Notversorgung oder Praxisschließung?

Notversorgung oder Praxisschließung?

Notversorgung oder Praxisschließung – das aktuelle Dilemma in der Heilmittelversorgung

Nach wie vor herrscht große Unsicherheit unter den Therapiepraxen in Deutschland. Wir versuchen die aktuelle Situation nochmals zu beschreiben.

Unsicherheit bleibt bestehen

In den letzten Jahren haben die Gesundheitsberufe immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und ihre Bedeutung für die Gesundheitsversorgung hervorgehoben. Dieser Aspekt darf bei der aktuellen Debatte um Praxisschließungen nicht vergessen werden. Völlig zu Recht haben die Therapieberufe auf ihre Bedeutung für die Patientenversorgung hingewiesen, daran hat sich auch unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie nichts geändert.

Nach wie vor gibt es Patienten, die dringend eine Therapie benötigen und es wäre ein fatales Zeichen, wenn diese Patienten sich in der aktuellen Situation Hilfe in Krankenhäusern suchen müssten, weil die ambulante Versorgung wegbricht. Viele Praxen stehen also vor dem Problem, wie sie die Versorgung zumindest in diesen dringenden Fällen aufrechterhalten können. Die Problemstellungen sind dabei so vielfältig wie individuell. Teilweise sind die erforderlichen Schutzmaßnahmen nicht bekannt, die Behandler im Umgang damit nicht geschult, Materialien nicht lieferbar oder alles gleichzeitig trifft zu.

Hinzu kommen Probleme mit der Betreuung der eigenen Kinder, oder sogar eigene Vorerkrankungen, die die TherapeutInnen selbst zu einer Risikogruppe zugehörig macht. Finanzielle Unwägbarkeiten, eine Fülle von teils konträren Informationslagen und sogar von offizieller Seite verwirrende Informationen runden das Gesamtpaket ab. So hatte der Kreis-Nordfriesland am 17.3. zunächst eine Schließung von Physiotherapiepraxen verkündet und musste diese Einordnung dann selbst wieder zurücknehmen, weil man einen entsprechenden Erlass der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung falsch interpretiert hatte. Zudem werden Onlinepetitionen zur Schließung von Praxen durchgeführt und manche Therapeuten rufen gar zum Generalstreik auf. Insgesamt zeichnet sich hier ein eher verheerendes Gesamtbild ab, das aber auf der anderen Seite auch nicht verwunderlich ist, denn keiner der Beteiligten hat sich zuvor schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden.

s

Aktuelle Empfehlung des BED nach Rücksprache mit dem Robert-Koch-Institut

Aktuell hat der Bundesverband für Ergotherapie in Deutschland e.V. (BED) nach Rücksprache mit dem Robert-Koch-Institut eine Empfehlung für eine mögliche Schließung durch Gesundheitsbehörden herausgegeben.

Wir versuchen hier nochmals die Situation einzuordnen:

  • Heilmitteltherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung, der aktuell notwendige Umfang kann jedoch nur individuell bemessen werden.
  • Eine generelle Schließung von Praxen könnte zu einer zusätzlichen Belastung der stationären Versorgung führen.
  • Die notwendige Versorgung muss unter Beachtung besonderer Schutzmaßnahmen erfolgen. Diese Maßnahmen dienen dem Schutz der PatientenInnen, TherapeutInnen und der Gesamtbevölkerung.
  • Wir empfehlen die Übersicht des BED über notwendige Schutzmaßnahmen, die in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut erfolgt sind. Nach Auskunft des BED wird von Seiten des RKI in den nächsten Tagen auch noch eine gesonderte Empfehlung für Therapiepraxen veröffentlicht.
  • Selbständigen und PraxisinhaberInnen muss die Möglichkeit gegeben sein, individuell auf ihre Situation bezogen eine Praxisschließung durch die örtlichen Gesundheitsbehörden erwirken zu können, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, die empfohlenen Schutzmaßnahmen umzusetzen.
  • Wir empfehlen in diesem besonderen Fall die Formulierungshilfe des BED für den schriftlichen Kontakt mit der zuständigen Gesundheitsbehörde.
  • Für die Ermittlung der jeweils zuständigen Behörde empfehlen wir die Suchfunktion des RKI
  • Die Leistungserbringer brauchen schnelle und unbürokratische Hilfen, um die Liquidität aufrechterhalten zu können. Hierzu gibt es bereits mehrere Initiativen, wie z.B. den Vorschlag von Dr. Roy Kühne für einen Rettungsschirm: Rettungsschirm_Therapiepraxen_Kühne_20200316

 

Wir werden an dieser Stelle weiter über aktuelle Entwicklungen berichten und weisen gern schon einmal auf eine aktuelle Umfrage am kommenden Samstag, den 22.03. hin.

Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Unterstützen sie unsere Arbeit mit einer

Krisenmanagement in der Heilmittelversorgung

Krisenmanagement in der Heilmittelversorgung

s

Krisenmanagement in der Heilmittelversorgung muss jetzt Finanzhilfen und Aussetzung von Prüfpflicht und Retaxierungen beinhalten.

s

Wöchentliche Kurzumfrage zur Situation der Heilmittelversorgung

Wir starten Samstag den 14.03.2020 eine Kurzumfrage die als Serie wöchentlich wiederholt wird. Wir möchten damit die Situation der Patientenversorgung durch Heilmittel darstellen.

Hier geht es zur Umfrage:

Kurzumfrage: Auswirkungen des Sars-CoV-2 auf die Heilmittelversorgung

Durch die aktuelle Situation in Bezug auf COVID – 19 wird auch die Versorgung im Heilmittelbereich vor große Herausforderungen gestellt.
Gerade die Versorgung von Risikopatienten bedarf einer sehr genauen und individuellen Betrachtung. Dies kann von besonderen Schutzmaßnahmen einzelner Räume bis zur Planung von Hausbesuchen mit entsprechenden Vorbereitungen gehen. Gerade bei der Einhaltung von Fristen kann es so zu vielen Problemen kommen, beispielsweise wenn Quarantäne-Vorschriften eingehalten werden müssen.

Aussetzen der Prüfpflicht zur Entlastung der Patientenversorgung

Ein Aussetzen der Prüfpflicht würde hier die Therapiepraxen entlasten und vor allen Dingen unnötige Kontakte speziell in den Arztpraxen vermeiden. Es ist nicht zwingend logisch Schulen zu schließen und zu einem Verzicht auf soziale Kontakte aufzurufen und gleichzeitig ein absehbar größeres Korrekturvolumen für Heilmittelverordnungen zu tolerieren.

Zusätzlich würde eine zumindest zeitliche begrenzte Aussetzung von Retaxierungen, die durch den Verzicht von Prüfungen automatisch notwendig wird, den Therapiepraxen etwas mehr Planungssicherheit in einer ohnehin schwierigen Finanzsituation garantieren.

Gerade im Bereich der Heilmittelversorgung sind die Leistungserbringer in der Vergangenheit kaum in der Lage gewesen, Rücklagen zu bilden und dementsprechend besonders anfällig, wenn durch äußere Umstände plötzlich massiv Umsätze einbrechen. Krankenkassen sollten erkennen, dass in dieser Situation eine Erhöhung der Zahlungsfrist für Heilmittelrechnungen auf 42 Tage eher kontraproduktiv ist.
Durch die zu erwartenden Umsatzeinbußen, die durch die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Neuerkrankungen mit dem Sars-CoV-2 Virus zwangsläufig zu erwarten sind, darf nicht die Existenz der meist kleinen Therapiebetriebe gefährdet werden, denn diese bilden die Grundstruktur für eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Patientenversorgung.
Verdi hat in einer aktuellen Veröffentlichung auf die Situation der Solo-Selbständigen hingewiesen, die sich in vielen Punkten auf kleine Praxen überragen lässt.

Politik und Heilmittelverbände sind hier gefordert Regelungen für bereits in Aussicht gestellte Finanzhilfen zu treffen und diese möglichst unbürokratisch und verlässlich den Leistungserbringern zukommen zu lassen. Einheitliche und verlässliche Informationen dazu sind besonders wichtig.

Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Unterstützen sie unsere Arbeit mit einer

TAL gGmbH geht an den Start

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die TAL gemeinützige GmbH nimmt ihre Onlineaktivität auf.

Transparenz, Analysen und Lösungen sind unser Programm. Zukünftig finden Sie in unserem Blog Facts&News Beiträge rund um die Patientenversorgung in Deutschland.

Hintergrundinformationen, Interviews, Gastbeiträge und Analysen zur Versorgungssituation, sind nur einige der Inhalte die sie hier erwarten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch

Ihr TAL-gGmbH Team