patientenschutz machen sich 9% der Befragten keine Sorgen, weil sie ausreichend Material zur Verfügung haben. 43% der Befragten äußern große Sorgen, weil nicht ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung steht. In den Kommentaren werden konkrete Ängste benannt, die sich um die Eigengefährdung und um die Gefährdung von Patienten und der eigenen Familie drehen. Vereinzelt wird bereits von Kollegen berichtet, die selbst erkrankt sind und teilweise einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen.

  • Einschätzung persönliches Risiko hoch bis sehr hoch 74% 74%
  • Große Sorgen wegen Mangel an Schutzmaterial 43% 43%
  • Keine Sorgen über Eigen- und Patientenschutz 9% 9%
  • Geschätzte Einkommens-Einbußen im Mittel 38% 38%
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Allgemeine Kommentare der Beschäftigten

Von der Möglichkeit eigene Anmerkungen zu machen, machten 337 der Befragten Gebrauch. Sie beschreiben vielfach ähnliche Probleme. Diese beginnen bei Schwierigkeiten der Kinderbetreuung und enden bei ganz konkreten Ängsten, weil KollegInnen selbst mit schwerem Verlauf erkrankt sind und intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Viele der Befragten äußern große Sorge im Umgang mit Schutzmaßnahmen und berichten von der Angst sich selbst, die Patienten oder die eigene Familie zu infizieren. Die eigene finanzielle Situation belastet ebenfalls. In einem Niedriglohnsektor zusätzlich von Kurzarbeit betroffen zu sein, ist insbesondere für junge Familien und Alleinerziehende ein existenzielles Problem. Arbeitgeber scheinen dieses Problem unterschiedlich anzugehen. Einige der Befragten berichten von unbezahltem Urlaub, andere werden von ihren ArbeitgeberInnen z.B. durch Aufstockungen beim Kurzarbeitergeld unterstützt. Unverständnis wird über fehlende Handlungsempfehlungen oder widersprüchliche Aussagen von Behörden geäußert.

„Wir haben geschlossen da 2 Mitarbeiter an Corona erkrankt sind einer liegt auf Intensivstation! Tests stehen aber noch aus … zu langsam?!“

„Bisher lebte die Physiotherapie von gut verdienenden Partnern. Das fällt jetzt aus. Ich denke diese Krise kann der Dolchstoß sein.“

„Unsere Hygiene Fachkraft hat sogar verboten mit Mundschutz oder der gleichen zur Beratung zu gehen. Um die Patienten nicht zu verunsichern.“

„Ich bin tierisch wütend, dass die Ministerien sich untereinander nicht absprechen und unterschiedliche Informationen rausgeben. Das Gesundheitsministerium sagt wir seien systemrelevant und sollen arbeiten. Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, die sich mit der Notbetreuung von Kindern beschäftigen, haben schriftlich die Information rausgegeben, dass wir zu den Schlüsselberufen gehören und unseren Kindern Notbetreuung zusteht. Bei Nachfrage – unser Kreis Jugendamt verweigert uns nämlich die Notbetreuung – meinte dieses Ministerium, dass sie das so allgemein für alle Heilmittelerbringer leider gar nicht meinen, sondern nur für jene, die mit Akutpatienten im Krankenhaus arbeiten. Leider fehlt das auf dem Informationschreiben. Wie kann das sein? Ich soll laut Gesundheitsamt und -ministerium weiter meine Patienten versorgen, aber ich habe keine Betreuung für meine Kinder (1 und 2) – wie soll das weitergehen? Ich bin am verzweifeln. Meine finanziellen Einbußen werden höher wenn mir nicht langsam Notbetreuung garantiert wird.“

„Musste unbezahlten Urlaub nehmen vorrübergehend. D. h. Null Einkommen.“

„Keine Schutzausrüstung und kein Plan für weiteres Vorgehen. Bin unbezahlt im Urlaub bis die Kindergärten wieder aufmachen ob mir gekündigt wird ist fraglich ziemlich ungewisse Situation ist sehr deprimierend.“

„Es fehlen klare Aussagen. Ärzte sind nicht ausreichend informiert, wollen keine Rezepte ausstellen. Dabei sollen wir doch arbeiten, sind „

systemrelevant“.

In dem kürzlich beschlossenen Rettungsschirm wurden wir nicht bedacht…Meine Kollegen und ich fühlen uns im Stich gelassen, nicht ernst genommen. Aber wir Physios kennen das ja schon…“
„In ein paar Wochen gehen uns die Schutzmaterialien aus… Es kommen nicht mehr viele Patienten… Bei den die kommen hat man immer ein schlechten Beigeschmack, wie soll man damit umgehen wenn man nur übertrage ist, jemanden infiziert und die Person daran verstirbt… warum gibt es nicht längst einen Notfallplan und eine Finanzielle Unterstützung für Therapeuten. Alle Berufsgruppen werden geschützt und unterstützt und wir die ja sooo wichtig für das Gesundheitssystem sind um die kümmert sich niemand…“

„Meine Chefs zahlen uns unberechtigt weniger Geld aus, obwohl ich volle Arbeitszeit geleistet und therapiert habe. Zum Thema Mundschutz gibt es bei uns keine Arbeitsanweisung. 25 Risikopatienten sollen aus Wirtschaftlichkeit trotzdem behandelt werden. Ich habe keine Sorge davor den Virus zu bekommen, da ich jung und gesund bin. Allerdings habe ich Sorge Überträger zu sein und dann verantwortlich zu sein wenn ein Patient wegen mir schwer erkrankt oder stirbt.“

„Das Verhältnis von der Notwendigkeit eine Therapie durchführen zu sollen/müssen zu der Gefahr sich oder auch andere zu infizieren, müsste viel deutlicher abgewogen werden. Jedoch wird, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, dieses Verhältnis im Alltag überhaupt nicht abgewogen. Man ist aus wirtschaftlicher Sicht um jeden Patienten der kommt dankbar. Aus ethischer Sicht sollte man die Praxen nur als Notfallbetrieb (wirklich nur Akutpatienten behandeln) laufen lassen. Jetzt wo wir angeblich so systemrelevant sind, fehlt jegliche finanzielle und unterstützende Hilfe. Es bleibt das Gefühl, dass unsere Branchen komplett vergessen wird und es passt nichts zusammen!“

„Allen wird gesagt Kontakte zu vermeiden, jedoch sollen wir weiter normal arbeiten als Physiotherapeuten. Die Patienten sind verunsichert und sagen ihre Termine ab. Das passt nicht zusammen. Weiter werden wir bis jetzt nicht mit finanziellen Mitteln unterstützt und immer nur hingehalten.“

„Unsere Chefin versucht uns Alle ohne persönliche Einbußen zu retten. Ich weiß nicht ob sie es am Ende übersteht.“

Fazit:

Auch in der dritten Woche bleibt als Fazit nur die Aussage, dass TherapeutInnen weiterhin mit finanziellen Belastungen und organisatorischen Fragen allein gelassen werden. Zwar scheinen die bisher aufgelegten Hilfsmittel die finanzielle Situation etwas zu entlasten, doch die Wirkung ist in den einzelnen Bundesländern uneinheitlich.
Die Selbständigen konnten sich scheinbar mehr über Schutzmaßnahmen informieren und etwas besser ausstatten, doch in der überwiegenden Zahl bleiben Eigen- und Patientenschutz eine große Herausforderung.
Die finanzielle Situation der Praxen bleibt bedrohlich. Durch die Abrechnungsmodalitäten könnte sich das Liquiditätsproblem mit Verzögerung zeigen. Wenn jetzt eigene Rücklagen aufgebraucht werden müssen, um Landeshilfen beantragen zu können, so kommen diese Hilfen für viele Praxen evtl. zu spät. Auch die mittlere Auslastungsquote von 34% zeigt den deutlichen Umsatzausfall in den Betrieben. Aufgrund fehlender Rücklagen besteht die Gefahr, dass in der Branche ein nachhaltiges Rentabilitätsproblem entsteht, zumal die Entwicklung der Nachfrage nach therapeutischen Leistungen aufgrund der Abhängigkeit von ärztlichen Verordnungen derzeit nicht abzuschätzen ist.
Speziell die Mitarbeiter leiden unter konkreten Einkommensverlusten und leider auch vielfach unter ungenügender Ausstattung mit Schutzmaterialien oder unzureichender Prozesse im Bereich des Hygienemanagements.
Durch unterschiedliche und teilweise falsche Aussagen von Landesbehörden wurden zusätzlich Patienten verunsichert und so kam es speziell in Bayern, Niedersachsen. Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen zu ungeplanten Terminabsagen. In der Folge bleiben viele Patienten ohne Behandlung.

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Auswirkungen von Sars-CoV-2 auf die Heilmittelversorgung – Analyse 16.03.-21.03.2020

Auswirkungen von Sars-CoV-2 auf die Heilmittelversorgung – Analyse 16.03.-21.03.2020

Auswirkungen des Corona-Virus auf die Heilmittelversorgung

Online Kurzbefragung für selbständige Heilmittelerbringer für den Zeitraum vom 16.-20.03.2020 (Woche 2)

 

In Anlehnung an die in der Vorwoche durchgeführte Online-Befragung wurden die teilnehmenden Heilmittelerbringer gebeten Angaben zu Ausfallgründen und zu Themen wie Auslastung, wirtschaftlichem Risiko und Erfahrungen mit Gesundheitsbehörden zu machen. Aufgrund der vielen persönlichen Rückmeldungen wurde in dieser Woche zusätzlich die Möglichkeit einer Kommentarfunktion eingeführt von der 358 Befragte Gebrauch machten. Insgesamt lag die Teilnehmerzahl mit 1791 weit über der Zahl der Umfrageteilnehmer der Vorwoche mit 710 Teilnehmern. Die größten Gruppen stellten die Physiotherapie mit 53% und die Ergotherapie mit 28% der TeilnehmerInnen.

Bei der Frage nach der Betriebsgröße stellten Kleinunternehmen mit 4 bis 10 MitarbeiterInnen mit knapp 40% die größte Gruppe dar. (Abb.1)

(Abb.1 Verteilung nach Betriebsgrößen)

Fehlende Kinderbetreuung als zusätzlicher Ausfallgrund

Befragt nach den häufigsten Ausfallgründen gaben die Teilnehmer als Hauptgrund mit 95% (Vorwoche 77%) die vorsorgliche Terminabsage durch Patienten an, obwohl keine Erkrankung akut vorlag. Aber die TherapeutInnen übernahmen auch vorsorglich Verantwortung und sagten von sich aus in Absprache mit den Patienten und Patientinnen in 74% (Vorwoche 52%) ab. Auch Absagen durch generelle Besuchsverbote oder Absagen von Einzelterminen in Pflegeeinrichtungen waren wieder mit knapp 59% (Vorwoche 52%) der dritthäufigste Ausfallgrund. Von 11% auf knapp 30% sind die Ausfälle aufgrund der Überlastung der ärztlichen Praxen angestiegen. Neu hinzugekommen sind Terminausfälle wegen fehlender Kinderbetreuung bei TherapeutInnen. Dieses Problem betraf mit knapp 20% jeden fünften Betrieb. Deutlich häufiger trat mit 27% (Vorwoche 12%) auch der Fall ein, dass Patienten sich in Quarantäne befanden (Abb.2).

(Abb.2 Ausfallgründe)

(Abb.3 Umsetzungsstand von Schutzmaßnahmen)

Es fehlt an Schutzmaßnahmen

Bei der Frage nach dem Umsetzungsstand der Schutzmaßnahmen gaben 8% der Betriebe an über keine Informationen zu verfügen. 19% wussten nicht, welche Maßnahmen konkret einzuhalten sind und orientierten sich an den bisherigen Hygieneplänen. Mit 56% gab die Mehrheit der Betriebe an, dass sie zwar über aktuell notwendige Schutzmaßnahmen informiert seien, es aber an Material fehle. Nur 15% haben aktuell ausreichend Material und können Schutzmaßnahmen einhalten (Abb.3).

Auslastungsquote im Mittel bei 46%

Der Auslastungsgrad wurde erwartungsgemäß sehr unterschiedlich beziffert. Mit knapp 18% war eine Auslastung von 41% bis 50% am häufigsten. 113 Praxen bezifferten den Auslastungsgrad noch mit über 80%, während mit 117 Betrieben knapp 7% eine Auslastung von unter 10% angaben. Im arithmetrischen Mittel lag die Auslastungsquote bei ca. 46%. (Abb.4).

(Abb.4 Auslastungsgrad)

(Abb.5 Praxisschließungen)

Mehrheit versucht die Versorgung aufrecht zu erhalten

Viel diskutiert wurde in der letzten Woche das Thema Praxisschließungen. 6% der Betriebe haben bereits vorsorglich geschlossen. 12% erwägen einer Schließung aufgrund fehlender Schutzausrüstung. 26% zeigen sich verunsichert und wünschen sich konkrete Empfehlungen oder Handlungsanweisungen. Mit 41% wollen die Mehrheit der Inhaber die Versorgung weiter aufrechterhalten, wobei sie der Schutz von Behandlern und Patienten vor eine grosse Herausforderung stellt. Nur 6% der Befragten geben an, dass sie den Betrieb weiterhin geöffnet halten können und dabei den Schutz von Patienten und Behandlern sicherstellen können (Abb.5)

Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden „mangelhaft“

Gerade in Fragen von Patienten- und Eigenschutz suchen TherapeutInnen vermehrt Kontakt zu den Gesundheitsämtern. Die Bewertung der Kontakte fällt dabei wenig positiv aus. Mit 31% bewertet die Mehrheit der Befragten den Kontakt mit „mangelhaft“. 28% sahen bisher keinen Grund für eine Kontaktaufnahme. Bei 14% ist eine Kontaktaufnahme bisher nicht gelungen (Abb.6)

(Abb.6 Kontakt mit Gesundheitsämtern)

Finanzielles Risiko

Den Blick auf die finanziellen Belastungen sehen die meisten Befragten sehr kritisch. Insgesamt 94% schätze das finanzielle Risiko hoch oder sehr hoch für ihre Betriebe ein (Abb.7)

Insolvenz

Dabei sehen sich schon jetzt 18% der Befragten von Insolvenz bedroht. 59% sehen das derzeit noch nicht so und 22 % können dazu keine Angaben machen. (Abb. 8)

Umfrageteilnehmer beschreiben ihre Sorgen

In den Kommentaren spiegelt sich teilweise die Verzweiflung der Befragten wider. Vielfach wird auf die schwierige finanzielle Situation hingewiesen und es wird ein schnelles Handeln seitens der Politik gefordert. Man fühlt sich allein gelassen. Viele der Befragten äußern große Sorge darüber, dass sie aktuell noch nicht von Insolvenz bedroht sind, dies sich jedoch in wenigen Wochen ändern könne. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die Forderung nach echten Zuschüssen und Hilfen. Kredite würden aufgrund der nach wie vor fehlenden Rücklagen das Ausfallproblem nur auf die Zukunft verschieben. Es überwiegt auch die Frage nach dem Eigenschutz und dem Schutz der Patienten. Hier fordern die Befragten Hilfestellung auch bei der Beschaffung von Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln. Es wird darauf hingewiesen, dass klare Regelungen für die Aufrechterhaltung der Versorgung fehlen, diese werden eingefordert. Als zusätzliche Belastung werden uneinheitliche Informationen und teilweise unterschiedliche Meldung über mögliche Schließungen seitens der Landes- und Gesundheitsbehörden beschrieben.

 

Hier einige Beispiele:

„Die erhöhte Ansteckungsgefahr (Nahkontakt/fehlende Schutzausrüstung) und Möglichkeit durch meine Arbeit nicht Leben zu verbessern, sondern vielleicht sogar an der Verbreitung des Covid 19 Erregers beteiligt zu sein und somit Leben zu gefährden bereitet mir und meinen Mitarbeiterinnen große Sorgen und emotionalen Druck. Wir sind an der Belastungsgrenze!“

„Nächste Woche habe ich 10% Auslastung und 100% Kosten.“

„In Bayern haben wir für die Folgewoche aufgrund der Fernsehansage von Söder, dass die Praxen geschlossen werden, absolutes Chaos. Bis zu diesem Moment war unsere Folgewoche super organisiert und wir waren gut im Kontakt mit unseren Klienten. Von Regierungsseite, Verband und Buchner wurde diese Aussage noch nicht bestätigt. Klienten sagen ohne Unterlass für die Folgewoche ab, da die Panik jetzt so richtig angefacht wurde. Auch Klienten, die keinerlei Risiko haben, wenn sie zur Behandlung erscheinen aufgrund der gut umgesetzten Hygienemaßnahmen. Daraufhin habe ich meinen Betrieb für die nächsten 2 Wochen in Betriebsurlaub geschickt, um Zeit zu gewinnen. Eine Mitarbeiterin arbeitet noch in der Telemedizinischen Versorgung. Das Sekretariat ist noch besetzt. Ich überschlage mich vor Arbeit. Ich frage mich, ob die Politik und die Medien das dementieren, wenn es nicht stimmt und wie die Entschädigung dafür aussehen soll, die durch diese Aussage entstanden ist.“

„Schließung aus ethischen und moralischen Gründen! Das bin ich meinen Patienten und der Gesellschaft schuldig! Keine Versorgung mit Schutzmaterial, keine Vorschrift vom Verband! Und Kollegen behandeln munter weiter! Wie kann sowas sein?“

„Es fehlt absolut an einheitlichen Informationen“

„Ich fühle mich hin- und hergerissen. Einerseits würde uns eine Praxisschließung schützen, andererseits stehen wir für die meisten Patienten, und das sind bei mir Schmerzpatienten, unseren Mann bzw. Frau. Erfüllen also unseren Auftrag.“

„Ich möchte, dass Ärzte und Patienten durch die offiziellen Entscheidungsträger informiert werden, dass die therapeutischen Einrichtungen geöffnet sind – zum Wohlergehen der Betroffenen. Der Grund für die ärztlich verordnete Therapie ist nicht durch Corona verschwunden. Das Risiko ist auch für die Therapeuten hoch, sich zu infizieren, dennoch sind wir bereit, weiterhin helfend zu wirken. Niemand geht freiwillig und aus reinem Profitgedanken ein gesundheitliches Risiko ein. Daher ist davon auszugehen, dass die Patienten, die einbestellt werden, einen unbedingten Therapiebedarf haben.“

„Wir haben Sorge für uns und unsere Patienten zu tragen. Das ist zur Zeit nicht sichergestellt“

„Ansteckung Risiko in Kombination mit fehlender Schutzausrüstung macht ein sicheres behandeln unmöglich aber eine Schließung ohne finanzielle Unterstützung führt zwangsläufig zu einer Insolvenz im nächsten Quartal“

„Diese Krise zeigt erneut die Schwachpunkte im Bereich der Heilmittelversorgung sehr deutlich auf. Der Gedanke zum Berufsausstieg wird wie seit Jahren weiter genährt. Ich weiß auch nicht wie man Eltern erklären soll dass ihre Kinder zwar nicht in die Kita / Schule dürfen, aber bitte weiter zur Therapie gehen sollen! Das Risiko dem ich die Patienten & mich aussetze durch Betriebsoffenhaltung kann ich nur wegen der enormen Existenzangst unter erhöhten fraglichen Hygienemaßnahmen tolerieren. Kein gutes Gefühl.“

Fazit:

TherapeutInnen dürfen mit finanziellen Belastungen und organisatorischen Fragen nicht allein gelassen werden. Das war das Fazit der letzten Woche, an dem sich im Prinzip nichts geändert hat. In der Krise fehlt es an klaren Handlungsanweisungen. Es gibt zu viele falsche oder uneinheitliche Information. Es fehlt an ausreichendem Schutzmaterial und die Angst vor finanziellen Schäden ist nach wie vor groß bei den TherapeutInnen. Die Kommunikation mit den Gesundheitsbehörden gelingt nur schlecht.

Das Fazit für diese Woche lautet demnach: TherapeutInnen wurden mit finanziellen Belastungen und organisatorischen Fragen bisher allein gelassen.

Unter den gegebenen Umständen ist die Versorgung der PatienInnen  aktuell und in der Zukunft hochgradig gefährdet.

A

Download der Umfrageergebnisse als Pdf

%

Auslastungsquote im Mittel

%

Vorsorgliche Absage von Patienten von Patienten (Vorwoche 77%)

%

Schätzen das wirtschaftliche Risiko hoch bis sehr hoch ein

%

Können die Versorgung unter Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen sicherstellen

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Notversorgung oder Praxisschließung?

Notversorgung oder Praxisschließung?

Notversorgung oder Praxisschließung – das aktuelle Dilemma in der Heilmittelversorgung

Nach wie vor herrscht große Unsicherheit unter den Therapiepraxen in Deutschland. Wir versuchen die aktuelle Situation nochmals zu beschreiben.

Unsicherheit bleibt bestehen

In den letzten Jahren haben die Gesundheitsberufe immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und ihre Bedeutung für die Gesundheitsversorgung hervorgehoben. Dieser Aspekt darf bei der aktuellen Debatte um Praxisschließungen nicht vergessen werden. Völlig zu Recht haben die Therapieberufe auf ihre Bedeutung für die Patientenversorgung hingewiesen, daran hat sich auch unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie nichts geändert.

Nach wie vor gibt es Patienten, die dringend eine Therapie benötigen und es wäre ein fatales Zeichen, wenn diese Patienten sich in der aktuellen Situation Hilfe in Krankenhäusern suchen müssten, weil die ambulante Versorgung wegbricht. Viele Praxen stehen also vor dem Problem, wie sie die Versorgung zumindest in diesen dringenden Fällen aufrechterhalten können. Die Problemstellungen sind dabei so vielfältig wie individuell. Teilweise sind die erforderlichen Schutzmaßnahmen nicht bekannt, die Behandler im Umgang damit nicht geschult, Materialien nicht lieferbar oder alles gleichzeitig trifft zu.

Hinzu kommen Probleme mit der Betreuung der eigenen Kinder, oder sogar eigene Vorerkrankungen, die die TherapeutInnen selbst zu einer Risikogruppe zugehörig macht. Finanzielle Unwägbarkeiten, eine Fülle von teils konträren Informationslagen und sogar von offizieller Seite verwirrende Informationen runden das Gesamtpaket ab. So hatte der Kreis-Nordfriesland am 17.3. zunächst eine Schließung von Physiotherapiepraxen verkündet und musste diese Einordnung dann selbst wieder zurücknehmen, weil man einen entsprechenden Erlass der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung falsch interpretiert hatte. Zudem werden Onlinepetitionen zur Schließung von Praxen durchgeführt und manche Therapeuten rufen gar zum Generalstreik auf. Insgesamt zeichnet sich hier ein eher verheerendes Gesamtbild ab, das aber auf der anderen Seite auch nicht verwunderlich ist, denn keiner der Beteiligten hat sich zuvor schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden.

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Aktuelle Empfehlung des BED nach Rücksprache mit dem Robert-Koch-Institut

Aktuell hat der Bundesverband für Ergotherapie in Deutschland e.V. (BED) nach Rücksprache mit dem Robert-Koch-Institut eine Empfehlung für eine mögliche Schließung durch Gesundheitsbehörden herausgegeben.

Wir versuchen hier nochmals die Situation einzuordnen:

  • Heilmitteltherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung, der aktuell notwendige Umfang kann jedoch nur individuell bemessen werden.
  • Eine generelle Schließung von Praxen könnte zu einer zusätzlichen Belastung der stationären Versorgung führen.
  • Die notwendige Versorgung muss unter Beachtung besonderer Schutzmaßnahmen erfolgen. Diese Maßnahmen dienen dem Schutz der PatientenInnen, TherapeutInnen und der Gesamtbevölkerung.
  • Wir empfehlen die Übersicht des BED über notwendige Schutzmaßnahmen, die in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut erfolgt sind. Nach Auskunft des BED wird von Seiten des RKI in den nächsten Tagen auch noch eine gesonderte Empfehlung für Therapiepraxen veröffentlicht.
  • Selbständigen und PraxisinhaberInnen muss die Möglichkeit gegeben sein, individuell auf ihre Situation bezogen eine Praxisschließung durch die örtlichen Gesundheitsbehörden erwirken zu können, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, die empfohlenen Schutzmaßnahmen umzusetzen.
  • Wir empfehlen in diesem besonderen Fall die Formulierungshilfe des BED für den schriftlichen Kontakt mit der zuständigen Gesundheitsbehörde.
  • Für die Ermittlung der jeweils zuständigen Behörde empfehlen wir die Suchfunktion des RKI
  • Die Leistungserbringer brauchen schnelle und unbürokratische Hilfen, um die Liquidität aufrechterhalten zu können. Hierzu gibt es bereits mehrere Initiativen, wie z.B. den Vorschlag von Dr. Roy Kühne für einen Rettungsschirm: Rettungsschirm_Therapiepraxen_Kühne_20200316

 

Wir werden an dieser Stelle weiter über aktuelle Entwicklungen berichten und weisen gern schon einmal auf eine aktuelle Umfrage am kommenden Samstag, den 22.03. hin.

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Auswirkungen Sars-CoV-2 auf die Heilmittelversorgung – Ergebnisse 9.-14.03.2020

Auswirkungen Sars-CoV-2 auf die Heilmittelversorgung – Ergebnisse 9.-14.03.2020

Auswirkungen des Corona-Virus auf die Heilmittelversorgung – Online Kurzbefragung für Selbständige Heilmittelerbringer vom 14.-16.03.2020

In der durchgeführten Online-Befragung wurden die teilnehmenden Heilmittelerbringer gebeten Angaben zu Ausfallgründen von Therapieeinheiten und zu der Stundenzahl und des Umsatzausfalls bezogen auf die Woche vom 09. bis 14. März 2020 zu machen. In dieser Woche wurden erstmals von der Politik Empfehlungen zu Einschränkungen des öffentlichen Lebens und auch konkrete Anweisungen, wie z.B. Schulschließungen, gegeben.

Nach Plausibilitätsprüfung konnten die Angaben von 710 Betrieben oder Solo-Selbständigen aus dem Bereich der Heilmittelversorgung ausgewertet werden. Die größten Gruppen stellten die Physiotherapie mit 41% und die Logopädie mit 38% der TeilnehmerInnen.

Bei der Frage nach der Betriebsgröße stellten Kleinunternehmen mit 4 bis 10 MitarbeiterInnen mit knapp 40% die größte Gruppe dar. (Abb.1)

(Abb.1 Verteilung nach Betriebsgrößen)

TherapeutInnen übernehmen Verantwortung trotz finanzieller Unsicherheit

50% der Solo-Selbständigen sind dem Leistungsbereich der Logopädie zu zuordnen, während 81% der Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern aus der Physiotherapie stammen.

Befragt nach den häufigsten Ausfallgründen gaben die Teilnehmer als Hauptgrund mit 77% die vorsorgliche Terminabsage durch Patienten an, obwohl keine Erkrankung akut vorlag. Aber die TherapeutInnen übernahmen auch vorsorglich Verantwortung und sagten von sich aus in Absprache mit den Patienten und Patientinnen in 52% der Fälle die Behandlungstermine ab. Ebenso häufig kam es zu Absagen durch Pflegeeinrichtungen entweder bei einzelnen Terminen oder mit generellen Besuchsverboten. (Abb.2)

(Abb.2 Ausfallgründe)

TherapeutInnen dürfen mit finanziellen Belastungen und organisatorischen Fragen nicht allein gelassen werden

In dem Befragungszeitraum sind in den Betrieben durchschnittlich 55 Arbeitsstunden ausgefallen. Dies entspricht etwa 9 Stunden je Behandler.

Finanziell betrug der Ausfall durchschnittlich 4.640 Euro je Betrieb. Individuell war dieser Wert natürlich bezogen auf die Betriebsgröße sehr unterschiedlich. Bei den Solo-Selbständigen lag der Umsatzausfall bei durchschnittlich 800 Euro, bei bis zu 3 Mitarbeitern waren es 2.300 Euro, Betriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern gaben einen durchschnittlichen Umsatzausfall von knapp 7.000 Euro an, und Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern meldeten einen Umsatzausfall von ca. 11.000 Euro

Die Angaben der Befragten bezogen sich auf die Woche vom 9. bis 14.März 2020. Am 21. März werden wir eine Folgeumfrage durchführen. Es ist zu erwarten, dass die Ausfallzeiten weiter ansteigen.

Fazit:

Die Kurzumfrage zeigt, dass Patienten aus eigener Initiative Termine absagen, aber auch, dass TherapeutInnen trotz finanzieller Unsicherheit Verantwortung für ihre Patientinnen und Patienten übernehmen und gemeinsam mit ihnen über eine Aussetzung der Therapie beraten, insbesondere bei Risikopatienten.

Umso wichtiger ist es, dass die TherapeutInnen mit den finanziellen Belastungen aber auch mit organisatorischen Fragen nicht allein gelassen werden.

Durchschnittlicher Stundenausfall

%

Vorsorgliche Absage von Patienten

Durchschnittlicher Stundenausfall pro Behandler

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Die ärztliche Sicht auf Heilmittelregresse – Ergebnisse einer Online Befragung

Die ärztliche Sicht auf Heilmittelregresse – Ergebnisse einer Online Befragung

Schriftenreihe: Lösungen für eine verbesserte Patientenversorgung

„94% der befragten Ärztinnen und Ärzte fordern eine Abschaffung der Wirtschaftlichkeitsprüfung“

29. JANUAR 2020


TAL gGmbH
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Die Hypothesen, die vor der Befragung aufgestellt wurden, werden insgesamt durch die Ergebnisse bestätigt.

 

  1. Ärzte und Ärztinnen in der ambulanten Versorgung sind allein durch Berichterstattungen für das Thema Heilmittelregresse sensibilisiert und passen ihr Verordnungsverhalten an, unabhängig ob sie selbst schon von einem Regressverfahren betroffen waren oder nicht. Obwohl nur 16% der Befragten bisher Regresszahlungen leisten mussten, sehen sich 93% der Befragten in ihrem Verordnungsverhalten beeinflusst.

2. Ärzte und Ärztinnen entwickeln unterschiedliche Strategien, um ein Mindestmaß an Regresssicherheit zu erlangen. 40% der Befragten verordnen nach Möglichkeit ein günstigeres Heilmittel, 25% stellen zur Minimierung des Regressrisikos keine Heilmittelverordnungen aus und 38% versuchen die Verordnung auf andere Fachbereiche zu verlagern.

HINTERGRUND

Die Versorgung mit Heilmitteln innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung umfasst die Leistungsbereiche Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie und Diätassistenz. Dabei gelten diese Leistungsbereiche als veranlasste Leistungen durch die Ärzteschaft, da ohne Verordnung der Zugang zur Leistung innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung für die Patienten verwehrte bleibt. Unter dem Gesichtspunkt des Wirtschaftlichkeitsgebotes wurden verschiedene Instrumente etabliert, die eine Mengensteuerung im eigentlichen Sinn einer Rationierung ermöglichen sollen. Für die verordnende Ärzteschaft sind die unterschiedlichen Maßnahmen ein Ärgernis und auch nicht immer leicht zu durchschauen. Allein die Begrifflichkeiten wie Richtgrößenprüfung, Durchschnittswerteprüfung, Einzelfallprüfung und Zufälligkeitsprüfungen vermitteln das Gefühl einer wirtschaftlichen Gefahr in Form eines Regresses.

Als grundsätzlicher Handlungsleitfaden gilt die Heilmittelrichtlinie des Gemeinsamens Bundesauschusses (G-BA). Hier werden Indikationen und Leitsymptomatiken spezifiziert und mit Behandlungsmengen und Frequenzen dokumentiert, die per Definition schon eine wirtschaftliche Verordnungsweise unterstellen, wie das Bundessozialgericht in einer Urteilsbegründung 2007 angemerkt hat (Az: B 6 KA 7/06 R). Dennoch lässt sich daraus nicht ableiten, dass eine Verordnung nach Vorgaben der Heilmittelrichtline automatisch einen Schutz vor Regressen bedingt, denn die Richtline definiert nur verbindlich, wie die Versorgung gestaltet werden muss, darüber ob sie überhaupt notwendig ist muss der Arzt entscheiden und ist dafür auch wieder einem Regressrisiko ausgesetzt (Nietz, 2007). […]

Anhand der Daten des GKV- Heilmittelinformationssystems wird deutlich, dass im Zuge des demografischen Wandels der Bedarf an Heilmittelleistung weiterhin zunehmen wird.

Ob es überhaupt ökonomisch sinnvoll ist, einen offensichtlich kleineren Leistungsbereich so streng und aufwändig zu regulieren und mit Mengensteuerungselementen zu versehen, mit dieser Frage hat sich bereits 2009 eine Expertise im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen befasst. Wörtlich ziehen die Autoren das Fazit:

„Zusammenfassend erzeugen die vorliegenden Daten unter den getroffenen Annahmen – besonders bezüglich des Präventionseffekts – sowohl durch die Kosten-Nutzen-Analyse bei allen Fachbereichen zusammen, als auch durch isolierte Betrachtung der Fachbereiche mit Regresszahlungen, das Ergebnis, dass die bestehende Heilmittel-Richtgrößenprüfung in Hessen unter ökonomischen Aspekten nicht vorteilhaft ist. Diese Erkenntnis spricht dafür, die Richtgrößenprüfung für alle Fachbereiche ersatzlos abzuschaffen.“ (Neubauer, Wick, 2009)

Im Jahr 2009 betrug die Gesamtsumme an Regresszahlungen allein in Hessen 2.2 Millionen Euro. Ein Fall erreichte sogar eine existenzbedrohende Höhe von 400.000 Euro. Auch wenn die absolute Zahl an Ärzten, die von Regressforderungen direkt betroffen sind, prozentual nicht sehr hoch ist, so ist die Verunsicherung innerhalb der Ärzteschaft dennoch nicht zu unterschätzen (Jäger, 2012).

Beispiel aus der Auswertung:

Wirtschaflicher Druck führt bei den verordnenden Ärztinnen und Ärzten zu unterschiedlichen Regressvermeidungsstrategien.

Stimmen der Befragten:

Diese Antworten lassen sich grob in die Kategorien persönliche Belastung, Systemfehler und Auswirkungen auf die Patientenversorgung einteilen. Teilweise berühren die Aussagen auch mehrere Kategorien. Im Folgenden sind beispielhaft einige Aussagen aufgeführt:

  • „Die Regressandrohung ist unethisch, menschenverachtend und unerträglich. Die tägliche Arbeit wird extrem erschwert und auf Dauer wird man demotiviert. Man entwickelt ein Vermeidungsverhalten, was sich durch alle Bereiche zieht. In diesem System habe ich Angst, selbst einmal Patient zu sein.“
  • „Die Regeln der Heilmittelverordnung sind so komplex, dass ich sie nach 6 Jahren Niederlassung, mehreren Fortbildungen und Beratungen bei der KV immer noch nicht ganz verstanden habe. Ich versuche die Ausstellung zu vermeiden, wo es geht. Bestimmte Maßnahmen, wie z.B. Manuelle Therapie verordne ich grundsätzlich nicht (auch wenn es med. indiziert sein könnte).“
  • „Ich kann die Patienten nicht so versorgen, wie ich es glaube, aus medizinischen Gründen tun zu müssen. Die Möglichkeit einen Regress zu erhalten, nimmt Einfluss auf jede meiner Verordnungen. Es ist unerträglich. Wir verordnen nichts zu eigenem Nutzen, ausschließlich zur Patiententherapie, trotzdem haften wir mit unserem Privatvermögen. Das ist so, als wenn man einen Feuerwehrmann mit Regress bedroht, wenn er nach Ansicht der Stadtwerke zu viel Wasser verbraucht. Die Krankenkassen geben mehr Gelder für Werbung aus, als für alle Heilmittel insgesamt. Wer überwacht die Kassen?“

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