Umfrage zur Situation der Heilmittelindustrie

Umfrage zur Situation der Heilmittelindustrie

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Umfrage zur Situation in der Corona – Krise der Unternehmen und Dienstleister im Heilmittelbereich

Sie sind als UnternehmerIn, DienstleisterIn, InhaberIn eines Fortbildungsunternehmens oder Träger einer Schule oder Hochschule  in der Heilmittelversorgung engagiert und möchten an dieser Umfrage teilnehmen?

Dann kontaktieren Sie uns bitte unter folgender Email Adresse, um einen Link zur Umfrage zu erhalten.

info@tal-ggmbh.de

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zuge der Corona-Krise wurde die Bedeutung der Heilmittelversorgung durch den Bundesgesundheitsminister und die Bundeskanzlerin mehrfach hervorgehoben. Nicht umsonst werden auch die Praxen in der ambulanten Heilmittelversorgung den relevanten Einrichtungen des Gesundheitswesens zugeordnet.

Doch gerade aus Sicht der Patientenversorgung sollten auch die Unternehmen betrachtet werden, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen dafür sorgen, dass die Therapeutinnen und Therapeuten auf hohem Niveau ihre Tätigkeit ausüben können. Sie als Unternehmen erleichtern die Tätigkeit in den Praxen, sichern deren Finanzierung, sorgen für Informationsaustausch, gewährleisten Wissenstransfer und bieten innovative Produkte, die eine moderne Patientenversorgung erst ermöglichen.

Wir bitten Sie daher an unserer aktuellen Befragung teilzunehmen, mit der wir die Situation der Heilmittelindustrie unter dem Einfluss der Corona-Krise abbilden werden. Die Umfrage beinhaltet 16 Fragen, deren Beantwortung zwischen 5 und 7 Minuten Zeit in Anspruch nimmt. Am Ende der Befragung haben Sie die Möglichkeit ausführlich Punkte zu thematisieren, die Ihnen besonders wichtig sind.

Die Ergebnisse werden politischen Entscheidern und der Presse zur Verfügung gestellt. Zusätzlich erfolgt eine Veröffentlichung auf unserer Homepage.

Die Befragung erfolgt anonym. Es werden keine Daten gespeichert, die einen Rückschluss auf Ihre Identität oder ihr Unternehmen ermöglichen.

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Heilmittelversorgung

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Heilmittelversorgung

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Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Heilmittelversorgung in Deutschland

Zusammenfassende Analyse, Lösungsansätze und Ausblick auf mögliche Herausforderungen in der Heilmittelversorgung

Einleitung

Um die Auswirkungen, die die Situation in der Heilmittelversorgung mit Beginn der ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf die Berufsangehörigen hatten, besser einschätzen zu können, ist zunächst ein kurzer Rückblick erforderlich. Seit 2014 machten Heilmittelerbringer immer wieder auf die prekäre Situation in ihren Berufen aufmerksam. Anfang des Jahres 2019 wurde die wissenschaftliche Auswertung der Brandbriefe, die im Rahmen des Aktionsbündnisses “Therapeuten am Limit” die Probleme im Bereich der Heilmittelversorgung beschrieben, durch Frau Prof. Dr. Heidi Höppner und Eva-Maria Beck präsentiert (Höppner, Beck,2019).

Unterversorgung durch Fachkräftemangel, fehlende Hausbesuchskapazitäten, komplexe Versorgungssituationen, Fehlsteuerung, problematische Therapiezeittaktung und Vereinzelung in ambulanten Praxen waren Themen, die in den Brandbriefen sehr häufig beschrieben wurden (Höppner, Beck,2019). Die Forscherinnen konnten das hohe Maß an Frustration und Resignation in der jeweiligen beruflichen Situation herausstellen und plädierten eindringlich für vertrauensbildende Maßnahmen, „…um die im Prinzip als attraktiv und äußerst sinnhaft erlebte Arbeit zu sichern und in ihrer Bedeutung für das Gesundheitssystem und für die Bevölkerungsgesundheit aufzuwerten.“ (ebenda).

Die Politik reagierte und es wurden unterschiedliche Maßnahmen getroffen, um die Attraktivität der Berufe anzuheben, Verbesserungen sollten schnell erlebbar werden.

Die Probleme, die durch die Corona-Krise entstanden, trafen folglich im Heilmittelbereich auf einen Versorgungszweig, in dem die Leistungserbringer sich gerade erst umfangreiche Veränderungen erkämpft hatten.

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Problembereiche

Obgleich die Corona-Krise erst wenige Wochen besteht, lassen sich schon jetzt unterschiedliche Problembereiche analysieren.

 

Informationsdefizite – die fehlende Stimme im System

Sehr schnell kam es zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach therapeutischen Leistungen und damit einhergehend zu einem Umsatzrückgang aus Sicht der Praxen und einer geringeren Versorgung aus Sicht der Patienten. Für diese Entwicklung gab es vielfältige Gründe. In jeder Umfragewoche wurde als Hauptgrund für Terminausfälle die vorsorgliche Absage durch Patienten angegeben, obwohl keine Erkrankung akut vorlag. Dabei kam es teilweise zu erheblichen Verwirrungen aufgrund falscher Meldungen auch seitens der Gesundheitsbehörden. Regionale Gesundheitsbehörden hatten dabei ebenso große Schwierigkeiten Heilmittelleistungen richtig den systemrelevanten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung zu zuordnen, wie einige Landesbehörden. In der Summe führte dies zu einer erheblichen Verunsicherung von Therapeut*innen und Patient*innen gleichermaßen.

In den Praxen übernahm man aber auch selbständig die Verantwortung und sagte Termine in Absprache mit den Patient*innen ab, wenn dieser zu einer Risikogruppe gehörten.

In Pflegeeinrichtungen wurde im Rahmen des allgemeinen Besuchsverbotes häufig auch den Therapeut*innen der Zugang verwehrt. In der Folge besteht aktuell eine gravierende Unterversorgung bei dieser vulnerablen Patientengruppe.

Gerade zu Beginn der Krise gab es Unsicherheiten bezüglich der erforderlichen Schutzmaßnahmen. Auch hier wurden teilweise unterschiedliche Empfehlungen, beispielsweise ob und in welchen Fällen ein Mund-Nase-Schutz für Behandler und Patienten gleichzeitig angeraten sei, veröffentlicht. An den Ergebnissen der von uns durchgeführten Umfragen lässt sich sehr gut ablesen, dass in der ambulanten Heilmittelversorgung sehr schnell ein Lernprozess eingesetzt hatte und in den Praxen erhöhte Hygienemaßnahmen umgesetzt wurden. Gleichzeitig stellte die Versorgung mit entsprechendem Schutzmaterial und Desinfektionsmitteln die Therapeut*innen vor große Herausforderungen. Die Verteilung an die Praxen war nicht geregelt und gilt immer noch gegenüber anderen Versorgungsbereichen als nachrangig.

Trotz der offiziellen Zuordnung der Heilmittelversorgung zu dem systemrelevanten Teil der Gesundheitsversorgung kam es häufig zu Problemen bei der Kinderbetreuung der Berufsangehörigen. Teilweise wurde eine Betreuung erst nach längerer Diskussion bewilligt, teilweise aber auch bis heute abgelehnt.

Die beschriebenen Probleme zeigen deutlich, dass die Heilmittelversorgung an unterschiedlichen Stellen im System immer noch nicht mitgedacht wird. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Heilmittelversorgung mit einem Umsatz von knapp 7,4 Milliarden Euro 2018 (GKV-HIS 2018) allein im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung einen nicht unbedeutenden Wirtschaftszweig darstellt und auch mit knapp 37 Millionen Verordnungen einen wichtigen Anteil an der Patientenversorgung hat, muss man sich die Frage stellen, warum ganz objektiv noch immer eine wahrnehmbare Stimme dieses wichtigen Bereiches im System der Gesundheitsversorgung fehlt. Insbesondere für die Zukunft sollte daraus abgeleitet werden, dass eine einheitliche und verlässliche Informationsstrategie erforderlich ist, um auf ähnliche Herausforderungen reagieren zu können. Zusätzlich ist zu empfehlen die strukturellen Bedingungen der Berufsstandvertretung und deren Einbindung in die Selbstverwaltung wertfrei zu analysieren und gegebenenfalls zu modernisieren.

Wertschätzung – die Kommunikation mit einem Berufsstand

Wenn schon die Einordnung von therapeutischen Leistungen in den Bereich Körperpflege oder Wellness durch einige Landesbehörden erstaunten, so wirft die offizielle Kommunikation des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesgesundheitsministers mit dem Berufsstand zusätzlich Fragen auf.

Die Frage nach einer wie auch immer gearteten Wertschätzung und deren Einforderung mag im Zusammenhang mit der Patientenversorgung überraschen, lässt sich aber mit den in der Einleitung aufgeführten Punkten mit dem Wort „Berufsflucht“ zusammenfassend erklären.

Schon vor der Krise bestand ein gravierender Fachkräftemangel, der vielfach auch durch eine zunehmende Berufsflucht erklärt wurde. In der Krise entstand sehr schnell das Gefühl bei den Berufsangehörigen, wieder vergessen zu werden. Nach dem öffentlichen Aufruf der Berufsverbände, Medien und Politik massiv mit der finanziellen Not der Therapeut*innen zu konfrontieren, verstärkte sich dieses Gefühl deutlich. Immerhin riefen jetzt auch Verbände zum öffentlichen Protest auf, die dies bisher immer vermieden hatten.

Erst nach massiven öffentlichem Druck wurden die Heilmittelerbringer in einen zweiten Rettungsschirm mit aufgenommen. Therapeutinnen und Therapeuten haben jedoch spätestens jetzt gelernt, dass man um jede Verbesserung auch in Zukunft bangen und kämpfen muss. Durch diesen Lernprozess besteht die Möglichkeit einer verstärkten Flucht aus den Therapieberufen, insbesondere dann, wenn die Beschäftigten durch Kurzarbeit und Wegfall von Nebentätigkeiten die eigentlichen Verlierer der Krise bleiben.

Durch eine bessere Kommunikationsstrategie seitens der Bundesregierung hätte diese Verunsicherung der Gesundheitsfachberufe vermieden werden können.

Abhängigkeiten – wann ist eine Behandlung medizinisch erforderlich?

Nach §32 SGB V haben Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung einen Anspruch auf Versorgung mit Heilmitteln. Die Grundlage dafür ist die ärztliche Verordnung. Daraus wurde zu recht vielfach abgeleitet, dass eine Heilmitteltherapie immer dann medizinisch erforderlich ist, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt.

In der Auswertung der Umfragen zeigt sich, dass der Anteil von Praxen, die als Ausfallgrund ausbleibende Verordnungen angaben, wöchentlich gestiegen ist. Grund für die ausbleibenden Verordnungen war auch eine Schließung oder Überforderung der ärztlichen Praxen (Abb.1)

Abb.1 Fehlende Verordnungen als Ausfallgrund

Daraus lässt sich die Frage ableiten, ob eine fehlende Verordnung auch gleichzeitig bedeutet, das eine Behandlung nicht medizinisch erforderlich ist. Zur Beantwortung dieser Frage müsste ausführlich darüber diskutiert werden, dass der ärztlichen Verordnung auch eine Nutzen-Risiko-Bewertung vorausgeht. Lässt sich der Versorgungsanspruch auch unter dem Gesichtspunkt einer eventuell höheren Ansteckungsgefahr rechtfertigen? Diese Frage wird aktuell sicherlich sehr wohl mit beachtet, wenn Heilmittelverordnungen ausgestellt werden. Doch was ist in den Fällen, in denen eine ärztliche Verordnung nicht erreichbar ist für die Patienten? Dies kann durch fehlende Kapazitäten in der ärztlichen Versorgung der Fall sein, oder durch fehlende Inanspruchnahme der Patienten, die auf einen Arztbesuch verzichten, weil sie eine Ansteckung befürchten.

Dieser plötzliche Nachfragerückgang wird auch in anderen Leistungsbereichen gerade beobachtet. In einem offenen Brief an Bundesforschungsministerin Karliczek wiesen am 8. April Fachgesellschaften darauf hin, dass die Zahl der Krankenhausaufnahmen von Patienten mit akuten Herzbeschwerden, insbesondere lebensbedrohlichen Herzinfarkten oder Herzklappenerkrankungen, dramatisch zurückgegangen ist (Zeiher et al., 2020).

Die Ministerin selbst wies bereits am 2. April darauf hin, dass sich speziell Krebspatienten Sorgen um die Qualität ihrer Behandlung machen (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2020).

Wenn es also schon in Bereichen von potentiell lebensbedrohlichen Indikationen zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage kommt, so wird dies im Bereich der Heilmittelversorgung ebenfalls zu vermuten sein, wahrscheinlich in einem noch sehr viel größeren Umfang und regional sehr unterschiedlich.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch klar, dass eine fehlende Verordnung nicht automatisch auf eine fehlende medizinische Notwendigkeit zurückzuführen ist. Vielmehr wird die Versorgung von Patienten mit Heilmitteln vor eine große Herausforderung gestellt, denn es ist zu vermuten, dass ein sehr hoher Bedarf entsteht, der dann gedeckt werden muss, wenn die Lockerungen der Kontaktverbote dies zulassen. Als Engpass für die Versorgung lässt sich die ärztliche Verordnung definieren. Aus Sicht der Versorgung wäre sehr nachlässig, wenn bei der Frage der Optimierung von Behandlungspfaden und damit auch einer Vermeidung von Pflegezeiten oder Reduzierung von Krankheitstagen weiterhin die RessourceTherapeutnicht genutzt wird, wenn schon die Ressource „Arzt“ immer knapper verfügbar ist. Gerade jetzt in der Krise und zur Bewältigung der Herausforderungen, die nachfolgen werden, darf die Frage nicht mehr sein, warum etwas nicht funktioniert, sondern wie ein klar definiertes Ziel erreicht werden kann. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Therapeut*innen sehr wohl selbst und in enger Kooperation mit den Patienten und anderen Gesundheitsfachberufen, abschätzen können, wann eine Behandlung medizinisch sinnvoll ist.

Herausforderungen für die Versorgung nach Aufhebung der Kontaktverbote

Aus den Vorbemerkungen wird deutlich, dass die Versorgung durch das Nachfrageverhalten der Patient*innen vor Herausforderungen gestellt wird, die noch nicht in vollem Umfang abzuschätzen sind. Grundsätzlich sind unterschiedliche Szenarien denkbar, die das Angebot und die Nachfrage von therapeutischen Leistungen nach einer Lockerung oder einer Aufhebung der Kontaktbeschränkungen betreffen. Auf der Angebotsseite wäre im Idealfall eine im Vergleich zum Februar gleichbleibende Angebotsstruktur denkbar. Je nach Dauer und Schwere des Pandemieverlaufs werden entsprechend Strukturen wegbrechen. Auch auf der Nachfrageseite sind die Auswirkungen nicht genau zu benennen. Objektiv besteht eine deutliche Unterversorgung und somit wird es wahrscheinlich mit Aufhebung der Kontaktverbote zu einer erhöhten Nachfrage nach Leistungen in allen Versorgungsbereichen kommen. Die Ausprägungen dieser Nachfrageentwicklung sind von vielen, auch regional bedingten, Faktoren abhängig und werden sehr unterschiedlich verlaufen.  Möglicherweise werden trotzdem Gruppentherapien, Reha-Sport und Präventionsmaßnahmen bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes allein durch eine veränderte Inanspruchnahme der Patient*innen nicht mehr angeboten werden können, oder es kommt sogar zu einem weiteren Durchführungsverbot für diese Maßnahmen.

Je nach Struktur der ärztlichen Versorgung ist zu erwarten, dass die ärztliche Verordnung für eine Heilmitteltherapie einen deutlichen Versorgungsengpass darstellen wird. Auch hier werden die Ausprägungen regional sehr unterschiedlich sein und können selbst in Nachbar-Gemeinden oder -Kreisen sehr stark variieren. Diese Situation kann durch eine völlig unterschiedliche Zahl an Covid-19 Erkrankten zusätzlich beeinflusst werden.

Auch bei einem verhältnismäßig milden Verlauf der Pandemie ist es wahrscheinlich, dass ein gewisser Reorganisationsprozess einsetzen wird. Die unterschiedlichen Versorgungsstrukturen müssen sich „erholen“. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die an der Belastungsgrenze gearbeitet haben, brauchen ebenso eine Phase der Erholung, wie solche, die vielleicht selbst erkrankt sind.

Fraglich ist, ob die bisherige Systematik der Heilmittelversorgung den zumindest temporär veränderten Bedarfen nach Aufhebung der Kontaktverbote noch gerecht werden kann. Dabei könnten die Varianten Blankoverordnung und Direktzugang als Lösungsmöglichkeiten dienen. Die Blankoverordnung als Regelfall der Versorgung würde den Therapeut*innen die erforderliche Flexibilität in der Behandlungsplanung ermöglichen und unnötige Bürokratie vermeiden. Der Direktzugang könnte als regionaler Sonderfall helfen, die Versorgung sicher zu stellen. Solche Maßnahmen müssten jetzt zeitnah vorbereitet werden, ausreichend Expertise ist im System vorhanden, um ein solches Projekt erfolgreich zu gestalten.

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Fazit:

Die Corona-Krise zeigt wie unter einem Brennglas die Probleme innerhalb der Heilmittelversorgung in Deutschland. Objektiv stellt gerade die bisherige Systematik der Heilmittelversorgung hohe Hürden für eine bedarfsgerechte, wohnortnahe Versorgung der Patientinnen und Patienten mit notwendigen Heilmitteln dar, wenn es nach einer Lockerung der Kontaktverbote absehbar zu einem deutlichen Anstieg der Versorgungsbedarfe kommt. Abzuwarten bleibt, ob die Akteure die Herausforderung annehmen und gemeinsam die notwendigen Maßnahmen ergreifen, oder ob alte Verhaltensmuster weiterhin die Versorgungsrealität bestimmen werden. Eventuell könnte die Einrichtung eines unabhängigen Heilmittelkrisenstabes, in dem die Patientenperspektive mit abgebildet wird, helfen, um zukünftig ähnlichen Herausforderungen besser begegnen zu können.

Die Sicherstellung der Versorgungsstrukturen muss höchste Priorität besitzen. Dabei ist zu beachten, dass die Mitarbeiter, die letztendlich einen hohen Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung leisten, durch Kurzarbeit in einem Niedriglohnbereich stark von der Krise betroffen sind.

Abgeleitete Empfehlungen zur Sicherstellung der Heilmittelversorgung:

  • Priorität für die Versorgung von Heilmittelpraxen mit Schutzmaterialien erhöhen, Zuteilung sicherstellen und Ausgaben tatsächlicher Höhe erstatten.
  • Formulierung einer einheitlichen Informationsstrategie, um Verunsicherungen zu vermeiden.
  • Vorbereitungen für schnell ansteigende, regional unterschiedliche Versorgungsbedarfe
  • Versorgungsstrukturen schützen und  erhaltenBerufsflucht vermeiden.

Quellenangabe

Bundesministerium für Bildung und Forschung; (2020), Karliczek: Neue Task-Force will Behandlung von Krebspatienten trotz Corona-Pandemie sichern, Pressemitteilung, online:

https://www.bmbf.de/files/2020_04_02_039%20PM_Krebs_Corona.pdf

14.04.2020

Höppner, H; Beck, E-M; (2019), Therapeutinnen am Limit verstehen, pt  Z. f. Physiotherapeuten, Pflaum Verlag, online:

https://physiotherapeuten.de/artikel/therapeutinnen-am-limit-verstehen/,

14.04.2020

Zeiher, A; Gummert, J; Haas, N; Andresen, D; (2020), „Lebensbedrohliche Herzerkrankungen nicht ignorieren – Notfallversorgung ist gewährleistet!“, offener Brief an Bundesforschungsministerin Karliczek, online: https://dgk.org/daten/schreiben_herzmedizin_an_mdb_karliczek.pdf, 14.04.2020

 

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Presse und Medien

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Aktuelle Situation von Selbstständigen und Beschäftigte in der Heilmittelversorgung 06.04.2020

Aktuelle Situation von Selbstständigen und Beschäftigte in der Heilmittelversorgung 06.04.2020

Zusammenfassung der Befragung für Selbständige

Fehlende Verordnungen immer häufiger ein Problem

Hauptausfallgrund war in 94% der Praxen auch in der vierten Woche die vorsorgliche Terminabsage durch Patienten ohne das eine tatsächliche Erkrankung vorlag. Aber auch die TherapeutInnen haben im Sinne des Patientenschutzes in Absprache mit ihren PatientInnen Behandlungstermine abgesagt. Dies war in 75% der Praxen der Fall und somit wieder der zweit häufigste Ausfallgrund. Mit inzwischen 48%  gehören fehlende Verordnungen durch Schließung oder Überlastung von Arztpraxen zu den häufigsten Ausfallgründen. Dieser Umstand wird auch in den Kommentaren sehr häufig erwähnt. Dabei sind die Gründe sehr unterschiedlich. Teilweise haben Arztpraxen geschlossen, sind nur eingeschränkt erreichbar oder es werden Therapien verweigert. Weiterhin zu den drei häufigsten Ausfallgründen gehören Absagen von Pflegeeinrichtungen mit 56%.

  • Vorsorgliche Terminabsage durch Patienten 94% 94%
  • Absagen im Sinne des Patientenschutzes 75% 75%
  • Absage durch Pflegeeinrichtungen 56% 56%
  • Fehlende Verordnung durch Praxisschließung oder Überlastung von Arztpraxen 48% 48%
  • Ausfall aufgrund fehlender Kinderbetreuung bei TherapeutInnen 15% 15%

Auslastungsgrad pendelt sich auf niedrigem Niveau ein

Leicht verbessert hat sich wie schon in der Vorwoche die Situation bei der Information über Schutzmaßnahmen. Hier verfügten noch 5% (Vorwoche 4%) der Praxen über keine Informationen, Auch die Zahl der Praxen, die angeben das Schutzausrüstung fehlt, ist zurückgegangen, liegt aber immer noch bei 44% (Vorwoche 51%).

Im Mittel hat sich der Auslastungsgrad in den Betrieben mit 36% auf einem ähnlich niedrigen Niveau eingependelt, wie in der Vorwoche (34%).

51% der Praxen wollen die Versorgung aufrechterhalten, werden jedoch beim Eigen- und Patientenschutz vor große Herausforderungen gestellt. Dabei gelingt die Zusammenarbeit mit den regionalen Gesundheitsbehörden in 33% (Vorwoche 32%) der Fälle nur mangelhaft.

  • Keine Information über Schutzmaßnahmen (Vorwoche 8%) 5% 5%
  • Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden “mangelhaft” 33% 33%
  • Auslastungsgrad in Betrieben 36% 36%
  • Probleme bei der Sicherstellung der Versorgung 51% 51%
  • Schutzausrüstung fehlt 44% 44%

Mehr als die Hälfte der Praxen im Juni von Insolvenz bedroht

Die Skepsis gegenüber den Hilfsmaßnahmen ist immer noch hoch. Mit 44% (Vorwoche 54%) sieht die Mehrheit der Befragten die aktuellen Hilfsmaßnahmen als nicht ausreichend an und hofft auf einen weiteren Rettungsschirm auf Bundesebene. Als Gründe dafür lassen sich weiterhin die massiven Umsatzausfälle, fehlende Rücklagen und aufgrund der Abrechnungsmodalitäten verzögerte Liquiditätsengpässe anführen.

Die Ergebnisse machen auch deutlich, dass bei unveränderter Situation in etwa 8 Wochen mehr als die Hälfte der Versorgungsstruktur wegzubrechen droht. Leichte Verbesserungen in Bezug auf die Ausstattung und Informationslage zur Anwendung von Hygienemaßnahmen und auf die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation, sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verunsicherung bei den Therapeutinnen und Therapeuten nach wie vor hoch ist und auch die psychischen Belastungen zunehmen. So schätzen immer noch 81% der Befragten ihr finanzielles Risiko hoch oder sehr hoch ein.

Von der Möglichkeit Videotherapien anbieten zu können, machen 30% der Praxen gebrauch. Einer häufigeren Anwendung stehen aber auch Hindernisse, wie die geringe Anwendbarkeit bei multimorbiden Risikopatienten oder Patienten mit Behinderungen gegenüber.

  • Nutzung von Videotherapie 30% 30%
  • Hilfsmaßnahmen nicht ausreichend 44% 44%
  • Finanzielles Risiko hoch oder sehr hoch 81% 81%
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Kommentare zu den aktuellen Hilfsmaßnahmen

Von der Möglichkeit einen Kommentar in Bezug auf die Hilfsmaßnahmen geben zu können machten 331 der Befragten Gebrauch. Viele der Befragten machen erneut auf die späteren Liquiditätsengpässe aufgrund der Abrechnungsmodalitäten aufmerksam. Sehr häufig wird eine Ungleichbehandlung im Vergleich mit anderen Berufen des Gesundheitswesens thematisiert. Der für manche Hilfen notwendige Abbau von Rücklagen stellt ebenso viele Selbständige vor Probleme. Häufig sind diese Rücklagen für Steuerzahlungen und private Altersvorsorge vorgesehen. Auch die Auszahlung von Hilfen wird unterschiedlich beurteilt. Je nach persönlichem Fall scheinen sich Auszahlungen zu verzögern oder werden abgelehnt.

Antwortbeispiele:

„Es dürfen nur Mittel beantragt werden, wenn die Liquidität jetzt fehlt. PT rechnen ihre Leistungen bis zu 3-4 Monate verspätet ab, d.h. die Liquidität fehlt im Sommer. Da ist die Beantragung von Zuschüssen bereits eingestellt (bis 31.5.20)“.

„Wenn diese Situation noch 2 Monate geht, wird es Arbeitslose geben und Praxen, die aus finanziellen Gründen schließen müssen. Somit es zu einer schlechten Versorgung der Patienten in der sytemrelevanten Physiotherapie.“

„In der Podologie, kann eine Praxis mit der Soforthilfe 4 Wochen überleben. Danach muss neu beurteilt werden. Auch muss der Preis pro Behandlung von den KK schnell den erhöhten Preisen für PSA schnellstmöglich angepasst werden. Es fehlt uns so unsd so eine Position für Hygiene. Angesetzte neue Preisverhandlungen für den 01.7 2020 können nicht auf Oktober verschoben werden. Therapeuten(alle) sind systemrelewand und brauchen einen Rettungsschirm, da eine Besserung der Lage nicht abzusehen ist.“

„Leider ist es für mich schwer nachzuvollziehen, welche Hilfe für mich in Frage kommt. Rücklagen meiner Praxis sind für besondere Ausgaben des Betriebs wie Material, Steuerzahlungen etc. Diese werden zwar verschoben/gestundet, fallen früher oder später jedoch trotzdem an!“

 

 

„Ein Rettungsschirm seitens der Krankenkassen wäre wünschenswert, da derzeit wenig bis keine Verordnungen durch Ärzte ausgestellt werden, obwohl medizinisch dringend notwendig.“

„Durch die Einbußen in diesem Monat werde ich ein großes Finanzielles Loch haben, meine Rücklagen sollten den noch zu zahlenden Steuern dienen. Ich weiß nicht ob ich es schaffen werde mich, meine Familie und meinen Betrieb gleichzeitig zu retten.“

„Ich habe bis jetzt keine Rückmeldung auf meinen Antrag und selbst wenn es positiv ausfällt, könnte ich mit dem Geld gerade so einen weiteren Monat die Praxis halten. Durch die geringe Vergütung bisher konnte man kaum einen Puffer aufbauen und wenn dann frisst die Steuer einen riesigen Teil davon auf!!“

„Bisher noch nicht bewilligt. Eingereicht wurde am 23.3.20“.

„Ärzte und Psychotherapeuten bekommen Rettungsschirm, warum nicht die Heilmittelerbringer!“

„90% Auslastung durch Videotherapie und rücklagen.“

„Ich unterstütze die Forderung vom DVE, dass wir Ausgleichzahlungen für den verlorenen Umsatz erhalten sollen. Grundlage dafür sollte der monatliche Durchschnitt sein, seitdem wir TSVG -Sätze erhalten. Ausgleichzahlungen wurden ja schließlich auch für Ärzte und KRHs vereinbart!!!“.

„Warum werden alle im Gesundheitswesen unter einen Rettungsschirm gestellt und Therapeuten mal wieder außen vor gelassen. Sind wir Systemrelevant zweiter Klasse?“

„Ich habe meinen Antrag in der 12. KW gestellt, Geld ist immer noch nicht da… in Bremen werden mir die ausgezahlten Landesmittel (bis 5000€) von den Bundesmitteln wieder abgezogen! Ganz toll!“

„Seit 3 Wochen den Antrag… keine Reaktion“

„Diese Rücklagen die man bildet, als Solo-Selbstständiger sollten für Notfälle sein. Die ich verursache wie zb. (Krankheit, Schwangerschaft, Urlaub..) Ich sehe es als sehr schwierig an die Rücklagen aufzubrauchen, um jetzt über die Runden zu kommen, weil die Ärzte keine Verordnungen mehr verschrieben oder die Patienten, trotz Schutzmaßnahmen Angst haben und nicht mehr kommen…“

Zusammenfassung der Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung

Kurzarbeit bei 62% der Beschäftigten

88% der UmfrageteilnehmerInnen sind in einer Praxis in der ambulanten Heilmittelversorgung beschäftigt. Die Mehrheit bilden mit 56% Vollzeit-Beschäftigte. 26% der Befragten übt ihre Tätigkeit in Teilzeit aus. Etwa 16% der Angestellten sind mehrfachbeschäftigt.

Kündigungen hat es bisher nur vereinzelt gegeben, 62% der Befragten befindet sich aktuell schon in Kurzarbeit. Aus dieser Situation entstehen große finanzielle Sorgen, denn in einem ohnehin schlecht bezahlten Niedriglohnsektor stellt Kurzarbeit eine hohe finanzielle Belastung dar. Aus den Kommentaren der Befragten ist zu entnehmen, dass sich manche Arbeitgeber dieser Probleme annehmen und beispielsweise versuchen das Kurzarbeitergeld aufzustocken. Es gibt aber auch Negativbeispiele in denen Arbeitgeber die Beschäftigten in unbezahlten Urlaub schicken.

  • Angestellt in ambulanter Praxis 88% 88%
  • In Kurzarbeit 62% 62%
  • Vollzeitbeschäftigte 56% 56%
  • Teilzeitbeschäftig 26% 26%
  • Mehrfachbeschäftigt 16% 16%

Netto-Monatseinkommen im Durchschnitt bei 1.187 Euro

Durchschnittlich liegt das Netto-Monatseinkommen der Befragten bei 1.187 Euro. Dabei schätzen 72% der Umfrageteilnehmer ihr persönliches Risiko hoch oder sehr hoch ein.

Große Verunsicherung herrscht bei den Umfrageteilnehmern in Bezug auf notwendige Schutzmaßnahmen während der Behandlung. Bei der Frage nach Eigen- und Patientenschutz machen sich 11% der Befragten keine Sorgen, weil sie ausreichend Material zur Verfügung haben. 38% der Befragten äußern große Sorgen, weil nicht ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung steht. In den Kommentaren werden konkrete Ängste benannt, die sich um die Eigengefährdung und um die Gefährdung von Patienten und der eigenen Familie drehen.

  • Einschätzung persönliches Risiko hoch bis sehr hoch 72% 72%
  • Große Sorgen wegen Mangel an Schutzmaterial 38% 38%
  • Keine Sorgen über Eigen- und Patientenschutz 11% 11%
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Allgemeine Kommentare der Beschäftigten

Von der Möglichkeit eigene Anmerkungen zu machen, machten 98 der Befragten Gebrauch. Die Inhalte sind vergleichbar mit denen aus der Vorwoche. Schwierigkeiten bei der Betreuung der eigenen Kinder, unzureichende Schutzausrüstung, oder falls diese vorhanden ist fehlende Verordnungen sind wieder häufige Themen in den Kommentaren. Nach wie vor äußern viele der Befragten große Sorgen sich selbst, die Patienten oder die eigene Familie zu infizieren. Die eigene finanzielle Situation belastet ebenfalls. In einem Niedriglohnsektor zusätzlich von Kurzarbeit betroffen zu sein, ist insbesondere für junge Familien und Alleinerziehende ein existenzielles Problem. Arbeitgeber scheinen dieses Problem unterschiedlich anzugehen. Einige der Befragten berichten von unbezahltem Urlaub, andere werden von ihren ArbeitgeberInnen z.B. durch Aufstockungen beim Kurzarbeitergeld unterstützt. Unverständnis wird über fehlende Handlungsempfehlungen oder widersprüchliche Aussagen von Behörden geäußert.

Hier einige Beispiele aus den Antworten:

„Als Single muss ich alle Kosten alleine tragen. Die Fixkosten bleiben gleich, aber das Einkommen ist nicht gesichert. Bei dem eh schon geringen Gehalt für Heilmittelerbringerinnen, muss ich schon jetzt auf meine Rücklagen zurückgreifen.“

„Mein Chef zahlt unser Gehalt aus seinem eigenen Privatvermögen um eine Kurzarbeit zu meiden, unter der Bedingung das die Minus Stunden später ausgeglichen werden sollen sobald wir wieder mehr zu tun haben.“

„Ich hätte gerne von der Politik eine bessere Info an die Patienten, dass Wir kein Massagesalon sind und ausreichende Hygienemaßnahmen vollziehen.“

„Ich persönlich finde es eine Sauerei, dass eine therapeutische Praxis geöffnet bleiben muss für dringliche Patienten und denen aber geraten wird, nicht zur Therapie zu erscheinen. Das widerspricht sich zur Zeit alles. Ich hoffe, dass wir alle diese Krise überstehen und gesund bleiben, sodass unsere Patienten nach der Krise auch noch einen Therapeuten haben…“

„Zwei Kinder bei Kurzarbeit-0 zu versorgen ist eine wahnsinnige Herausforderung.“

„Schwanke täglich zwischen Panik und Gelassenheit. Das geht vor allem auf die Psyche.“

„Logopädische Praxen schließen (mit Rettungsschirm). Logopädie mit Mundschutz ist unsinnig !! Und ohne Schutz gefährlich für Therapeuten und Patienten . Keiner merkt es , wir werden völlig vergessen !! 45 Minuten Therapie auf engstem Raum mit allen Altersklassen ( 3 bis 90!)“

„Durch verkürzte Arbeitszeiten der Ärzte, fehlen Verordnungen, Patienten haben Angst vor Infektion mit covid-19 und sagen vermehrt ab…wir arbeiten reduziert und sind von der Bundesregierung nicht im Rettungsschirm bedacht…ih finde das unverantwortlich für unseren Berufsstand.“

„Mein Minijob wurde mir wegen der angeordneten Schließung in einer Medizinischen Trainingstherapie gekündigt. 300 € weniger im Monat.“

„Wir sind derzeit in Kurzarbeit auf 0-Stunden-Basis. Daher war die Frage über die Risikobeurteilung schwer zu treffen, jedoch war mit ein Grund der Schließung, dass nicht ausreichend Schutzmittel zur Verfügung standen.“

„Chefin hat uns gezwungen, drei Wochen Urlaub zu nehmen.“

„Mein Chef achtet leider gar nicht auf Schutzmaßnahmen . Hier geht es darum möglichst viele Patienten zu behandeln , egal ob Risikopatienten oder Hochrisikopatienten . Es fehlt die Verantwortung für die Patienten und Mitarbeiter . Zudem Duden weiterhin Yogagruppen in der Praxis statt . Meine Chef denkt tatsächlich wir sollen normal weiterarbeiten und das alles sei nur eine normale Grippe . Was soll ich tun ?“

„Ganz ehrlich fühle ich mich einfach nur hilflos und allein gelassen… unklare Aussagen über unklare Aussagen… der gesunde Menschenverstand aber lässt mich keinen einzigen von meinen Patienten behandeln, da es kein schutzmaterial gibt. Wirtschaftlich? Nein!!! Aber die Gesundheit von mir und meinen Patienten liegt mir am Herzen….was bringt es meiner Patientin laufen zu können mit der eventualität dass sie an Corona erkrankt??? Als systemrelevant sehe ich meinen Beruf…da braucht man nicht zu diskutieren…es wäre nur an der Zeit diesen auch als solchen zu behandeln…und das gelingt nicht in dem wir trotz Risiko der Wirtschaftlichkeit halber weiterbehandelt.“

„Die Wirtschaftlichkeit und somit auch die Altersvorsorge sind seit jeher durch ständige Gesundheitsreformen und Minilöhne desaströs behandelt worden und jetzt nimmt man uns das angesammelte aus Juli 2019 bis jetzt wieder ab, schlimmer noch mit meinen 63 Jahren werde ich wohl jetzt in die Altersarmut katapultiert.“

Fazit:

Auch in der vierten Woche ändert sich an den Problemen wenig. Insgesamt hat sich die Situation etwas entspannt. Die Praxisinhaber bemühen sich verstärkt um Informationen und versuchen Schutzmaterial bereit zu stellen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Die bisher erhältlichen Finanzhilfen scheinen erste Insolvenzen im April verhindert zu haben. Die Angaben der Befragten legen aber nah, dass in etwa 8 Wochen mehr als die Hälfte der Versorgungsstruktur im Heilmittelbereich dauerhaft wegbrechen könnte.
In den Praxen der ambulanten Heilmittelversorgung scheint sich die Auslastungsquote auf einem niedrigen Niveau eingependelt zu haben. Aktuell liegt diese im Durchschnitt bei 36%.
Einen großen Teil der finanziellen Belastungen tragen auch die Angestellten, von denen sich bereits 62% in Kurzarbeit befinden.
Ein Thema, welches in dieser Woche sehr häufig von Selbständigen und Beschäftigten angesprochen wurde, sind fehlende Verordnungen durch die Ärzteschaft. Dies ist auch ein klarer Trend in der Nennung von Ausfallgründen. Ebenso zeigen sich verstärkt Anzeichen für eine zunehmende psychische Belastung bei den TherapeutInnen.
Insgesamt bleibt die Feststellung, dass es weiterhin dringenden Handlungsbedarf in der Heilmittelversorgung gibt. Wichtig ist vor allem die Priorität der Therapieberufe bei der Zuteilung von Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln anzuheben. Die finanzielle Situation der Praxen bleibt bedrohlich auch hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.
Auch wenn durch die Einrichtung eines Rettungsschirms die finanzielle Situation der Praxen stabilisiert werden kann, so müssen für die kommenden Wochen die offenen Fragen der Patientenversorgung in den Fokus rücken. Ohne Frage besteht eine gravierende Unterversorgung der Patienten mit Heilmitteln, deren Auswirkungen aktuell nicht abzuschätzen sind.

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Heilmittel – Die Stunde der Selbstverwaltung

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Heilmittel – die Stunde der Selbstverwaltung

Nachdem Bundesgesundheitsminister Spahn in seinem „Facebook-Live“-Auftritt den Hoffnungen der Therapeutinnen und Therapeuten auf einen zweiten Rettungsschirm vorerst eine Absage erteilte, schlägt jetzt die Stunde der Selbstverwaltung.

Ein Kommentar von Volker Brünger

Die Krankenkassen, die die Versorgung ihrer Versicherten mit Heilmittelleistungen sicherstellen müssen, kennen die Probleme der Therapeutinnen und Therapeuten. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass aufgrund der Abrechnungsmodalitäten das größte Liquiditätsproblem in den Praxen noch bevorsteht und sie stehen im direkten Kontakt mit ihren Verhandlungspartnern auf Seiten der Heilmittelerbringer.

Es dürfte auch kein Geheimnis sein, dass Therapie aktuell durch Einhaltung der Hygienestandards und des Angebotes von Videotherapie organisatorisch deutlich aufwändiger und teurer ist, als dies in den Rahmenverträgen abgebildet wird.

Die Krankenkassen wissen um die Bedeutung der Heilmittelversorgung aktuell bei der Versorgung von Intensivpatienten und später bei der Rehabilitation von Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind. Sie wissen wie wichtig es ist, die Versorgungsstrukturen zu schützen, damit Patienten auch nach der Krisenzeit behandelt werden können.
Es wäre jetzt ein starkes Signal für eine Selbstverwaltung, die auch in Krisenzeiten handlungsfähig ist, wenn Krankenkassen proaktiv ihre Partner unterstützen und dadurch die Bereitstellung von Versorgungsstrukturen sichern.

Dazu braucht es nicht die Politik oder den guten Willen eines Ministers.

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Aktuelle Situation von Selbstständigen und Beschäftigte in der Heilmittelversorgung

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Zusammenfassung der Befragung für Selbständige

Falschmeldungen verunsichern Patienten

Hauptausfallgrund war auch in der dritten Woche die vorsorgliche Terminabsage durch Patienten ohne das eine tatsächliche Erkrankung vorlag. Dazu beigetragen haben sicherlich unglücklich formulierte Meldungen aus den Landesbehörden speziell in Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, die die Patienten verunsichert haben. Aber auch die TherapeutInnen haben im Sinne des Patientenschutzes in Absprache mit ihren PatientInnen Behandlungstermine abgesagt. Dies war in 77% der Praxen der Fall und somit der zweit häufigste Ausfallgrund. Mit inzwischen 44% (in den Vorwochen 11% und 30%) gehören fehlende Verordnungen durch Schließung oder Überlastung von Arztpraxen zu den häufigsten Ausfallgründen. Weiterhin zu den drei häufigsten Ausfallgründen gehören Absagen von Pflegeeinrichtungen mit 56%.

  • Vorsorgliche Terminabsage durch Patienten 94% 94%
  • Absagen im Sinne des Patientenschutzes 77% 77%
  • Absage durch Pflegeeinrichtungen 56% 56%
  • Fehlende Verordnung durch Praxisschließung oder Überlastung von Arztpraxen 44% 44%

Auslastungsgrad auf 34% gesunken

Verbessert hat sich die Situation bei der Information über Schutzmaßnahmen. Hier verfügten nur noch 4% (Vorwoche 8%) der Praxen über keine Informationen, aber immer noch 51% der Selbständigen geben an, dass Schutzausrüstung fehlt. Im Mittel ist der Auslastungsgrad in den Betrieben weiter gesunken. Nach zuletzt 46% Auslastung in der Vorwoche liegt der Wert aktuell nur noch bei 34%. 45% der Praxen wollen die Versorgung aufrechterhalten, werden jedoch beim Eigen- und Patientenschutz vor große Herausforderungen gestellt. Dabei gelingt die Zusammenarbeit mit den regionalen Gesundheitsbehörden in 32% der Fälle nur mangelhaft.

  • Keine Information über Schutzmaßnahmen (Vorwoche 8%) 4% 4%
  • Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden “mangelhaft” 32% 32%
  • Auslastungsgrad in Betrieben 34% 34%
  • Probleme bei der Sicherstellung der Versorgung 45% 45%
  • Schutzausrüstung fehlt 51% 51%

Bisherige Hilfsmaßnahmen reichen nicht aus

Mit 54% sieht die Mehrheit der Befragten die aktuellen Hilfsmaßnahmen als nicht ausreichend an und hofft auf einen weiteren Rettungsschirm auf Bundesebene. Als Gründe dafür lassen sich die massiven Umsatzausfälle und fehlende Rücklagen anführen, die bei rückzahlbaren Hilfen zu Rentabilitätsproblemen führen würden, erst Recht dann, wenn als Voraussetzung für Hilfsleistungen ein Aufbrauchen aller liquiden Mittel angenommen wird. Denn aufgrund der Abrechnungsmodalitäten wird sich das akute Liquiditätsproblem in vielen Fällen erst in etwa vier Wochen zeigen. Die Befragten weisen vielfach darauf hin, dass aus diesem Grund aktuell noch keine Insolvenz droht, diese dann aber in kurzer Zeit wahrscheinlich wird. So schätzen auch 89% der Befragten ihr finanzielles Risiko hoch oder sehr hoch ein. Die Quote der Praxen, die aktuell von Insolvenz bedroht sind, liegt in dieser Woche bei 12%.

Als positives Beispiel wird vereinzelt von den Befragten auf die Möglichkeit hingewiesen, jetzt Videotherapien anbieten zu können.

  • Anzahl der aktuell von Insolvenz bedrohten Praxen 12% 12%
  • Hilfsmaßnahmen nicht ausreichend 54% 54%
  • Finanzielles Risiko hoch oder sehr hoch 89% 89%
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Kommentare zu den aktuellen Hilfsmaßnahmen

Von der Möglichkeit einen Kommentar in Bezug auf die Hilfsmaßnahmen geben zu können machten 592 der Befragten Gebrauch. Sehr viele beschreiben die Notwendigkeit von nicht rückzahlbaren Zuschüssen, denn selbst zinsfreie Darlehen würden durch die massiven Umsatzausfälle aus dem anfänglichen Liquiditätsproblem ein Rentabilitätsproblem in der Zukunft nach sich ziehen. Bei einer Branche, die bisher wenig Möglichkeiten hatte Rücklagen zu bilden, scheint dieses Argument nachvollziehbar. Ebenso wird sehr häufig davon berichtet, dass für den Bezug von Hilfen erst Rücklagen und Barvermögen aufgebraucht werden müssen. Auch der Umstand, dass durch die Abrechnungssystematik der eigentliche Liquiditätsengpass erst im April oder Mai eintreten wird, wird häufig erwähnt und mit der Frage verknüpft, ob es dann auch noch Hilfen geben wird.

Antwortbeispiele:

„Praxis wird wahrscheinlich geschlossen, aufgrund weiterer Notwendigkeit eines Kredits, vier Wochen ist noch grade tragbar, darüber hinaus leider nicht mehr.“

„Da wir noch die Rezepte von Januar bis März abrechnen, deren Arbeit bereits getan ist, kommen wir erst im April zu dem akuten Liquiditätsproblem, haben jedoch jetzt bereits einen enormen Verlust zu tragen. Es muss eine Soforthilfe (und nicht nur einen Kredit) geben die Arbeitgeber von über 10 Mitarbeiter auch im April und Mai fördert, denn dann zeigt sich die Auswirkung der letzten Wochen und wir können unsere Arbeitnehmer und unsere Miete nicht mehr bezahlen.“

„Die entstandenen Ausfälle können nicht mehr kompensiert werden, der Behandlungszeitraum wird nur in die Länge gezogen. Das Hilfspaket II ist auf den Weg gebracht, aber die Umsetzung ist sehr langwierig, da Computer überlastet sind und es eine lange Wartezeit gibt, aber die Kosten jetzt anlaufen.“

„Ich kann nicht nachvollziehen, dass ich meine privaten Rücklagen verbrauchen muss, bevor mir geholfen wird. Ich habe immer sehr sparsam gelebt und nun soll alles dabei drauf gehen? Was mache ich ohne Rücklagen?“

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Allgemeine Kommentare der Befragten

In den weiteren Kommentaren wird sehr häufig erwähnt, dass man jetzt aktuell noch nicht von Insolvenz bedroht sei, dies aber in kurzer Zeit anders zu bewerten wäre. Als positives Beispiel wird vereinzelt auf die Möglichkeit hingewiesen, jetzt Videotherapien anbieten zu können. Nach wie vor ist das Fehlen von notwendiger Schutzausrüstung ein großes Thema. Zusätzlich haben in dieser Woche widersprüchliche Aussagen über den Weiterbetrieb von Heilmittelpraxen Patienten verunsichert und zu ungeplanten Therapieabsagen geführt.

Hier einige Beispiele:

„Aktuell noch nicht von Insolvenz bedroht bezieht sich auf heute, aber nicht auf morgen. Denn wir sind in naher Zukunft von Insolvenz bedroht.“
„Klare Vorgaben und Ausstattung mit Schutzausrüstung wären von Vorteil.“

„Ich bin noch nicht von der Insolvenz betroffen, weil ich gut gewirtschaftet habe und gerade keine neuen Anschaffungen getätigt habe. Mein sparsames Leben hilft mir jetzt 1-2 Monate und muss mein Personal entlassen da meine Kosten wie Miete und Abzahlung der Kredite weiter laufen. Da ich Selbstständig bin kann ich weder in Kurzarbeit noch in die Arbeitslosigkeit, sondern mach allein weiter. Schade bei solch einem tollen Team.“

„Zur Zeit habe ich noch geringe Rücklagen in meinem Privatvermögen, die für den kommenden Monat die Praxis noch halten können. Danach muss ich die Praxis wohl schließen!“

„Die Verhandlungen bezüglich Vergütungserhöhung jetzt auszusetzen ist ein Schlag ins Gesicht. Um wirklich zu helfen, sollte man diese jetzt vorziehen, damit der Ausfall ein klein wenig abgefedert wird.“

„Die teilweise unvollständige und unspezifische Verbalisierung der möglichen Arbeit von Heilmittelerbringern führt zu einer immensen wirtschaftlichen und existenziellen Krise für selbstständige Praxisinhaber. Die Pflegeeinrichtung, Intensivpflegeeinrichtungen und Kliniken müssen dringen angehalten werden mit den speziell ausgebildeten Therapeuten zusammen zu arbeiten und/oder sich ihre Unterstützung jetzt einzuholen, um Engpässe entgegenzuwirken.“

„Uns wurde vom Gesundheitsamt die Arbeit untersagt; Ausnahme z.B. Akutpatient nach Schlaganfall, der altersbedingt keiner Risikogruppe angehört; Seit Pressekonferenz von Ministerpräsident Söder haben alle verbliebenen Patienten abgesagt. Teletherapie nur bei sehr wenig Patienten möglich und war bisher noch nicht umsetzbar.“

Zusammenfassung der Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung

Kurzarbeit bei 50% der Beschäftigten im Heilmittelbereich


90% der UmfrageteilnehmerInnen sind in einer Praxis in der ambulanten Heilmittelversorgung beschäftigt. Die Mehrheit bilden mit 62% Vollzeit-Beschäftigte. 23% der Befragten übt ihre Tätigkeit in Teilzeit aus. Etwa 13% der Angestellten sind mehrfachbeschäftigt.

Kündigungen hat es bisher nur vereinzelt gegeben, die Hälfte der Befragten befindet sich aktuell schon in Kurzarbeit. Aus dieser Situation entstehen große finanzielle Sorgen, denn in einem ohnehin schlecht bezahlten Niedriglohnsektor stellt Kurzarbeit eine hohe finanzielle Belastung dar. Aus den Kommentaren der Befragten ist zu entnehmen, dass sich manche Arbeitgeber dieser Probleme annehmen und beispielsweise versuchen das Kurzarbeitergeld aufzustocken. Es gibt aber auch Negativbeispiele in denen Arbeitgeber die Beschäftigten in unbezahlten Urlaub schicken.

  • Angestellt in ambulanter Praxis 90% 90%
  • In Kurzarbeit 50% 50%
  • Vollzeitbeschäftigte 62% 62%
  • Teilzeitbeschäftig 23% 23%
  • Mehrfachbeschäftigt 13% 13%

Einbußen beim Nettoeinkommen von 38% bei den Beschäftigten


In Bezug auf ihr monatliches Bruttoeinkommen geben die Befragten unterschiedliche Einbußen an. Die Antworten reichen von unter 10% Einbußen bis zu über 80% geringeres Einkommen. Im Mittel liegt der Wert bei aktuell 38% Einkommens-Einbußen. Dabei schätzen 74% der Umfrageteilnehmer ihr persönliches Risiko hoch oder sehr hoch ein.

Große Verunsicherung herrscht bei den Umfrageteilnehmern in Bezug auf notwendige Schutzmaßnahmen während der Behandlung. Bei der Frage nach Eigen- und Patientenschutz machen sich 9% der Befragten keine Sorgen, weil sie ausreichend Material zur Verfügung haben. 43% der Befragten äußern große Sorgen, weil nicht ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung steht. In den Kommentaren werden konkrete Ängste benannt, die sich um die Eigengefährdung und um die Gefährdung von Patienten und der eigenen Familie drehen. Vereinzelt wird bereits von Kollegen berichtet, die selbst erkrankt sind und teilweise einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen.

  • Einschätzung persönliches Risiko hoch bis sehr hoch 74% 74%
  • Große Sorgen wegen Mangel an Schutzmaterial 43% 43%
  • Keine Sorgen über Eigen- und Patientenschutz 9% 9%
  • Geschätzte Einkommens-Einbußen im Mittel 38% 38%
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Allgemeine Kommentare der Beschäftigten

Von der Möglichkeit eigene Anmerkungen zu machen, machten 337 der Befragten Gebrauch. Sie beschreiben vielfach ähnliche Probleme. Diese beginnen bei Schwierigkeiten der Kinderbetreuung und enden bei ganz konkreten Ängsten, weil KollegInnen selbst mit schwerem Verlauf erkrankt sind und intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Viele der Befragten äußern große Sorge im Umgang mit Schutzmaßnahmen und berichten von der Angst sich selbst, die Patienten oder die eigene Familie zu infizieren. Die eigene finanzielle Situation belastet ebenfalls. In einem Niedriglohnsektor zusätzlich von Kurzarbeit betroffen zu sein, ist insbesondere für junge Familien und Alleinerziehende ein existenzielles Problem. Arbeitgeber scheinen dieses Problem unterschiedlich anzugehen. Einige der Befragten berichten von unbezahltem Urlaub, andere werden von ihren ArbeitgeberInnen z.B. durch Aufstockungen beim Kurzarbeitergeld unterstützt. Unverständnis wird über fehlende Handlungsempfehlungen oder widersprüchliche Aussagen von Behörden geäußert.

„Wir haben geschlossen da 2 Mitarbeiter an Corona erkrankt sind einer liegt auf Intensivstation! Tests stehen aber noch aus … zu langsam?!“

„Bisher lebte die Physiotherapie von gut verdienenden Partnern. Das fällt jetzt aus. Ich denke diese Krise kann der Dolchstoß sein.“

„Unsere Hygiene Fachkraft hat sogar verboten mit Mundschutz oder der gleichen zur Beratung zu gehen. Um die Patienten nicht zu verunsichern.“

„Ich bin tierisch wütend, dass die Ministerien sich untereinander nicht absprechen und unterschiedliche Informationen rausgeben. Das Gesundheitsministerium sagt wir seien systemrelevant und sollen arbeiten. Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, die sich mit der Notbetreuung von Kindern beschäftigen, haben schriftlich die Information rausgegeben, dass wir zu den Schlüsselberufen gehören und unseren Kindern Notbetreuung zusteht. Bei Nachfrage – unser Kreis Jugendamt verweigert uns nämlich die Notbetreuung – meinte dieses Ministerium, dass sie das so allgemein für alle Heilmittelerbringer leider gar nicht meinen, sondern nur für jene, die mit Akutpatienten im Krankenhaus arbeiten. Leider fehlt das auf dem Informationschreiben. Wie kann das sein? Ich soll laut Gesundheitsamt und -ministerium weiter meine Patienten versorgen, aber ich habe keine Betreuung für meine Kinder (1 und 2) – wie soll das weitergehen? Ich bin am verzweifeln. Meine finanziellen Einbußen werden höher wenn mir nicht langsam Notbetreuung garantiert wird.“

„Musste unbezahlten Urlaub nehmen vorrübergehend. D. h. Null Einkommen.“

„Keine Schutzausrüstung und kein Plan für weiteres Vorgehen. Bin unbezahlt im Urlaub bis die Kindergärten wieder aufmachen ob mir gekündigt wird ist fraglich ziemlich ungewisse Situation ist sehr deprimierend.“

„Es fehlen klare Aussagen. Ärzte sind nicht ausreichend informiert, wollen keine Rezepte ausstellen. Dabei sollen wir doch arbeiten, sind “

systemrelevant”.

In dem kürzlich beschlossenen Rettungsschirm wurden wir nicht bedacht…Meine Kollegen und ich fühlen uns im Stich gelassen, nicht ernst genommen. Aber wir Physios kennen das ja schon…“
„In ein paar Wochen gehen uns die Schutzmaterialien aus… Es kommen nicht mehr viele Patienten… Bei den die kommen hat man immer ein schlechten Beigeschmack, wie soll man damit umgehen wenn man nur übertrage ist, jemanden infiziert und die Person daran verstirbt… warum gibt es nicht längst einen Notfallplan und eine Finanzielle Unterstützung für Therapeuten. Alle Berufsgruppen werden geschützt und unterstützt und wir die ja sooo wichtig für das Gesundheitssystem sind um die kümmert sich niemand…“

„Meine Chefs zahlen uns unberechtigt weniger Geld aus, obwohl ich volle Arbeitszeit geleistet und therapiert habe. Zum Thema Mundschutz gibt es bei uns keine Arbeitsanweisung. 25 Risikopatienten sollen aus Wirtschaftlichkeit trotzdem behandelt werden. Ich habe keine Sorge davor den Virus zu bekommen, da ich jung und gesund bin. Allerdings habe ich Sorge Überträger zu sein und dann verantwortlich zu sein wenn ein Patient wegen mir schwer erkrankt oder stirbt.“

„Das Verhältnis von der Notwendigkeit eine Therapie durchführen zu sollen/müssen zu der Gefahr sich oder auch andere zu infizieren, müsste viel deutlicher abgewogen werden. Jedoch wird, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, dieses Verhältnis im Alltag überhaupt nicht abgewogen. Man ist aus wirtschaftlicher Sicht um jeden Patienten der kommt dankbar. Aus ethischer Sicht sollte man die Praxen nur als Notfallbetrieb (wirklich nur Akutpatienten behandeln) laufen lassen. Jetzt wo wir angeblich so systemrelevant sind, fehlt jegliche finanzielle und unterstützende Hilfe. Es bleibt das Gefühl, dass unsere Branchen komplett vergessen wird und es passt nichts zusammen!“

„Allen wird gesagt Kontakte zu vermeiden, jedoch sollen wir weiter normal arbeiten als Physiotherapeuten. Die Patienten sind verunsichert und sagen ihre Termine ab. Das passt nicht zusammen. Weiter werden wir bis jetzt nicht mit finanziellen Mitteln unterstützt und immer nur hingehalten.“

„Unsere Chefin versucht uns Alle ohne persönliche Einbußen zu retten. Ich weiß nicht ob sie es am Ende übersteht.“

Fazit:

Auch in der dritten Woche bleibt als Fazit nur die Aussage, dass TherapeutInnen weiterhin mit finanziellen Belastungen und organisatorischen Fragen allein gelassen werden. Zwar scheinen die bisher aufgelegten Hilfsmittel die finanzielle Situation etwas zu entlasten, doch die Wirkung ist in den einzelnen Bundesländern uneinheitlich.
Die Selbständigen konnten sich scheinbar mehr über Schutzmaßnahmen informieren und etwas besser ausstatten, doch in der überwiegenden Zahl bleiben Eigen- und Patientenschutz eine große Herausforderung.
Die finanzielle Situation der Praxen bleibt bedrohlich. Durch die Abrechnungsmodalitäten könnte sich das Liquiditätsproblem mit Verzögerung zeigen. Wenn jetzt eigene Rücklagen aufgebraucht werden müssen, um Landeshilfen beantragen zu können, so kommen diese Hilfen für viele Praxen evtl. zu spät. Auch die mittlere Auslastungsquote von 34% zeigt den deutlichen Umsatzausfall in den Betrieben. Aufgrund fehlender Rücklagen besteht die Gefahr, dass in der Branche ein nachhaltiges Rentabilitätsproblem entsteht, zumal die Entwicklung der Nachfrage nach therapeutischen Leistungen aufgrund der Abhängigkeit von ärztlichen Verordnungen derzeit nicht abzuschätzen ist.
Speziell die Mitarbeiter leiden unter konkreten Einkommensverlusten und leider auch vielfach unter ungenügender Ausstattung mit Schutzmaterialien oder unzureichender Prozesse im Bereich des Hygienemanagements.
Durch unterschiedliche und teilweise falsche Aussagen von Landesbehörden wurden zusätzlich Patienten verunsichert und so kam es speziell in Bayern, Niedersachsen. Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen zu ungeplanten Terminabsagen. In der Folge bleiben viele Patienten ohne Behandlung.

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